Die nächste Katastrophe
Unwetter mit Starkregen und Hagel haben erneut für Überschwemmungen und Muren in Kärnten gesorgt. Dabei sind die Menschen noch immer mit den Aufräumarbeiten vom katastrophalen Juni-Unwetter beschäftigt. Das Land plant bereits Umsiedelungen.
Unser Land wird in diesem Sommer von Katastrophen gebeutelt. Während der Osten unter der extremen Dürre leidet, wird Kärnten förmlich weggeschwemmt. Erneut gingen im südlichsten Bundesland schwere Unwetter nieder. Das Langalmtal in der Gemeinde Radenthein, St. Oswald in der Gemeinde Bad Kleinkirchheim, Leoben (Gemeinde Krems) und der Bezirk Feldkirchen wurden schwer geschädigt. Menschen mussten aus Häusern evakuiert und ausgeflogen werden.

Dabei war erst Ende Juni nur etwa 20 Kilometer südlich von Radenthein ein schweres Unwetter im Bezirk Villach niedergegangen. Für Treffen und Arriach musste damals nach heftigen Vermurungen und Überschwemmungen Zivilschutzalarm ausgelöst werden.
In der Gemeinde Gnesau im Bezirk Feldkirchen zerstörte das Unwetter der Vorwoche nun ebenfalls mehrere Straßen und Höfe. Wie in Arriach und Treffen dauern in Gnesau die Aufräumarbeiten weiter an. „Bei uns sind einige Privathäuser und Landwirtschaften betroffen“, sagt Vizebürgermeisterin Brigitte Ritzinger.

Für die Tourismusbetriebe sind die immer wiederkehrenden Unwetter eine Katastrophe und führen zu einem Totalausfall an Einnahmen. „In einem Ferienhaus wurde der Boden weggeschwemmt. Vor allem bewirtschaftete Hütten sind betroffen und von der Außenwelt abgeschnitten. Zudem mussten 25 Urlauber mittels Hubschrauber aus dem Tal geflogen und in örtlichen Hotels untergebracht werden oder sie sind abgereist“, erklärt
Michael Maier, Bürgermeister von Radenthein.

Eine beliebte Touristen-Attraktion gibt es nicht mehr
Was den Ortschef besonders schmerzt: Vom beliebten Ausflugsziel „Kneipp- und Mühlenwanderweg Kaning“ ist nichts mehr übriggeblieben. Hier konnten Familien in rund zweieinhalb Stunden entlang des Rossbachgrabens an sechs von früher 22 Mühlen aus dem 18. Jahrhundert vorbeiwandern. Es gab jede Menge Interessantes über die Arbeit der Müller und Bäcker in früheren Zeit zu erfahren. „Der Schmerz sitzt tief. Alle Mühlen bis auf eine wurden weggespült“, zeigt sich Maier tief betroffen.
In Bad Kleinkirchheim ist die Situation ebenfalls dramatisch. Bei Wohnhäusern und einem Hotelbetrieb wurde der Keller überflutet. Auch die Molkerei des Biobauernhofs Mallhof wurde schwer in Mitleidenschaft gezogen. Außerdem musste die Trinkwasserversorgung vorerst wegen Verunreinigung unterbrochen werden.

Die betroffenen Menschen hoffen auf rasche Hilfe, allerdings macht sich mittlerweile in der Bevölkerung auch schon Wut breit. Weil ihrer Ansicht nach vom Land zu wenig in den Hochwasserschutz investiert wird.
„Die Politiker verschenken Millionen Euro ins Ausland, für Waffenlieferungen in die Ukraine haben wir anscheinend genug Geld, aber für den Katastrophen- und Hochwasserschutz in unserem Land wird nichts getan“, regt sich eine Gemeindebürgerin aus Radenthein auf. Seitens des Landes Kärnten heißt es, dass im vorigen Jahr begonnen wurde, anhand eines Modelles Starkregenereignisse nachzubilden, um so Ausbaupläne für die Zukunft zur Verfügung zu haben.

„Ein Teil des Hochwasserschutzkonzeptes besteht aber auch darin, die Nutzung von gefährdeten Gebieten zu vermeiden. Das kann so weit gehen, dass bestehende Objekte abgesiedelt werden“, erklärt Norbert Sereinig, Leiter der Abteilung Schutzwasserwirtschaft. „In Treffen stehen wir bereits in Verhandlung mit Grundeigentümern, die bereit wären, ihre Gebäude zu verlassen. Letztendlich ist aber auch viel Eigenverantwortung und Eigeninitiative notwendig. Oft sind es kleine Maßnahmen, wie etwa einen Kellerschacht höher ziehen, einen Stiegenaufgang umzubauen oder die Garageneinfahrt mit Dammbalken zu schützen, die Katastrophen vermeiden helfen.“