Gemeinde bunkert Getreide für Notfall
Der Weizenpreis erreicht derzeit Rekordhöhen. Um die Versorgungssicherheit seiner Bürger in Mühldorf (K) selbst bei Engpässen zu gewährleisten, hat Gemeindechef Erwin Angerer (FPÖ) einen kommunalen Kornspeicher errichtet. Er fordert Vorrats-Pflicht im ganzen Land.
Bei knapp 450 Euro pro Tonne lag der Preis für Weizen bereits im Mai. In der Vorwoche wurde die Tonne dieses Getreides mit rund 400 Euro gehandelt. Im Vergleich zum Mai des Vorjahres bedeutet dies eine Verdoppelung des Preises. Er könnte noch höher steigen. Weil aus dem großen Anbaugebiet der Ukraine durch den Krieg weniger Weizen auf den Weltmarkt kommt. Ebenso aus dem durch Dürre geplagten Indien.
Um einem möglichen Engpass vorzubeugen, hat die Kärntner Gemeinde Mühldorf einen Kornspeicher eingerichtet.

„Mit einem Beschluss des Gemeinderates haben wir 25 Tonnen Getreide angekauft. Auf diese Weise können wir die Versorgungssicherheit der rund 1.000 Einwohner gewährleisten“, erklärt der Mühldorfer Bürgermeister Erwin Angerer (FPÖ).
Für den Gemeindechef war dies ein wichtiger und richtiger Schritt. „In Zeiten wie diesen gilt es, ein Bewusstsein für Vorsorge und Unabhängigkeit zu schaffen und für den hoffentlich nicht eintretenden Bedarfsfall vorzusorgen. Mit der Getreidebevorratung sind wir unabhängig von Lieferengpässen und kurzfristigen Veränderungen des Marktes und besitzen den ersten kommunalen Kornspeicher Kärntens.“

Eingelagert wurde der kostbare Weizen in der örtlichen Trattner Mühle, wo das Getreide von Müllermeister Mathias Trattner bei Bedarf vermahlen werden kann.
Eine Möglichkeit, die eine unschätzbare Unabhängigkeit bedeutet. Dessen ist sich Angerer bewusst. „Wir sind froh, dass es in unserem Ort noch eine Mühle gibt. Jetzt wird allen klar, wie wichtig es ist, dass wir unsere regionale und kleinstrukturierte Wirtschaft erhalten und wie gefährlich die Abhängigkeit von außen und von internationalen Großkonzernen sein kann.“

Lagerkosten von 1,50 Euro pro Einwohner
Laut dem Bürgermeister ist die Einlagerung auf unbestimmte Zeit festgelegt. Gekauft wurde das Getreide zu 360 Euro pro Tonne bei einem oberösterreichischen Händler von Müllermeister Trattner. Es ist kein Bio-Produkt. „Sowohl der Kaufpreis von 9.000 Euro als auch die Einlagerungskosten von 1,50 Euro pro Jahr und Einwohner, jährlich also insgesamt 1.500 Euro, übernimmt die Gemeinde. Wird die eiserne Reserve nicht gebraucht, kauft Trattner das Getreide um denselben Preis wieder zurück und verarbeitet es weiter“, erklärt der Gemeindechef.

Der Speicher ist aber längst nicht voll. Müllermeister Mathias Trattner erklärt, dass er sogar bis zu 600 Tonnen einlagern könnte. „Getreide ist ein Grundnahrungsmittel, das wegen des Krieges derzeit schwer erhältlich ist. Unsere Gemeinde ist mit den 25 Tonnen etwa sechs Monate abgesichert. Obendrein kann das Getreide mehrere Jahre ohne Qualitätsverlust gelagert werden“, sagt Trattner, der die kleinste Mühle Kärntens betreibt und die Vorsorgemaßnahme der Gemeinde begrüßt.

Mehr noch, Ortschef Angerer fordert von der Bundesregierung, dem Beispiel seiner Gemeinde zu folgen und im ganzen Land derartige Speicher anzulegen.
„Jedes Bundesland sollte in der Lage sein, seine Bevölkerung mit bestimmten Lebensmitteln eine gewisse Zeit lang versorgen zu können. Bis zum EU-Beitritt unseres Landes im Jahr 1995 hat es ein Gesetz gegeben, dass Mühlen immer Getreide auf Lager haben müssen, um die Bevölkerung in Krisenzeiten ein halbes Jahr lang versorgen zu können.“ Eine derartige Vorgabe müsse wieder her.