Kleines Band dichtet Herz ab
Treten im Alter Luftnot, „Wasser“ in den Beinen, verringerte Belastbarkeit oder Brustschmerzen auf, kann eine undichte Herzklappe zwischen rechtem Vorhof und rechter Herzkammer schuld sein. Eine neue Katheter-Operation hilft, den „Schaden“ schonend zu beheben.
Wer sich schon einmal gefragt hat, woher unsere Herztöne kommen, denkt vermutlich nicht an sie, die Herzklappen. Insgesamt gibt es vier, und sie tragen alle große Verantwortung. Wie gut geölte Ventile lenken die kleinen ringförmigen Durchlässe durch das Öffnen und Schließen ihrer „Segel“ das Blut mit jedem Herzschlag in die richtige Richtung.

Ein Defekt an einer Herzklappe ist daher ein schweres Gesundheitsproblem, bestätigt Prof. Dr. Martin Andreas, Oberarzt der Klinik für Herzchirurgie der Medizinischen Universität Wien. „Entzündungen am Herzen, Herzinfarkte, Vorhofflimmern sowie Erkrankungen des linken Herzens können im Alter, meist zwischen dem 50. und 80. Lebensjahr, zu einer Undichtigkeit der Klappe zwischen rechtem Vorhof und rechter Herzkammer führen. Wir nennen sie die Trikuspidalklappe.

Die Undichtigkeit der Trikuspidalklappe zählt zu den häufigsten Herzklappenerkrankungen. Dabei kommt es in Folge zu einem Stau in den rechten Vorhof und in die Hohlvenen. Die Patienten leiden dadurch an Wassereinlagerungen in den Beinen und im Bauch, gestauten Halsvenen, einem Leistungsknick und Atemnot. Eine Operation ist oft unumgänglich, wenn der Defekt behoben werden soll. Nun gibt es eine neue Operationsmethode, die für die Patienten wesentlich schonender ist als die bisherige Operation am offenen Herzen.“
Eine „offene“ Operation der Trikuspidalklappe, bei der Patienten an die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen werden müssen, ist mit einer hohen Krankenhaussterblichkeit von neun Prozent verbunden.
„Aus diesem Grund wurde das neue, minimal-invasive Katheterverfahren entwickelt“, erklärt Prof. Andreas, der diesen Eingriff im Team mit Herzchirurgen und Kardiologen nun erstmals am AKH in Wien an einer 84jährigen Patientin durchgeführt hat, die bereits an Atemnot und Beinödem litt. „Es ist ein komplexer Eingriff, der über einen Venen-Zugang an einer Leiste erfolgt. Das neuartige Implantat hat die Form eines Ringes und besteht aus einem festen Polyesterstoff. Das Band wird bis zu seinem Einsatzort im Herzen vorgeschoben. Dieses ‚Cardioband‘, wie wir es nennen, wird anschließend mit Hilfe von präzisen Apparaten und 17, etwa sechs Millimeter langen, Edelmetallschrauben in den Klappenring verankert. Danach wird es gerafft, so dass sich die drei Segel der Herzklappe wieder so weit wie möglich einander annähern und schließen“, beschreibt der Herzchirurg die einzelnen Schritte. Eine begleitende Röntgendurchleuchtung des Herzens während des Eingriffes erlaubt es den Ärzten, ihre Arbeit an einem Bildschirm präzise zu verfolgen.

Der Eingriff dauert zwei bis drei Stunden und Patienten liegen dafür in Vollnarkose. Dennoch ist diese Operationsmethode viel schonender und vor allem für betagte Patienten besser geeignet als eine Operation am offenen Herzen. „Die minimal-invasive Operation an unserer ersten Patientin verlief so erfolgreich, dass die Undichtigkeit der Herzklappe um mehr als die Hälfte verringert werden konnte. Vor allem aufgrund des großen Klappendefektes und des hohen Alters der Frau stellte das Cardioband die einzige Therapieoption dar. Die Patientin war drei Tage im Spital, und heute führt sie wieder ein weitgehend normales Leben.“