Rauch-Pause heilt OP-Wunden
Damit Operationswunden rasch verheilen, müssen sie gut durchblutet sein. Raucher haben hier Nachteile. Ihrev schlechtere Durchblutung birgt höhere Risiken für Wund-Komplikationen. An der Kepler Universität in Linz wurde nachgewiesen, dass eine Rauch-Pause vor und nach der Operation die Heilung stark unterstützt.
Der Alltag in den Spitälern zeigt es immer wieder. Raucher leiden häufiger an Wundinfekten und Knochenheilungsstörungen nach Operationen als Nichtraucher.

„Konkret ist nachgewiesen, dass Raucher bei orthopädischen und unfallchirurgischen Operationen wie bei Schulterprothesen- und Schultersehnen-Operationen, Hüft-, Knieprothesen-, Hallux- und Vorfuß-Operationen, Knochenbrüchen oder Wirbelsäulen-Operationen ein zwei- bis fünffach höheres Risiko einer Komplikation in der Wundheilung und besonders einer Infektion haben“, sagt Univ.-Prof. Dr. Tobias Gotterbarm, Vorstand der Universitätsklinik für Orthopädie und Traumatologie am Kepler Universitätsklinikum in Linz. „Insgesamt haben Raucher eine 2,3-fach höhere Infektionshäufigkeit nach künstlichem Hüftgelenks- oder Kniegelenksersatz. Nach Knochenbrüchen oder bei Operationen durchgeführter Durchtrennung von Knochen verzögert sich die Knochenheilung im Durchschnitt um 27 Tage. Bei Vorfußoperationen wie Hallux valgus ist die Infektionsrate um den Faktor 4,3 höher.“

Wunden brauchen Blut zum Heilen
Diese Probleme kommen nicht von ungefähr, denn eine einzige Zigarette enthält mehr als sechshundert verschiedene Inhaltsstoffe. Verbrennen sie, entstehen rund siebentausend chemische Verbindungen und ungefähr siebzig krebserregende Stoffe. Nikotin, Kohlenmonoxid und andere bei der Verbrennung entstehende Substanzen führen zu einem Sauerstoffmangel in den Geweben, weil sich die Gefäße verengen. Der Schaden, den Zigaretten im Körper anrichten, begrenzt sich also nicht auf die Organe wie etwa die Lunge.

„Für eine rasche Gesundung nach einer Operationen ist jedoch eine bestmögliche Gewebedurchblutung notwendig, welche die Wundheilung unterstützt und Infektionen vorbeugt. Das Blut und seine Blutbestandteile bringen Aufbaustoffe in den verletzten Bereich. Die regionale Durchblutung ist durch Rauchen aber deutlich verringert.“

Zwölf Wochen Pause halbieren das Risiko
Komplikationen bei der Wundheilung nach einer Operation wünschen sich weder Ärzte noch Patienten. Nach den Europäischen Raucherdaten weist unser Land mit einem Anteil von 25 Prozent aber eine relativ hohe Raucherrate auf. Damit rauchende Patienten hohe Chancen auf eine gute Wundheilung haben, gibt es an der Kepler Universitätsklinik in Linz nun ein ganz spezielles Angebot, das „Rauchpause-Programm“. Damit verfolgt die Klinik das Ziel, einen Rauchverzicht bei Patienten anzuregen, die vor einer Operation im orthopädischen oder unfallchirurgischen Bereich stehen.

Denn eine Rauchpause von zwölf Wochen, beginnend sechs Wochen vor der Operation bis sechs Wochen nach der Operation, führt zu deutlich verbesserten Ergebnissen und verringert die Komplikationsrate um bis zu 50 Prozent.
„Bei ungeplanten Eingriffen nach Unfällen ist eine vor-operative Rauchpause nicht möglich, jedoch bringt der Rauchverzicht unmittelbar nach einem Unfall ebenfalls deutlich höhere Chancen auf ein besseres Heilungsergebnis. Die Komplikationsrate verringert sich noch immer um 40 Prozent“, versichet Prof. Gotterbarm.
Das Rauchpause-Programm ist ein Angebot, eine Anregung, die individuell auf den Patienten zugeschnitten wird und zu dem Raucher eingeladen sind.

„Im ersten Schritt erfolgt die Zuweisung zur ‚Rauchpause‘-Ambulanz an der Universitätsklinik für Orthopädie und Traumatologie. Ärzte geben eine voroperative Beratung hinsichtlich Rauchverzicht, und es wird eine Selbstbeurteilung des Rauchverhaltens erhoben. „Sechs Wochen vor dem Eingriff kommt der erste Atemtest zur Erhebung des CO-Gehaltes in der Atemluft. Ein zweiter Atemtest erfolgt bei stationärer Aufnahme einen Tag vor Durchführung der geplanten Operation. Zwischen diesen beiden Tests kann eine Versorgung mit einem Nikotinersatz in Form eines Nikotinpflasters erfolgen“, erklärt Prim. Priv.-Doz. Dr. Bernd Lamprecht, Vorstand der Klinik für Lungenheilkunde am Kepler Universitätsklinikum.

Die sechs Wochen nach der Operation wird ebenso nicht geraucht. In dieser Zeit kontrollieren Ärzte die Stoffwechselprodukte und Giftstoffe des Rauchens im Körper. Dazu werden alle relevanten klinischen Fragen zur Gelenksfunktion und Lebensqualität besprochen. Die Nachbehandlung wie die Wundversorgung, Physiotherapie, Lymphdrainage, Rehabilitation und weitere Maßnahmen sind bei allen Patienten standardisiert und werden nach einem festen Protokoll durchgeführt.

Das Programm hilft beim Rauch-Ausstieg
„Um die Entwöhnung zu erleichtern, können sowohl vor wie nach der Operation Nikotinersatzprodukte wie Kaugummis, Pflaster, Nasenspray oder Unter-die-Zunge-Tabletten zur Hilfe eingesetzt werden. Sie erhöhen die Rauchpausenrate um 50 bis 60 Prozent, unabhängig von der Art und Intensität des sonstigen Programmes.“
Der Rauchverzicht rund um eine Operation schafft somit nicht nur raschere Genesung, sondern bringt auch mehr neue Nichtraucher. Mehr als die Hälfte der Patienten, die in den Wochen vor und nach der Operation dem Glimmstängel entsagt haben, verzichten auch danach auf Zigaretten.