Lebensmittel viel teurer durch neue Herkunfts-Kennzeichnung?
Bei Mayonnaise, Wurst und Käse werden wir künftig wissen, aus welchem Land das verwendete Ei, Fleisch oder die Milch kommt. Denn ab 2023 soll bei uns die verpflichtende Herkunfts-Kennzeichnung für verarbeitete, verpackte Lebensmittel sowie in öffentlichen Kantinen gelten. Sie betrifft die Grundzutaten Eier, Fleisch und Milch, wenn ihr Anteil beispielsweise mindestens die Hälfte beträgt. Die EU will demnächst eigene Kennzeichnungs-Vorschläge vorlegen.
JA:
Katharina Kossdorff,
Fachverband der Lebensmittelindustrie
„Heimische Hersteller sind Traditionsbetriebe, die erstklassige Produkte erzeugen, die bei uns und in 180 Ländern der Welt beliebt sind. Sie stehen im harten globalen Wettbewerb. Wem Herkunft bei Lebensmitteln wichtig ist, der findet Gütesiegel und Angaben auf dem Etikett nach dem EU-Recht. Sie gelten für alle Hersteller in Europa. Das ist der Unterschied zur jetzigen rein nationalen Herkunftskennzeichnung: Sie gilt nur in Österreich und nur für heimische Hersteller, nicht für Importware und ausländische Hersteller. Das verursacht nur für uns hohe logistische Kosten, weil Rohstoffe getrennt nach Herkunft gelagert, transportiert, verarbeitet und deklariert werden müssen. Verpackungen müssen jedes Mal geändert und entsorgt werden, wenn ein Rohstoff aus einem anderen Land kommt, was durch Ausfälle von Lieferanten oder Ernten jederzeit passieren kann. Alle Lebensmittel liegen aber nebeneinander im Supermarktregal und unsere sind teurer. Das schadet den österreichischen Betrieben. Es kann doch keiner wollen, dass importierte Produkte günstiger sind als heimische. Daher sind wir strikt gegen den Alleingang, weil er nur unsere Betriebe belastet und unsere Lebensmittel verteuert. Und das mitten in der höchsten Teuerungswelle seit 40 Jahren.“

NEIN:
Sebastian Bohrn Mena,
Initiator Tierschutzvolksbegehren
„Fakt ist: Auf eine Leberkäse-Semmel oder ein Schweinsschnitzel gerechnet, betragen die Kosten für die Kennzeichnung der Fleischherkunft gerade einmal einen Cent. Das ist keine theoretische Rechengröße, sondern bereits gelebte Praxis, nachzuprüfen bei der Firma Gourmetfein in Oberösterreich, die 100 Prozent Transparenz bei ihren Fleischwaren lebt. Dieses konkrete Beispiel ist sehr wichtig, um den Blendgranaten zu widersprechen, die derzeit aus der Industrie geschossen werden. Manche wollen uns einreden, dass wir uns die Wahrheit darüber, wo unser Essen herkommt, nicht leisten könnten. Das Gegenteil ist der Fall. Wir können uns die Intransparenz nicht länger leisten.
Das Einzige, was Bauernsterben, Tierqual, Naturzerstörung oder Arbeitsausbeutung effektiv bekämpft, das ist Transparenz. Je mehr, umso besser. Ja, richtig, der ,Speck aus Tirol‘ kann dann nicht länger unentdeckt Import-Schweine enthalten und der Kaiserschmarrn auch keine indischen Käfigeier mehr. Das bedeutet, dass manche ihr Geschäftsmodell werden ändern müssen. Aber wer bislang mit Schönfärberei arbeitete, der sollte ohnehin nicht länger damit durchkommen dürfen.“