Rekordteuerung und nun drohen leere Regale
Die Inflationsrate von 7,2 Prozent, die höchste seit vierzig Jahren, macht den Menschen in unserem Land zu schaffen. Als Folge von massiv gestiegenen Energie- und Treibstoffpreisen drohen nun Lieferengpässe in den Supermärkten.
Eine Teuerungswelle überrollt unser Land. Sie macht sich in fast allen Lebensbereichen bemerkbar. Laut einer aktuellen Umfrage klagen acht von zehn Menschen über gestiegene Fixkosten. Innerhalb eines Jahres sind die Energiepreise auf ein Rekordhoch geklettert. Im Schnitt zahlen wir um 42,4 Prozent mehr für Heizöl, Sprit und Strom. Allein der Dieselpreis hat in den vergangenen zwölf Monaten um mehr als die Hälfte zugelegt und eine 50-Liter-Tankfüllung kostet um 35 Euro mehr als noch im März 2021. Höhere Treibstoffpreise bedeuten zudem auch höhere Transportkosten, weswegen wir im Supermarkt tiefer „ins Börserl greifen“ müssen.

Krisenbedingt sind viele Lebensmittel derzeit nicht lieferbar oder vergriffen, etwa Sonnenblumenöl. Die Diskont-Kette Hofer versucht zu beruhigen. „Die aktuelle Situation in der Ukraine spielt eine Rolle, da es ein Land mit großen landwirtschaftlichen Flächen im Bereich Futtermittel und Öle ist. Durch verschiedene Ursachen wie längere Vorlaufzeiten bei der Produktion oder teilweise stärkere Nachfrage können wir leider nicht völlig ausschließen, dass vereinzelt bestimmte Artikel vergriffen sind. Grundsätzlich ist die Verfügbarkeit von Lebensmitteln aber nach wie vor gesichert“, erklärt die Hofer-Sprecherin Paulina Burghardt.

Steuern senken zur Entlastung
Die Spar-Unternehmenssprecherin Nicole Berkmann sieht keine „wirklichen Lieferengpässe. Allenfalls gibt es vereinzelt Lieferverzögerungen. Es werden aber alle Produkte immer wieder nachgeliefert.“ Ausverkaufssituationen seien laut Berkmann nur kurzfristig und hätten oft mit Bevorratung von Kunden zu tun. „Es ist genügend vorhanden“, sagt Berkmann. Eine Rationierung von Lebensmitteln droht nicht. Lieferschwierigkeiten soll es nach Angaben einer Mitarbeiterin aber auch bei Fischstäbchen geben.
Während der Selbstversorgungsgrad bei Fleisch laut der Umweltschutzorganisation „Greenpeace“ bei 109 Prozent liegt und bei Milch bei 163 Prozent, also eine Überproduktion, schaut es bei Gemüse (58 %) und Ölsaaten (50 %) schlechter aus.

„Bei Ölen ist ein hoher Importbedarf gegeben. Olivenöl, Sonnenblumenöl und ähnliches lassen sich natürlich aus heimischer Produktion nicht decken“, bestätigte Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger, 43, die am Montag ihren Rücktritt erklärte. Versorgungsengpässe sah sie aber bei keinem Lebensmittel. Die Versorgung sei vorerst noch gesichert, wie die ÖVP-Politikerin beim Agrar-Krisengipfel beteuerte.
Auch der Handelsverband sieht die flächendeckende Versorgung der heimischen Bevölkerung weiterhin vollumfänglich sichergestellt, erklärt Sprecher Gerald Kühbauer. „Dies ist insbesondere der regionalen Beschaffung bei heimischen Produzenten und Landwirten zu verdanken.“

Energiegutschein floppt
Um zu entlasten, fordert der Handelsverband die Abschaffung der kalten Progression beziehungsweise eine Anhebung der unteren beiden Lohn- und Einkommenssteuerstufen. Außerdem wäre eine Mehrwertsteuer-Senkung auf Energie sinnvoll.
Als wenig sinnvoll erweist sich hingegen der Energiegutschein der Regierung. Zu spät und zu kompliziert – so lautet die Kritik der Bürger. Der Gutschein kann meist erst 2023 eingelöst werden und verursacht 30 Millionen Euro Verwaltungskosten.

Hinsichtlich der Lebensmittelversorgung fordert auch der Klimawandel seinen Tribut. „Die verheerende Hitzewelle in Indien wird voraussichtlich die Weizen-Erträge um zehn bis 15 Prozent reduzieren. Das könnte den hohen Weizen-Weltmarktpreis weiter in die Höhe treiben. Indien ist zweitgrößter Weizenproduzent der Welt. Hierzulande könnten dadurch die Preise weiter steigen. Und in Nordafrika und im Nahen Osten drohen Hungerkatastrophen“, warnt der Greenpeace-Experte Sebastian Theissing-Matei.