Der Duft der Provence
Blühende Lavendelfelder sind das Sinnbild der Provence in Frankreich. In ein paar Wochen färben sich große Teile der Region wieder violett. Ein idealer Ausgangspunkt für einen Ausflug in die Provence ist die Küstenstadt Nizza. Dort bringt der „Pinienzapfenzug“ Ausflügler in das bergige Hochland der Provence.
Vom Strand in Nizza ist es nur ein Katzensprung ins bergige Hinterland. Die französische Stadt an der Mittelmeerküste lockt mit einem angenehmen Klima und einer sieben Kilometer langen, mit Palmen gesäumten Uferpromenade. Villen, Paläste und Barockkirchen zieren die Altstadt.
Die Hafenstadt an der Côte d‘Azur ist auch Teil der Provence. Ab Mitte Juni färben sich die Berghänge im Hinterland Nizzas wieder violett, sobald der Lavendel blüht.

„Wer von der ,Provence‘ spricht, hat meist Lavendelfelder im Kopf, die sich im Wind wiegen. Aber eher keine Strände oder Berge“, sagt Valérie Gillet vom Tourismusverband der Provence. Dabei ist keine Region in Frankreich so kontrastreich wie die Provence. Hügelige Weinberge, die flache Schwemmlandebene Camargue und Bergdörfer sind Teil dieser eindrucksvollen Landschaft.
Um einen ersten Eindruck zu bekommen, eignet sich Nizza als Ausgangsort. In der Nähe des Hauptbahnhofes befindet sich der Bahnhof „Chemins de Fer de Provence“. Dort fährt vier Mal täglich der „Pinienzapfenzug“ nach Digne-les-Bains, der ehemaligen Hauptstadt der Provence.

Mit dem „Pinienzapfenzug“ zu den Lavendelfeldern
Wie der Zug zu dem außergewöhnlichen Namen kam, darüber gibt es einige Legenden. „Eine besagt, dass die Bahn einst so langam fuhr, dass die Passagiere unterwegs ausstiegen und Pinienzapfen sammelten. Die nutzten sie für den eigenen Herd oder um der Lokomotive zusätzlich einzuheizen“, erklärt die Französin.

Heute rauscht der Zug mit bis zu 60 Kilometern pro Stunde über die Gleise. Auf der 150 Kilometer langen Strecke geht es bergwärts zum mittelalterlichen Dorf Entrevaux. Die Gemeinde ist von einer dicken Mauer umgeben und wird von einer Zitadelle überragt. Kurz darauf folgt das Städtchen Annot, das von bizarren Kalksandsteinformationen geprägt ist, an denen sich Kletterer nach oben mühen.
Kurz nach La-Colle-Saint-Michel ist der höchste Punkt der Reise erreicht. Der Zug quietscht nun 800 Höhenmeter abwärts zum Zielbahnhof Digne-les-Bains. Die 17.000 Einwohner große Stadt ist ab Juni in Lavendelfelder eingehüllt. Der würzige Duft der Heilpflanze liegt in der Luft. Die heißen Quellen haben dem Örtchen den Titel eines Thermalkurortes verschafft.

Zu den reizvollsten Bauwerken zählt die Kathedrale St. Jérome, die am höchstgelegenen Punkt der Stadt thront. Wer sich über den Anbau von Lavendel informieren will, besucht das Lavendelmuseum. „Der Lavendel ist seit der Antike in der Provence heimisch. Der echte, wilde Lavendel wächst vor allem in den Bergen auf bis zu 1.500 Meter Höhe. Er wird kaum geerntet, weshalb sich Besucher bis Ende August an den violetten Blüten erfreuen können“, erklärt Gillet.

Nizza lockt mit dem Meer und einer schönen Altstadt
Der echte Lavendel ist aber nicht so ertragreich wie der Lavandin, eine Kreuzung zwischen Speiklavendel und dem wilden Lavendel. Das ist die am häufigsten anzutreffende Sorte in der Provence, auf die vor allem die Industrie setzt. Ein Vorteil ist die fast sechs Mal höhere Ausbeute an ätherischen Ölen.

Wer noch tiefer in die Provence vordringen möchte, sollte sich ein Auto mieten. Etwa 40 Kilometer von Digne-les-Bains entfernt, um das Dorf Valensole, befinden sich die größten Anbaufelder der Provence. Eines der bekanntesten Ansichtskartenmotive liegt weiter westlich in Gordes. Dort zieren Lavendelfelder das Kloster von Sénanque.
Nach dem Besuch in der Provence bringt der „Pinienzapfenzug“ die Urlauber wieder zurück nach Nizza. Die Stadt hat kürzlich den Titel „grünste Stadt Frankreichs“ errungen. Zwei Drittel der Fläche sind mit Bäumen und Sträuchern besiedelt. Nizza beeindruckt neben der Vegetation auch mit einem azurblauen Meer und einer verwinkelten Altstadt.

Mehrere Plätze, die der ansonsten engen Altstadt etwas Raum verschaffen, laden ein, in kleinen Geschäften zu stöbern oder sich in einem der Cafés eine Pause zu gönnen. Den wohl besten Blick über Nizza haben Spaziergänger vom Schlosshügel „Colline du Château“ aus. Der 90 Meter hohe Hügel ist mit wunderschönen Parkanlagen bewachsen und verfügt über einen Wasserfall sowie eine Aussichtsplattform. Außerdem befinden sich dort die Ruinen einer mittelalterlichen Abtei inmitten von Pinien und Feigenbäumen.

Nizza verfügt auch über einen preiswerten öffentlichen Verkehr. Die Busse der Linien 100 und 112 bringen Ausflügler um nur 1,50 Euro nach Monte Carlo im Fürstentum Monaco. Gleich beim Aussteigen wird klar, dass hier das Geld regiert. Im Hafen reiht sich eine Yacht an die nächste und auf dem Hügel, der zum Casino führt, parken Luxusautos. In eleganter Kleidung werden Besucher ins Casino gelassen, wo sie ihr Glück an den Spieltischen versuchen können.