Ein „Oscar“ für den Kompost
Sein Geschäft ist der Mist. Eigentlich das, was daraus wird. Auf seiner Kompostieranlage in der Gemeinde Wartberg ob der Aist (OÖ) verwandelt Christoph Gstöttenbauer jedes Jahr 2.800 Tonnen Abfälle in Kompost. Nicht nur in guten, sondern den besten unseres Landes. Im vergangenen Jahr wurde sein Produkt mit dem „KompOskar“ prämiert.
Wir beziehen unser Rohmaterial von Wartberg ob der Aist, Hagenberg und Unterweitersdorf (alle OÖ)“, sagt Christoph Gstöttenbauer, nachdem er von der riesigen Zugmaschine gesprungen ist, die er auf dem fußballfeldgroßen Areal seines Betriebes in Wartberg zum Beladen abgestellt hat. Sein Rohmaterial ist das, was wir wegwerfen – und zwar in die Biotonne. Davon kommt in den drei Gemeinden einiges zusammen. Etwa 2.800 Tonnen Abfälle landen jährlich bei ihm. Aus denen er wiederum 600 Tonnen qualitativ hochwertigen Kompost produziert.

Schon vor mehr als 30 Jahren errichtete sein Vater Leopold, 72, eine der ersten Kompostieranlagen unseres Landes. Im Jahr 2009 übernahm Sohn Christoph den Betrieb und baute die Anlage aus. In der nach dem CMC-Verfahren (Kontrollierte mikrobielle Kompostierung) gearbeitet wird. „Vereinfacht erklärt: Wenn ein Apfel faul wird, arbeiten die Mikroorganismen daran, den Apfel abzubauen. Genau dieses Prinzip machen wir uns zunutze. Wir haben Materialien, in welche die Natur die Mikroorganismen bereits eingebaut hat. Wir setzen sie richtig zusammen und füttern die Mikroorganismen mit Wasser und Luft. Dadurch vermehren sie sich stark und bauen das Material zu Kompost um“, erklärt der Fachmann den Vorgang.

Mit dem „Kressetest“ prüfen, ob der Kompost fertig ist
Damit die mikroskopisch kleinen Helferchen fleißig zu Werke gehen können, muss ihnen Gstöttenbauer die perfekten Bedingungen schaffen. „Als Untergrund verwenden wir gehäckselten Strauchschnitt, der in einer langen Zeile angehäuft wird. Darauf werden Grünschnitt und die Abfälle der Biotonne verteilt. Lehmige Erde und bereits fertiger Kompost kommen am Ende dazu“, erklärt der 47jährige. „Der Kohlenstoff- und Stickstoffanteil muss gut aufgeteilt werden. Je vielfältiger die Materialien, desto besser läuft der Kompostierungsprozess ab.“
Diese „Rezeptur“ wird mit einem sogenannten Wender vermischt und gut bewässert. Ein aufwändiges Verfahren, denn es muss in den ersten zwei Wochen nicht nur täglich gewendet und benetzt sowie Temperatur und Kohlendioxid gemessen werden.

Auch Müll muss aussortiert werden
Auch Müll wird händisch aus dem Material geholt. „Wenn etwas als biologisch abbaubar bezeichnet wird, ist es noch lange nicht kompostierbar“, appelliert Gstöttenbauer auf mehr Achtsamkeit bei der Mülltrennung.
Nach etwa zehn Wochen auf der Vorrotte, wo der Abbauprozess stattfindet, wird der Kompost gesiebt auf die Nachrotte verfrachtet und dort nur noch bewässert. Wenn sich die Temperatur konstant hält und kein Kohlendioxid mehr messbar ist, haben die Mikroorganismen ihre Aktivität eingestellt und der Kompost ist fertig.

Bevor der zum Kunden kommt, prüft der Fachmann jede fertige Zeile mit dem sogenannten Kressetest. „Ich gebe Kompost in ein Glas, setze Kressesamen bei und verschließe das Glas luftdicht. Innerhalb von drei Tagen soll die Kresse gewachsen sein. Tut sie das nicht, ist das der Hinweis für mich, dass die Mikroorganismen noch arbeiten. Sie veratmen den Sauerstoff im Glas. Dadurch kann die Kresse nicht wachsen.“
Die Krönung seines Engagements und innovativen Denkens erfolgte im vergangenen Jahr durch die Auszeichnung mit dem „KompOskar“, verliehen vom Kompost und Biogas Verband Österreich. Aufgrund im Labor ausgewerteter Parameter belegte Gstöttenbauers Kompost den ersten Platz.

Den prämierten Kompost gibt es ab Hof
Den prämierten Kompost können sich Kunden natürlich jederzeit abholen, ob in Kübeln, Säcken, Trögen oder gleich in Kubikmeter-Einheit. „Etwa als klassischen Kompost (40 Liter um € 9,–). Er eignet sich hervorragend zur Düngung von Gemüsebeeten, Zierpflanzen, Hecken und Sträuchern. Einfach zehn bis 20 Liter pro Quadratmeter oberflächlich aufbringen und seicht einarbeiten. Die Nährstoffe werden pflanzengerecht freigesetzt und man erhält ein enorm hohes Wasserspeichervermögen“, liefert Gstöttenbauer gleich noch die Anwendungstipps dazu.

Natürlich hat er auch Kompostmischungen wie Hochbeet-, Rasen- und Paradeisererde im Programm, die sich durch ihre Mischungsverhältnisse von Kompost, Sand und Erde unterscheiden. Die Paradeisererde etwa besteht aus 65 Prozent Kompost, 25 Prozent Sand und zehn Prozent Erde. Angeboten wird die Mischung in einem Dekorsack (€ 12,–), der gleich als Aufzuchtplatz für die Pflanzen dient. „Einfach den Jutesack auf einen geeigneten Platz im Garten oder auf die Terrasse stellen und die Pflanzen wie Paradeiser oder Kürbis einsetzen“, rät Gstöttenbauer. Das ist nicht nur nach der Ernte für den Gaumen ein Schmaus, sondern auch schon vorher für das Auge.
Infos im Internet unter: www.gkompost.jimdofree.com