Ein Traum aus Eis
Nirgends fühlt sich Fortbewegung so mühelos an wie beim Eislaufen. Auf zwei Kufen über das Eis zu gleiten, macht vor allem am Weissensee in Kärnten Spaß, der sich jedes Jahr in die größte präparierte Natur-Eisfläche der Welt verwandelt.
Mit dem Auto auf einem zugefrorenen See fahren. Das gibt es in unserem Land nur auf dem Weissensee in Kärnten zu sehen. Während die Urlauber noch in ihren Betten liegen, sind die Eismeister bereits bei der Arbeit. Mit einem 30 Jahre alten silbergrauen Ford Fiesta sind sie auf der Eisfläche unterwegs. Sie prüfen, ob die Eisschicht dick genug ist, um darauf mit Schlittschuhen ein paar Runden zu drehen.
Nachdem die vorige Saison aufgrund heftigen Schneefalles abgesagt werden musste, gibt es in diesem Winter beste Bedingungen. „Die Eisdecke ist derzeit 30 Zentimeter dick. Der kleinere Teil des Weissensees, der Westteil, ist für das Eislaufen freigegeben“, sagt Bernhard Jank.

Der 42jährige ist der jüngste Sohn von Eismeister Norbert Jank, 75, und wird liebevoll Eismeister junior genannt. Gemeinsam mit seinem Vater, seinem älteren Bruder Norbert, 50, und Hubert Stampfer, 68, sorgt er dafür, dass die Gäste auf Kufen über den See gleiten können.
Die Männer verwandeln den Weissensee in die größte präparierte Natur-Eisfläche der Welt. Eisläufer können derzeit auf einer vier Kilometer langen Runde über das spiegelglatte Gewässer gleiten. Zusätzlich gibt es sechs Eisstockbahnen, sechs Eishockeyplätze und eine 400 Meter lange Eisschnelllauf-Trainingsbahn.

Das alles wird durch ein traumhaftes Panorama versüßt. Der Weissensee liegt inmitten der Gailtaler Alpen. Die Bäume entlang der Berghänge sind weiß angezuckert und vom Eis aus sind die schneebedeckten Dächer der Orte Oberdorf, Gatschach und Praditz zu sehen.

Wer eine Pause braucht, wärmt sich in der „Tschatscheleria“ oder in „Petra‘s See-Stüberl“ auf. Die beiden Lokale befinden sich direkt am Uferrand. In diesem Jahr gibt es einen neuen Gaumenschmaus direkt am Eis. „Zwei junge Burschen verkaufen heiße Maroni mit Salzkruste. Sie stehen in der östlichen Kurve. Den Maronibrater haben sie auf der Ladefläche eines italienischen Kleintransporters“, erzählt Thomas Michor von der Weissensee Information.
Mit warmen Maroni in der Hand läuft es sich gleich besser. Auf der Eisdecke tummeln sich aber nicht nur Eisläufer, sondern es sind auch Winterwanderer, Eisstockschießer und Pferdeschlitten anzutreffen. Urlauber können sich von Rössern über das Gewässer ziehen lassen. Eingehüllt in warme Decken, genießen die Ausflügler die traumhafte Landschaft.

Die Pferdeschlitten sind vom Weissensee nicht wegzudenken, denn mit ihnen hat alles begonnen. Eismeister Norbert Jank hat im Jahr 1967, als die Weißensee-Bergbahn für den Wintertourismus eröffnet wurde, eine schmale Bahn für seine Pferdeschlitten am See geräumt. Er wollte damit eine kleine Attraktion schaffen.
Aus der kleinen Attraktion wurde im Laufe der Jahre aber eine große, 1987 wurde der höchstgelegene Badesee Kärntens mit einem Schlag weltberühmt. Die Winterszenen des James-Bond-Filmes „Der Hauch des Todes“ wurden am Weissensee gedreht. Jank zeigte dem Filmteam, wo sie gefahrlos mit den Autos über den See brettern können.

Ein reger Besucheransturm folgte kurz darauf, als die Niederländer den See für sich entdeckten. Weil ihre Grachten nicht mehr zufrieren, tragen sie gewöhnlich Ende Jänner den Wettbewerb „Elf-Städte-Tour“ am Weissensee aus. „In diesem Jahr ist die Veranstaltung aber abgesagt“, informiert Eismeister Bernhard Jank, der mittlerweile das Eis-Zepter von seinem Vater übernommen hat.
„Mein Vater arbeitet immer noch mit. Solange er körperlich kann, kümmert er sich weiterhin um das Eis“, sagt Bernhard Jank. Gold wert sind die Aufzeichnungen von Norbert Jank, die belegen, wie sich der See verändert hat.

Sie zeigen, dass das Eislaufen am Weissensee vor einigen Jahrzehnten weit länger möglich war. In den 70er Jahren war der östliche Teil meist an mehr als hundert Tagen zugefroren. Zum Vergleich: Im Jahr 2019 gab es an 59 Tagen am Ostteil eine Eisfläche, im Jahr 2020 waren es nur 46 Tage.
Durch die hohe Lage von 930 Meter Seehöhe friert der Weissensee jedes Jahr zu. „Der See bildet Eis zuerst im Westteil, wo er nur fünf Meter tief ist. Im Osten friert der See gut einen Monat später zu, weil er dort bis zu 100 Meter tief ist. In diesem Winter rechnen wir damit, dass der gesamte See Ende Jänner zu befahren sein wird“, erzählt der Eismeister.

Wenn der Weissensee komplett zufriert, spannt sich eine 25 Kilometer lange Eislaufbahn über den See. Wer vom Eislaufen nach einer Abwechslung sucht, kann mit Langlaufschi die acht Loipen erkunden oder mit dem Schlitten auf zwei Natur-Rodelbahnen hinuntersausen.
Zudem gibt es ein kleines Schigebiet mit sechs Pistenkilometern. Die 4er-Sesselbahn bringt die Sportler in zwölf Minuten auf die Naggler Alm auf 1.324 Meter, den höchsten Punkt des Schigebietes. Von hier oben lässt sich der Weissensee in all seiner Pracht bewundern.

Spaß auf dem Eis
Tageskarte: 7 Euro für Gäste ab 12 Jahren.
Nächtigungsgäste zahlen 5 Euro, wenn die Karte in der Unterkunft gekauft wird.
Kostenlos auf das Eis: Mit der Weissensee-PremiumCARD können Nächtigungsgäste gratis die Eisfläche und die Loipen benutzen. Die Karte ist in drei Vierteln der Beherbergungsbetriebe am Weissensee erhältlich.
Informationen: Tel.: 04713/2220,
www.natureislauf.at und auf www.weissensee.com