Verliebte Rivalinnen im Stangenwald
Neues Schi-Jahr, alte Rivalitäten. Nirgendwo im Damen-Weltcup sind die Zweikämpfe härter als zwischen den Ausnahmeathletinnen Petra Vlhova, 26, und Mikaela Shiffrin, 26. Beide verraten, wie die frische Verliebtheit in ihre muskulösen Lebensgefährten auch ihre Pisten-Duelle befeuern.
Beide Pisten-Asse sind 26 Jahre alt, duellieren sich jede Woche und jagen fast im Gleichschritt den Gesamtweltcupsieg. „Unsere harte Rivalität hat eine besondere Qualität. Mir fehlt etwas, wenn sie nicht am Start steht“, gab Petra Vlhova zuletzt zu, als ihre amerikanische „Lieblings-Feindin“ Mikaela Shiffrin wegen einer Corona-Infektion ausfiel. Spätestens am Wochenende laut Plan in Kranjska Gora (Slowenien) jedoch sollte der Gong für die nächste Runde im Zweikampf der Stangenwald-Artistinnen erklingen.

Dort kann sich Vlhova, die amtierende slowakische Gesamweltcupsiegerin und Riesentorlauf-Weltmeisterin von 2019, im Zielraum darauf verlassen, dass ihr Herzblatt Michal Kyselica, 28, die Daumen drücken wird, der nicht nur dank seines muskelbepackten Körpers Kraft ausstrahlt. „Ich habe Michal im vergangenen Jahr kennengelernt, es war Liebe auf den ersten Blick“, erzählt sie. „Seit ich ihn zum ersten Mal sah, möchte ich ihn jeden Tag anschauen.“ Der ehemalige American-Football-Spieler arbeitet in der Slowakei als Manager und Fitnesstrainer, unter anderem auch im Sold von prominenten Sportlern. Kein Wunder, dass er nun Freundin Petra beim Fitnesstraining Beine machen möchte. Mental hat der Kraftlackel bereits viel Positives bewirkt, nachdem Vlhova, wie sie in ihrer Biografie verriet, in der vergangenen Saison unter enormen Tiefschlägen des früheren Trainers Livio Magoni zu leiden hatte. Er hätte sie im Training kalt wie eine Maschine behandelt und öffentlich als „so elegant fahrend wie ein Bügeleisen“ verspottet. „Es war, als hätte Livio mich umgebracht“, offenbart sie, dass der Stachel heute noch tief sitzt, obwohl mit dem neuen Trainer Mauro Pini schon längst Ersatz gefunden wurde. Freund Michal half, dieses Kapitel abzuhaken. „Ich hatte vorher ein paar Beziehungen, aber es war nie wie mit ihm. Die Liebe zu Michal hat mir auch auf der Piste geholfen. Aber es ist ein Glück, dass er keine Ahnung vom Schirennsport hat“, sagt sie lachend.

Anders sieht dies Mikaela Shiffrin, die seit Sommer an der Seite des Schiprofis Aleksander Aamodt Kilde, 29, zu finden ist. Für sie definiert sich das Glück der Beziehung genau darin, dass beide denselben Beruf ausüben. „Es ist schön, wenn der andere deine Situation blind versteht“, berichtet die sechsfache Weltmeisterin. „Manchmal habe ich das Gefühl, als wären wir ein und dieselbe Person.“ Der in Innsbruck (T) lebende, fröhliche Norweger gewann 2020 den alpinen Gesamtweltcup der Herren und hat einen ebenso eindrucksvollen Körperbau wie Kyselica. Kilde und Shiffrin gelten als fleißige Trainierer. „Wir wissen beide, wo unser Fokus liegt, das ist ein Vorteil“, glaubt Kilde. „So können wir gemeinsam trainieren und dabei eine gute Zeit haben. Mikaela ist ein schönes Mädchen.“ Es habe lange ge-
dauert, so erinnert er sich, bis beide zusammenkamen. „Wir kennen uns schon sechs Jahre, doch erst im ver-
gangenen Sommer funkte es, als ich
am Knie verletzt war und Mikaela ihren Vater verloren hatte. Doch es zeigte sich, dass, wenn etwas Unschönes passiert, oft etwas Gutes dabei herauskommt.“ W. Kreuziger