„Mister Wunderbar“ Harald Serafin wird am Heiligen Abend 90.
Seine Frau, die einen Tag davor ihren 80. Geburtstag feiert, sagt: „Ich bin nie einem Mann begegnet, mit dem ich so gut lachen kann“
Wenn von „Mister Wunderbar“ die Rede ist, weiß jeder, wer damit gemeint ist. Harald Serafin lacht herzhaft, wenn ihn jemand so anspricht. Den Beinamen verdankt Serafin, gefeierter Operetten-Sänger und erfolgreicher Intendant der Seefestspiele Mörbisch (B), seinen originellen Sprüchen als Juror in der Fernseh-Sendung „Dancing Stars“. Vor 15 Jahren hauchte er als flotter Mittsiebziger dem Tanz-Bewerb Charme und Witz ein, womit er Tänzer und Publikum gleichermaßen begeisterte.
Es war unter anderem auch sein humorvolles Gemüt, in das sich seine Frau, von ihm liebevoll „Mausi“ genannt, vor etwa 40 Jahren verliebte. „Ich bin nie einem Mann begegnet, mit dem ich so gut lachen kann“, sagt Inge Serafin, die am 23. Dezember 80 Jahre jung wird. Einen Tag später, am Heiligen Abend, feiert Harald Serafin den 90er. Ein gebührender Anlass, das fesche Jubel-Paar zu beglückwünschen und im weihnachtlich geschmückten Wohnzimmer über die Liebe, das Leben und die Leichtigkeit zu plaudern.
Frau und Herr Serafin, geht es Ihnen so blendend, wie Sie beide aussehen?
Harald Serafin: Ein bisschen quälen mich meine Kreuzschmerzen, aber es geht alles noch erstaunlich gut.
Inge Serafin (lacht, während sie die Hand ihres Mannes nimmt): In unserem Alter ist es doch schön, sich aneinander festzuhalten. Harald, du brauchst mir keine Blumen schenken, wir haben einen wunderschönen Adventkranz mit Strohblumen, ganz natürlich, ohne Zapfen und Glitzer. Außerdem ist es für mich das schönste Geschenk, wenn du mich anlächelst. Eigentlich sind wir ein fesches Paar. Ich kenne 90jährige Männer, die sehen wirklich schrecklich aus.
Harald Serafin: (lacht laut) Vielleicht habe ich ja geschummelt und bin auch erst 80, so wie du …
Inge Serafin: Das wäre schön, aber du bist ohnehin alterslos und schaust einfach jung aus. Wahrscheinlich liegt das an den guten Genen, die du von deiner Mutter hast.
Abgesehen von den guten Erbanlagen, wie halten Sie sich fit?
Harald Serafin: Ich bewege mich mehr oder weniger radfahrend auf meinem Heimtrainer. Und statt des Aufzugs benutze ich manchmal die Stiegen. Mausi geht oft spazieren, was ich weniger mag. Sie meint, gehen sei die wichtigste Bewegung. Ein Mal pro Woche eine Ganzkörpermassage und regelmäßige Fußpflege gehören zu unserem Gesundheitsprogramm.
Inge Serafin: … und natürlich nicht rauchen und sehr wenig Alkohol, höchstens ein bisschen am Glas nippen und einen guten burgenländischen Weißwein, Harald trinkt gerne ein Schluckerl Rotwein, genießen.
Herr Serafin, fühlen Sie sich mit dem Burgenland, nachdem Sie 20 Jahre die Seefestspiele Mörbisch leiteten, noch immer verbunden?
Sehr verbunden, zumal unser Sohn Daniel Künstlerischer Leiter des Opern-Festivals im Römersteinbruch in Sankt Margarethen ist. Da werden wir ihn im Sommer natürlich besuchen. Was ich noch zum Wohlfühlen sagen wollte, das Allerwichtigste ist, nicht nachtragend zu sein. Denn das belastet und wurmt einen nur. Ich konnte schon immer gut verzeihen, auch den Frauen. Und ich kann nichts und niemanden hassen, weil ich versuche, mir in jeder Situation ein Glücksgefühl zu erarbeiten, wodurch vieles leichter zu ertragen ist.
Auch die Tiefpunkte des Lebens?
Harald Serafin: Natürlich, wobei es schon schlimm war, als ich meine Stimme verloren habe. Ich war 60 und auf dem Höhepunkt meiner Karriere. Mir musste ein Karzinom entfernt werden. Das habe ich mit vielen Tränen überstanden. In Situationen wie diesen ist der Partner das A und O, dazu ein guter Arzt sowie ein guter Psychotherapeut sowieso. Wobei ich das Glück hatte, den richtigen Therapeuten zu finden.
Bevor Sie sich mit Ihrem Wunsch, Gesang zu studieren, bei Ihren Eltern durchsetzten, haben Sie sechs Semester Medizin studiert. In welche Richtung wären Sie gegangen?
Harald Serafin: Die Psychotherapie, weil ich kein Blut sehen konnte und immer Freunde zu mir kamen, um sich bei mir auszuweinen. Ich bin ein guter Zuhörer und Frauenversteher.
Was lieben Sie an Ihrem Mann?
Inge Serafin: Was genau das ist, kann ich nicht sagen. Ich liebe ihn als Gesamtkunstwerk. Mein Mann ist tüchtig, gescheit und er hat einen gottbegnadeten Riecher für herausragende Talente. Für die Seefestspiele Mörbisch hätte man keinen Besseren finden können.
Und als Mann an Ihrer Seite?
Inge Serafin: Immer der Beste, obwohl mich, als ich ihn kennenlernte, viele Freundinnen warnten und meinten, der Serafin hätte doch an jedem Finger zehn Frauen. Ich dachte mir, den verrückten Kerl schaue ich mir mal an. Harald war nicht unbedingt der Typ, der mir gefallen hat. Aber er hat mich in den Bann gezogen, weil er sich als Mann mit vielen Talenten entpuppte, ein Mann, der in allem, was er macht, einfach wunderbar ist, und mit dem ich so gut lachen kann.
Herr Serafin, den Titel „Mister Wunderbar“ verdanken Sie der Tanz-Show „Dancing Stars“ …
Harald Serafin: Das ergab sich, weil ich als Juror in dieser Sendung viel Spaß hatte. Es war lustig, als mich junge Passanten auf der Straße anredeten, weil sie von mir ein „Wunderbar“ hören wollten.
Wie feiern Sie Ihre beiden Geburtstage?
Harald Serafin: Wir wollten fünfzig Gäste einladen, was zur Zeit nicht möglich ist. Also werden wir unsere Party auf nächstes Jahr verschieben, in den April oder Mai, wenn schönes Wetter ist, da wird dann gefeiert.