„Ich hatte Angst davor, Mutter zu werden“
Seit 16 Jahren ermittelt sie als Kommissarin „Penny Lanz“ in der Krimi-Serie „SOKO Donau“ (Di., ORF1, 21.05 Uhr). Nun hat Lilian Klebow, 44, ihr erstes Buch geschrieben. Darüber und über ihr Leben als zweifache Mama erzählt die Schauspielerin und Umweltaktivistin im Interview.
Frau Klebow, der Titel Ihres ersten Buches lautet „Reise zurück zu mir“. Waren Sie denn außer sich?
Ja, das war ich manchmal sicherlich auch (lacht). Aber vielmehr versuche ich, in dem Buch meine innere Einstellung zu erklären, den Stress und den Druck zu beschreiben, den ich mir selber auferlegte, und der einen irgendwann einmal zerreißt.
Haben Sie versucht, jedem alles Recht zu machen?
Ja, und dabei gemerkt, dass das weder mir, noch anderen was bringt. So zu tun, als würde man stets alles locker und perfekt schaffen, gelingt einem weder als Mensch, als Schauspielerin, noch als Mama, schon gar nicht als arbeitende Mama.
Sie haben zwei Kinder, obwohl Sie einmal sagten, dass Sie Männer, die Sie zur Mutter machen wollen, hassen. Wie kam es zum Sinneswandel?
Das erzählt mein Mann noch heute jedem (lacht). Ich sagte das deshalb, weil ich, wie vermutlich die meisten Frauen, Angst davor hatte, Mutter zu werden. Vor allem hatte ich Angst davor, meine Kinder nicht lieben zu können. Bis zu einem gewissen Grad wurde ich „männlich“ erzogen. Es hieß immer, sei klug, leiste was und konzentriere dich nicht auf das Schönsein. Grundsätzlich ist das ja nicht schlecht, aber ich habe mir deshalb lange keine Weichheit und Verletzlichkeit zugestanden. Nun bin ich glücklich, Mutter zu sein. Muttersein ist die schönste Reise meines Lebens.
Ihre Tochter ist sieben, ihr Sohn vier Jahre alt. Sie wuchsen als Einzelkind auf. Hätten Sie gern Geschwister gehabt?
Ich bin ohne Geschwister, Cousins oder Cousinen aufgewachsen. Weil ich kaum Gleichaltrige um mich hatte, war ich als Kind eine überernste kleine Erwachsene. Nun versuche ich, meinen Kindern beizubringen, wie sie miteinander streiten, und lerne selbst am meisten dabei (lacht). Ich habe als Kind nie gelernt, mich Konkurrenten gegenüber zu behaupten. Weshalb es für mich als Erwachsene unglaublich schwer war, etwa auf der Schauspielschule.
Was genau lernen Sie durch Ihre Kinder?
Sie halten mir jeden Tag den „Spiegel“ vor. Was ich da sehe, ist nicht immer nur angenehm. Am deutlichsten spiegeln sie mich, wenn ich total müde und fertig bin. Dann kommt es vor, dass ich ungerecht reagiere, weil beide meine Aufmerksamkeit einfordern. Vermutlich kennen alle Eltern die Momente, in denen sie etwas sagen, was einem leid tut. Das versuche ich, jeden Tag besser zu machen. Was nichts daran ändert, dass ich eine glückliche Mama bin. Das verdanke ich meinem Mann, seiner Liebe und seinem Vertrauen. Er konnte darüber lachen, dass normalerweise eher die Frauen Kinder möchten, und dass es bei uns genau umgekehrt war. Stimmt, dachte ich mir und wollte endlich einfach vertrauen und mich fallen lassen.
Das klingt äußerst romantisch …
Ich bin ja gar keine Romantikerin, früher habe ich nicht einmal mitbekommen, wann ein Mann in mich verliebt war. Aber bei Erich (Anm.: Schauspieler Erich Altenkopf) habe ich es laut und deutlich gehört und gespürt. Erich lehrt mich jeden Tag Romantik. Bei unserer Verlobung waren wir am Meer, wo er mich eine Muschel finden ließ. Im Inneren war der Verlobungsring. Nun sind wir seit zehn Jahren verheiratet. Erich hat es mit seinem Humor und seiner tiefen Liebe geschafft, dass ich die Frau und Mama bin, die ich gerne bin. Er hat ja auch viel um mich gekämpft.
Aus dem Mund einer „Nicht-Romantikerin“ klingt das schon gefühlsbetont …
Ja, weil ich das großartig finde. Eine Beziehung ist doch ein Kämpfen um einander. Dem anderen gegenüber ständig wach zu sein, ist wichtig. Zumal es nicht leicht ist, Eltern zu werden und die Ungleichheiten, die sich dadurch ergeben, zu überwinden.
Sie sind sich darin einig, Ihre Kinder nicht vor dem sechsten Lebensjahr fernsehen zu lassen und ihnen kein Handy zu geben, bevor sie zwölf sind?
Ja, das möchten wir so. Charlie ist sieben und sie schaut nicht einfach nur irgendwas im Fernsehen an. Wenn, dann gehen wir ins Kino oder machen zu Hause Kino und schauen gemeinsam. Sonny ist vier und wir hoffen, dass das auch bei ihm so funktioniert. Wir genießen den Luxus, uns mit unseren Kindern auseinandersetzen zu dürfen. Das hat noch keine Generation vor uns gehabt. Das sehe ich als Geschenk und hoffe, dass Liebe und Gleichwertigkeit uns allen mehr soziale Gerechtigkeit bringen werden.
Für sozialen Frieden und den Klimaschutz haben Sie sich ja bereits als Jugendliche engagiert.
Ich war mit 14 auf der Straße, um gegen den Golfkrieg und für autofreie Innenstädte zu demonstrieren. Auch gegen die Abholzung des Regenwaldes haben wir, als es noch „Treibhauseffekt“ und „Waldsterben“ hieß, gekämpft. Die Themen haben mich nie verlassen.
Haben Sie dadurch die britische Verhaltensforscherin Jane Goodall kennengelernt?
Ich bin von ihr persönlich 2009 in der Britischen Botschaft in Wien zur Ehrenbotschafterin des „Jane-Goodall-Institutes Austria“ ernannt worden. Vor zwei Jahren waren wir bei einem ihrer Vorträge in Wien. Ich war mit beiden Kindern auf der Bühne, was ich sonst nie tue, und was Jane erheitert hat, weil mein Sohn wie ein kleiner Affe auf der Bühne herumgeklettert ist. Ich dachte mir, wenn meine Kinder jemanden kennenlernen sollen, dann Jane Goodall, diese große Seele, die mit ihrem unermüdlichen Einsatz eine weltweite Naturschutzorganisation gegründet hat.
Was möchten Sie Ihren Kindern mitgeben?
Ich wünsche mir, dass Charlie und Sonny ihre Fantasie lange im Herzen tragen, sie lieben die Tiere und mögen Pflanzen. Vor dem Sog der Smartphones fürchte ich mich. Den Kindern zu zeigen, wie sie damit umgehen, wird eine große Aufgabe. Ich selbst habe noch ein mobiles Tastentelefon aus der Bronze-Zeit (lacht). Zu viel Digitales tut mir nicht gut, ich rede lieber mit den Menschen. Daher halte ich es für wichtig, dass wir mehr zur Natur und unserer Neugier zurückkommen. Erst wenn wir wieder bei uns sind, werden wir wieder zu den staunenden Mädchen und Buben, die den Regenbogen küssen.
„Das Mädchen, das sich streckte, um den Regenbogen zu küssen“ ist der Untertitel Ihres Buches. Der Vorschlag stammt von Ihrer Tochter …
Charlie war fünf, als sie das Regenbogen-Bild malte und diesen Satz dazu sagte. Ich habe sie gefragt, ob ich mir den Satz für mein Buch von ihr leihen darf und sie war damit einverstanden.