Die Liebe und Dankbarkeit fährt mir direkt ins Herz
Ihre Berufung gefunden hat Gabi Kaar. Schon vor Jahren begann die Tierfreundin, kranke und schwache Igelbabys aufzupäppeln, damit sie den Winter überleben. Auf ihrem Igelhof in Neukirchen (OÖ) finden aber mittlerweile viele Arten von in Not geratenen Wildtieren Unterschlupf, bis sie wieder gesund sind.
Um sechs Uhr beginnt der Arbeitstag von Gabi Kaar und er endet etwa 14 Stunden später. „So um 20.30 Uhr mache ich meinen letzten Rundgang“, sagt die 57jährige. Trotzdem klagt sie nicht über Arbeitsüberlastung, denn dank ihres Einsatzes überleben Tiere, die es sonst nicht schaffen würden. Begonnen hat alles vor Jahren mit der Aufnahme von zwei Igeln, die zum Überwintern einen Platz in ihrem Haus in Neukirchen bei Altmünster (OÖ) gefunden haben. „Jetzt ist es so, dass im Laufe eines Jahres zwischen 450 und 530 Wildtiere unterschiedlich lange bei uns sind. Und so ist dem Igelhof eine 8.000 Quadratmeter große Wildtierstation entwachsen“, berichtet Kaar, die die Pflege der Tiere alleine übernimmt.

Für Feldhasen, Igel, Eichhörnchen, Siebenschläfer, Fledermäuse, Iltisse, Rehkitze, Gamskitze, Füchse, Wiesel und sogar einen Steinbock war die Oberösterreicherin schon Quartiergeberin. „Wir hatten auch schon das kleinste Raubtier der Welt beheimatet, ein Mauswiesel“, macht Gabi Kaar die Gästeliste komplett.
Derzeit ist Hochsaison bei den Igeln. Zehn stachelige Freunde hielten beim Besuch der Streifzüglerin gerade ihren Mittagsschlaf. Pro Tag kommen erfahrungsgemäß stetig neue dazu. „Wir versorgen Igelbabys, deren Mutter etwas passiert ist, Igel mit Erkrankungen wie Durchfall, oder einfach Findlinge, die Schutz, Wärme und Futter benötigen“, fährt die Tierliebhaberin fort.

Die Igel erwachen aus dem Winterschlaf, stärken sich und legen sich wieder schlafen
Gesunde Igel halten ihren Winterschlaf in der Natur. Sind sie klein und schmächtig, müssen sie gefüttert und in einem Igelhaus mit Stroh beherbergt werden. Wann ein Igel zu klein ist, dafür gibt es laut Kaar keine genaue Richtlinie. „Abhängig ist dies von der Temperatur, vom Futterangebot und von der Umgebung, in der sich der Igel aufhält. Ist es im Herbst noch warm und findet der Igel genug Nahrung, kann er noch an Gewicht zulegen. Das wird für ihn umso schwerer, wenn es in der Nacht gefriert. Wir beobachten hierbei von Jahr zu Jahr Unterschiede“, erklärt Kaar. „Igel, die wir für zu klein befinden, überwintern im Igelgehege im Haus. Diese Tiere schlafen im Winter nicht. Andere, die zwar zu klein für die Freiheit sind, aber zu groß für das Innenraumgehege, lassen wir im Freien überwintern und unterstützen sie mit Futter, Wasser und einem Schlafplatz. Diese Igel erwachen aus dem Winterschlaf, stärken sich und legen sich wieder zum Schlafen. Wie lange ihr Winterschlaf dauert, entscheidet jedes Tier individuell.“
Wie nun ein Laie erkennt, dass ein stacheliger Freund Unterstützung benötigt, ist eigentlich relativ einfach. „Die Tiere suchen von sich aus die Nähe des Menschen, wenn sie Hilfe brauchen. Ein Igel liegt zum Beispiel auf der Fußmatte vor der Tür oder das Eichhörnchen oder der Siebenschläfer läuft einem zu.“

Katzenfutter und Honigwasser als Lebenselixier
Gartenbesitzer können Igeln einen wettergeschützten und mit Stroh gebetteten Schlafplatz richten. Trockenes Katzenfutter stillt den Hunger und Honigwasser tut den stacheligen Säugetieren besonders gut, da Honig als natürliches Antibiotikum unter den Naturheilmitteln gilt.
Neben den Igeln hat die Tierfreundin natürlich noch weitere Pfleglinge in Betreuung. Ihr besonderer Liebling ist „Chris“, ein aufgewecktes Gamskitz, das sich im Gehege bei sechs Rehkitzen befindet und zutraulich seiner Pflegemama entgegenspringt, als sie mit dem Nahrungsflascherl auftaucht. „‚Chris‘ ist mittlerweile 20 Wochen alt.
Er ist vom Traunstein abgestürzt und war an der Schulter verletzt“, erzählt Kaar, während „Chris“ ungestüm am Fläschchen saugt. „Anfangs konnte ich die Nacht nicht durchschlafen, weil auch zur Nachtzeit die Wunde versorgt werden musste.“ Um das Gamskitz in die Herde einzugliedern, war ihr kein Aufwand zu groß. „Ich habe mich zu ihm ins Gehege gelegt und dort geschlafen.“

Auch zwei Dauergäste befinden sich auf der Wildtierstation. Die Eichhörnchen „Floh“ und „Joe“ springen durch den Raum, der einmal das Wohnzimmer war und zum Hörnchenzimmer adaptiert wurde. „‚Floh‘ leidet an Bronchitis und ‚Joe‘ hat sich so unglücklich den Kiefer gebrochen, wodurch sich eine Fehlstellung der Zähne gebildet hat, die ich ihm regelmäßig zurechtschneiden muss.“ Wer Kaar beim Umgang mit den Vierbeinern sieht, erkennt, dass Tiere ihr Leben sind. „Die Liebe und Dankbarkeit, die sie mir entgegenbringen, fährt mir direkt ins Herz“, beschreibt Kaar die Verbindung zu ihren Schützlingen.
Die Kosten für den Tierarzt, Futter und Einstreu betragen im Jahr etwa 15.000 Euro. Daher ist der Igelhof auf Spenden und Patenschaften angewiesen.

Spenden bitte direkt an:
AT52 3451 0000 0202 9320.


Informationen zu Patenschaften:
www.igelhof-aurachtal.at