Geheimbünde - Teil 3 - Druiden
Die Druiden waren die geistigen Führer der Kelten. Es gibt sie noch heute. Moderne Druiden wie der Erz-Druide Uthar Ariwinnar gehen den spirituellen Weg des Druidismus.
Weiß und lang sind seine Haare und der Bart. Mit einer goldenen Sichel schneidet er Mistelzweige ab. Aus Kräutern und Essenzen braut er einen Zaubertrank, der sein Volk unbesiegbar macht. Der Name dieses Herrn ist „Miraculix“. So wie den ehrwürdigen Gallier aus den „Asterix und Obelix“-Geschichten, stellen sich die meisten von uns einen Druiden vor.

„Wer die Abenteuer kennt, kann sicher sein, dass aus historischer Sicht alles richtig ist. Ich habe alle ‚Asterix‘-Bände, inklusive dem neuesten, der eben erschienen ist. Miraculix ist allerdings nicht nur der Zaubertrank-Mixer, sondern auch Gelehrter, Heiler, Richter und Friedensbringer“, sagt Harald Nagelseder.
Er muss es schließlich wissen. Im Brotberuf Sozialarbeiter, ist er besser bekannt als Erz-Druide Uthar Ariwinnar. Seit 35 Jahren beschäftigt er sich mit dem Druidismus. Gemeinsam mit seiner Frau Arwen steht Ariwinnar dem „Österreichischen Druidenorden“ vor.
„Ich habe mich schon in meiner Jugend für Religionen interessiert. Als gebürtiger Grazer stamme ich aus einem Gebiet der Kelten, die immerhin zu den größen Gründer-Völkern Europas gehören. Also schien es mir naheliegend, das Brauchtum und die Volksmedizin der Kelten zu erforschen“, erzählt Ariwinnar, der seit 1987 in Feldkirch (V) lebt.

Zu Beginn seines Daseins als Druide war er nicht nur Mitglied des irischen und englischen, sondern auch des deutschen Druidenordens. „Der setzt sich zwar sehr in karitativen Bereichen ein, ist aber, ähnlich wie bei den Freimaurern üblich, in sogenannte Logen strukturiert. Und Frauen dürfen auch nicht Mitglied sein. Womit ich gleich zwei gute Gründe hatte, die deutschen Druiden wieder zu verlassen“, erzählt der Steirer. Kurzerhand gründete er den „Österreichischen Druidenorden“. Der steht für „Tradition, Naturverbundenheit und Gesundheit der Menschen“. Wobei der Orden für jeden zugänglich ist, der sein Bewusstsein stärken möchte, um mit sich ins Reine zu kommen.
„Für unsere keltischen Vorfahren war der Wandel von Sonne und Mond und der Wechsel der Jahreszeiten mit dem Feiern von Festen und der Pflege des Brauchtums verbunden. Unser nächstes Jahreskreisfest ist Samhain am 18.

November, es ist das Ahnen- und Totenfest. Wir machen einen Umzug im Wald und laden die Toten ein, mit uns zu feiern“, verweist Ariwinnar auf die Feier, die wie alle Druiden-Feste im Freien stattfindet. „Uns auf die Naturgesetze zu besinnen, ist unser wichtigstes Anliegen“, erklärt der Erz-Druide, der zugibt, vor 30 Jahren argwöhnisch belächelt worden zu sein. „Inzwischen hat sich das geändert. Meine Gattin trägt mittlerweile nur noch keltische Kleidung, so kennen uns die Menschen und so respektieren sie uns. Wir veranstalten Hochzeitsfeste, Taufen und Toten-Rituale“, verweist er darauf, dass der Druidismus für ihn einfach eine Lebensschule sei, im Sinne eines friedvollen Miteinanders.

Waren die Druiden immer schon so friedfertige „Priester“? Oder doch eher gefährliche Propheten? Verehrten sie die Natur oder hetzten sie das Volk zu Rebellionen auf? Kärglich ist das Wissen rund um die ursprünglichen Druiden, was den Spekulationen über ihre wahre Natur keinen Abbruch tut. Fest steht, dass sie von 500 vor Christus bis 500 nach Christus in ganz Europa verbreitet waren.
„Sie waren die geistigen Führer der Kelten, zugleich Priester, Richter, Heil- und Sternenkundige sowie Lehrer“, erklärt der Historiker Peter Gnaiger in dem Buch „Mächtig, Männlich, Mysteriös. Geheimbünde in Österreich“. „In Kriegszeiten gaben die Druiden ihre Macht weitgehend an weltliche Stammesfürsten ab. Aber in Friedenszeiten war ihr Wort Gesetz.“ In dieser Zeit bildeten sie die Söhne der Vornehmen aus. Eine Druiden-Ausbildung konnte bis zu 20 Jahre dauern.

Im Jahr 1781 schlossen sich in England Männer erstmals zu einem Orden nach dem Vorbild keltischer Druiden zusammen. Auswanderer brachten das Gedankengut nach Nordamerika, Australien und Neuseeland. Von den USA aus, wo es tausende Mitglieder gab, schwappte die Bewegung nach Europa zurück. 1908 wurden alle Druiden-Orden der Welt in München zur „Internationalen Großloge des Druidentums“ vereint, die noch immer mit etwa 50.000 Mitgliedern existiert.

„Druiden betrachten sich als eine Art Gralshüter keltischer Überlieferungen“, sagt Gnaiger. Die Ziele des Druidenordens seien als durchaus edel zu betrachten. „Jedes Mitglied schwört, ethische Grundsätze zum Wohle der Menschheit nachzuleben.“ Verehrt wird die Zahl „7“, wegen der Tugenden Einigkeit, Frieden, Eintracht, Brüderlichkeit, Nächstenliebe, Menschenrechte und Toleranz.
Weniger edel waren offenbar die Druiden der Keltenzeit. Ihr Wissen soll streng geheim gewesen sein, ihr politischer Einfluss gewaltig und ihre Kenntnisse über die Natur erstaunlich. Schon die Griechen und Römer bewunderten die Druiden, die keine schriftlichen Aufzeichnungen hinterlassen haben. Einzig archäologische Funde weisen auf religiöse Rituale wie zum Teil blutige Opfer-Zeremonien hin.
Bei den Druiden von heute geht es hingegen friedlich zu. Was der Erz-Druide Ariwinnar bestätigen kann. „Die Mehrheit der modernen Druiden sind Menschen auf der Suche nach einem neuen Erkenntnisweg. Sie versammeln sich an magischen Plätzen, diskutieren, trinken Apfelmost und hören Harfenmusik“, sagt er und verweist auf eine Veranstaltung, die die heimischen Druiden seit Jahren unterstützen. „Wir begleiten etwa die traditionelle Veranstaltung der Bodensee-Friedenswanderung, die jedes Jahr zu Ostern stattfindet. Wir Druiden sehen uns in erster Linie als Friedensbringer.“

Außer im „Ländle“ gelten hierzulande Hallein (S), Hallstatt und das Mühlviertel (beide OÖ) als von keltischer Kultur geprägte Orte und Regionen. Wahrzeichen sind die zahlreichen Menhire, das sind hochragende Steinblöcke, die den druidischen Bräuchen dienten.