Nur eine Wolke, die den Boden berührt
Geheimnisvoll, gespenstisch und undurchdringlich erscheint er – der Nebel. Wo der weiße Schleier auftaucht, lässt er alles schemenhaft verschwinden. Früher hatten die Menschen Angst, sich darin zu verirren. Heute ist Nebel für uns ein beliebtes Fotomotiv.
Im goldenen Herbst färbt das warme Licht der tiefstehenden Sonne die Wälder golden.
Gerade dann, wenn die Wetterkarten Hochdruck und schwachen Wind verkünden, bleibt der Sonnenschein aber manchmal aus und ein weißer Schleier trübt unsere Sicht. Schuld ist der Nebel, der alles und jeden umhüllt.
„Er ist im Grunde nichts anderes als eine Wolke, die den Boden berührt“, erklärt Alexander Orlik von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Wien.

Nebel entsteht zudem auch nach dem gleichen Rezept wie eine Wolke. Und zwar durch die Kondensation von Wasser. „Das heißt, die in der Luft vorhandene Feuchtigkeit schließt sich zu immer größeren Wassertröpfchen zusammen, bis wir sie schließlich sehen können“, sagt der Klimatologe. Zwischen einem Hundertstel- und einem Zehntel-Millimeter sind diese Tröpfchen groß. Sie streuen das Licht gleichmäßig, weshalb uns Nebel weiß erscheint. Eine dichte „Nebelsuppe“ entwickelt sich meist am Abend oder in der Nacht, wenn sich warme und feuchte, bodennahe Luft abkühlt.

Dieser sogenannte Strahlungsnebel tritt deshalb auch besonders im Herbst auf, weil die Luft nach und nach immer kühler wird und die aufsteigende Feuchtigkeit aus dem Erdboden dann Nebel bildet.
Ebenso häufig kommt es bei uns zu einem Mischungsnebel, der für gewässerreiche Regionen typisch ist. Dabei mischen sich kalte und warme Luft über den Gewässern und gleichen ihre Temperatur an. Doch dadurch kann die Luft die Wassermenge nicht mehr halten. Als Folge kommt es zur Nebelbildung.

Von einem echten Nebeltag sprechen Experten jedoch erst, wenn die Sichtweite unter einem Kilometer liegt. „Völlig unbedeutend für die Statistik ist hingegen, ob sich der Nebel den ganzen Tag hält oder sich bereits nach kurzer Zeit schon wieder verzogen hat“, erklärt Alexander Orlik.
Typische Nebelgebiete finden sich hierzulande in Unterkärnten sowie im Salzkammergut. Aber auch Regionen an der Donau und an der Mur (Stmk.) verschwinden häufig im Nebel. Ebenso das Burgenland, wo die „weiße Wand“ meist von der Ungarischen Tiefebene hereinzieht.
Jetzt, im Spätherbst, kann es aber auch öfter passieren, dass sich im Flachland um die Alpen herum ein geschlossenes „Nebelmeer“ bildet. Und das über Tage oder gar Wochen. Wie zum Beispiel im November vergangenen Jahres in Klagenfurt am Wörthersee (K), wo sich die Sonne zwölf Tage hintereinander nicht blicken ließ.

Zum Glück bleibt der Nebel nur selten lange. Meistens hält er nur wenige Stunden. Denn dann passiert es – die Sonne kommt. Nun dauert es nicht mehr lang. Die Wassertropfen verdunsten und vernichten den weißen Schleier. Das trübe Naturschauspiel ist vorbei und wir sehen wieder klar. Zur großen Freude der Sonnenanbeter nehmen in unserem Land die trüben Tage in den klassischen Nebelgebieten auch immer mehr ab. Wurden auf der Hohen Warte (W) im Zeitraum von 1951 bis 1980 pro Jahr noch durchschnittlich 47 Nebeltage im Herbst und Winter registriert, waren es von 1991 bis 2020 nur noch 16.
„In Kärnten sanken an der Messstation des Flughafens Klagenfurt die Nebeltage im selben Vergleichszeitraum von 104 auf 80 und am Flughafen Innsbruck (T) von 57 auf zwölf“, weiß Orlik.

Zurückzuführen ist dies auf zwei Gründe – den Klimawandel und die Luftqualität, die sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verbessert hat. Dabei macht sich vor allem unser geändertes Heizverhalten bemerkbar. Immerhin hatten Kohle und Koks im Jahr 1976 beim Heizen noch einen Anteil von 33 Prozent und sind heute fast verschwunden. Durch den Klimawandel ist es zudem signifikant wärmer geworden. Wärmere Luft kann jedoch mehr Wasserdampf aufnehmen als kalte und erreicht somit auch schwerer Sättigung am Boden – der Nebel bleibt aus. In den nächsten Tagen prognostiziert uns der Wetterdienst jedoch einen deutlichen Temperatursturz. Die Nebelsaison beginnt also erst.