„Meine Rente ist meine Fitness“
Als Komödiant in diversen Fernseh-Serien legte er sich den Namen Didi zu. Die Verniedlichung wurde er lange Zeit nicht los, doch dahinter steckt ein Künstler, der mehr ist. Dieter Hallervorden ist nicht nur Schauspieler, sondern auch Sänger und Leiter des Schlosspark Theaters in Berlin (D). Ein umtriebiger Mann, der selbst im Alter von 86 Jahren noch nicht genug hat. Gerade hat er ein neues Album veröffentlicht. Die WOCHE-Reporterin Katja Schwemmers hat mit ihm darüber gesprochen.
Herr Hallervorden, mögen Sie es, wenn Sie Didi genannt werden?
Didi ist der Name einer von mir kreierten Kunstfigur. Das bin nicht ich, sondern ich spiele ihn. Ich heiße so, wie meine lieben Eltern es gewollt haben, nämlich Dieter.
Als Dieter Hallervorden haben Sie nun ein neues Musikwerk veröffentlicht. Was war die Motivation?
Ich will ja immer meine Anhänger mit etwas Neuem, etwas Unerwartetem erfreuen, weil mich Gegenwart und Zukunft mehr interessieren als die Vergangenheit. Und bei Musik ist es so, dass sie seit ewigen Zeiten meine Laune und Lebenslust hebt. Musik ist auch die einzige Sprache, die nicht übersetzt werden muss. Das waren gute Gründe für mich, nach der langen Zeit noch einmal musikalisch nachzulegen.
Welche Musik hat Sie als junger Mensch sozialisiert?
Bestimmt nicht die Musik, die in der DDR so um 1950 gespielt wurde. Ich bin in Dessau aufgewachsen. Ich habe mit meinem Ost-Radio lieber Westmusik über den RIAS (Rundfunk im amerikanischen Sektor) gehört. Das war Jazz oder Musik von Elvis Presley.
Gab es eine Zeit, in der Sie wild dem Rock ’n’ Roll frönten? Denn da sind ja auch einige Gitarrensoli auf der Platte?
Ich war in der Tat in jungen Jahren als Rocker mit einer Band unterwegs – allerdings nicht beruflich, sondern als Freizeithobby.
Bis Sie einen Hit mit „Die Wanne ist voll“ gelandet haben …
Oh ja, im Duett mit Helga Feddersen. Wenn ich daran zurückdenke, erinnert es mich an eine ungemein harmonische und lustvolle Zusammenarbeit. Helga Feddersen war wirklich eine Superkomödiantin.
Sie haben eine Anspielung auf Helene Fischers Erfolgslied „Atemlos“ auf Ihrer Platte. Wie stehen Sie zu ihr?
Der Stellenwert, den sich Helene Fischer erarbeitet hat, ist hochverdient. Ich höre ihre Musik besonders gern, wenn ich dazu das Tanzbein schwingen darf.
„Mit 80 Jahren beginnt die Party“ singen Sie. Wollen Sie anderen Menschen in Ihrem Alter Mut machen?
Die Botschaft ist ganz einfach: Ich möchte so spät wie möglich jung sterben. Ich finde, es kommt gar nicht darauf an, wie alt man wird, sondern wie man alt wird.
Gibt es etwas, das mit 80 plus besser ist?
Die Einsicht, dass weniger durchaus mehr sein kann. Beispielsweise trinke ich abends nur 15 Bier statt früher 20 und kann dadurch den nächsten Tag zwei Stunden eher beginnen (lacht). Außerdem kriege ich von schönen Menschen des anderen Geschlechts im Bus Platz angeboten und der Taxifahrer trägt mir den Koffer bis zur Wohnungstür.
„Alle haben ihr Meisterwerk, und ich habe Palim Palim“, heißt es in einem der Lieder. Hat Sie der Bezug zu dem kultigen Zwei-Minuten-Sketch mit fast fünf Millionen Klicks auf der Internet-Plattform YouTube auch einmal genervt?
Nein. „Palim Palim“ ist ein Ehrenorden, den mir die Anhänger ans Revers geheftet haben. Ich trage ihn mit Würde. Aber auf meinem Grabstein wird später wohl eher das Datum meines Umzugstermins stehen als „Palim Palim“.
Wie oft haben Sie Ihre Schutzengel beansprucht?
Sehr oft. Ich habe viele Stunts selbst gemacht, und das hätte um Haaresbreite auch schiefgehen können.
Wie hat sich Ihr Leben verändert, im hohen Alter die „Stuntfrau“ Ihres Herzens getroffen zu haben?
Gesteigerte Lebenslust, inneres Wohlfühlen und das Gefühl, endlich richtig geankert zu haben. Das empfinde ich wirklich so.
Was bedeutet es Ihnen, mit Ihrem Sohn Johannes und Ihrer Freundin Christiane Zander, 51, auch beruflich gemeinsame Sache zu machen, wie jüngst in der Serie „Mein Freund, das Ekel“?
Ich muss mich besonders in meinem Beruf mit Menschen umgeben, die loyal sind, auf die ich mich hundertprozentig verlassen kann und mit denen ich auf der gleichen Wellenlänge harmoniere. Nur das ist das Kriterium, unter dem ich meine Auswahl treffe.
Haben Sie viele treue Weggefährten?
Ich ziehe bei diesem Begriff ziemlich enge Grenzen. Wer zum treuen Gefährten, gar zum Freund aufsteigt, hat viele Barrieren zu überwinden. Also im Ergebnis: äußerst wenige.
Denken Sie nie darüber nach, in Pension zu gehen?
Andere sehnen sich nach dem Ruhestand, ich bevorzuge den Unruhestand. Meine Rente ist meine Fitness.
Sie streben also die 100 an?
Mit Shakespeare geantwortet: „Ein Ziel, aufs Innigste zu wünschen!“ (lacht).
Wie möchten Sie einmal in Erinnerung bleiben?
Als jemand, der das Leben in vollen Zügen genossen hat und es andere hat genießen lassen.
Das klingt schön. Gibt es einen Tipp, den Sie Ihrem jüngeren Ich geben würden?
Lerne früher, Geduld zu haben, nachsichtig zu sein, und hör nicht auf, ständig lernbegierig zu bleiben.