ABBA sind wieder da
Die schwedische Kultband meldet sich mit ihrem neuen Album „Voyage“ zurück. Auch auf der Bühne gibt es das Popquartett „ABBA“ wieder – mit einer besonderen Show. Als jüngere „Abbatar“-Hologramme werden sie technisch aufwändig vors Publikum projiziert. Dafür wurde in London (England) eine eigene Arena gebaut.
Darauf haben Millionen Musikbegeisterte vier Jahrzehnte lang gewartet. Die schwedische Kultband „ABBA“ ist zurück – mit ihrem neuen Album „Voyage“, das seit 5. November erhältlich ist. „Erst haben wir ein Lied gemacht, dann mehrere‚ also warum nicht ein ganzes Album?“, scherzt Benny Andersson, 74. Der Mann hat gut lachen, schließlich gilt „ABBA“ mit rund 400 Millionen verkauften Tonträgern als eine der erfolgreichsten Musikgruppen.
Eine neue Show soll nun an die goldene „ABBA“-Ära erinnern. Auf der Bühne stehen die Künstler aber nicht selbst. Sie werden als jüngere Hologramme, „Abbatare“, mittels aufwändiger Technik vors Publikum projiziert. In London (England) wurde dafür eine eigene Arena gebaut. Am 27. Mai 2022 ist Premiere. Danach gibt es von Montag bis Freitag ein virtuelles Konzert, begleitet von einer Band. Auf die Besucher warten in der rund eineinhalbstündigen Show 22 „ABBA“-Hits.

Dafür stand die Gruppe fünf Wochen lang in Spezialanzügen vor rund 160 Kameras. Sie zeichneten jede Bewegung auf, damit die digitalen Doppelgänger eine perfekte Show bieten. „Es war anders als alles, was wir bisher gemacht haben, aber es fühlte sich gut an“, sagt Agnetha Fältskog, 71.
Auch ihre Musikkarriere stimmt sie noch immer fröhlich. Die blonde Sängerin machte sich schon in jungen Jahren in Schweden einen Namen als Schlagersängerin. Auch Anni-Frid Lyngstad, 75, trat als Folk- und Jazz-Sängerin auf. Björn Ulvaeus, 76, und Benny Andersson machten seit dem Jahr 1966 gemeinsam Musik, bis das Quartett einige Jahre später komplett war.

Auch privat fanden die vier Musiker zusammen. Fältskog und Ulvaeus wurden ein Paar, genau wie Lyngstad und Andersson. Musikalisch probierte es die Gruppe zuerst weniger erfolgreich mit Rock-Musik und Schlagern, ehe sie zum Pop wechselte.
Später verbanden sie die Anfangsbuchstaben ihrer Vornamen zu „ABBA“. Der Durchbruch gelang im Jahr 1974 beim „Grand Prix Eurovision“ im englischen Brighton mit dem Lied „Waterloo“.

„Zu kommerziell und oberflächlich“
Den Erfolg gönnte ihnen aber nicht jeder. „Zu kommerziell und oberflächlich“, urteilten die Kritiker. Trotzdem begann das Quartett mit den schrillen Glitzerkostümen eine Weltkarriere. Ein Hit jagte den nächsten. „SOS“, „Fernando“, „Mamma Mia“ und „Dancing Queen“ sind ewige Klassiker. Das Logo mit dem umgedrehten „B“ in „ABBA“ entstand durch einen Zufall bei Fotoaufnahmen. „Ich hielt das ‚B‘ einfach nur versehentlich falsch herum“, erinnert sich Andersson lachend.
Doch Anfang der 80er Jahre war das „ABBA“-Märchen ausgeträumt. „Die Band war praktisch tot. Es war nicht mehr ‚in‘, uns zu mögen.“ Im Jahr 1982 trennten sich die vier Musiker. Ihre Beziehungen gingen schon zuvor in die Brüche. Lyngstad und Andersson ließen sich 1981 scheiden, nur drei Jahre nach ihrer Hochzeit. Fältskog und Ulvaeus, die zwei gemeinsame Kinder haben, gingen schon zwei Jahre zuvor auseinander. Ulvaeus war aber nicht lange allein. „Ich bin nur für eine Woche Single gewesen.“ Dann traf er seine neue Liebe, Lena. Die beiden heirateten 1981 und bekamen zwei Kinder. Sie leben bis heute glücklich in Stockholm (Schweden).

Lyngstad ist heute „Prinzessin“
Lyngstad musste einige Schicksalsschläge hinnehmen. Eine Tochter aus einer vorherigen Beziehung starb mit 31 Jahren bei einem Autounfall. Ihr späterer Mann, der gebürtige Schweizer Prinz Ruzzo Reuss, erlag 1999 einem Krebsleiden. Seit ihrer Ehe mit dem Blaublüter nennen sie die Schweden „Prinzessin Frida“. Dem Namen wird sie gerecht, 2008 angelte sie sich erneut einen Adeligen, diesmal den Briten Henry Smith. Das Paar lebt in der Schweiz. „Ich bin auch in den Bergen geboren. Es ist, als würde sich der Kreis schließen. Ich bin zurück in der Natur und es geht mir fantastisch“, sagt Lyngstad. Mittlerweile ist sie von Zermatt an den Genfersee gezogen.

Fältskog, die immer schon als zurückhaltend galt, hat sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. „Es muss mir erlaubt sein, so zu sein, wie ich bin“, sagte sie schon früher. Heute tut sie alles, um ihre Privatsphäre und die ihrer Kinder zu schützen. Anders als Lyngstad, die im Rampenlicht steht. Sie gilt als Freundin von Schwedens Königin Silvia, 77. Gemeinsam engagieren sich die beiden für den Umweltschutz. „Mir ist wichtiger, gegen die Zerstörung der Welt zu kämpfen, als Platten zu besingen.“
Andersson hingegen gilt als Geschäftsmann. Er gehört zu den reichsten Schweden und hat eine eigene Plattenfirma. Gemeinsam mit Björn Ulvaeus produziert er Musicals. Die Idee zu der neuen, digitalen „ABBA“-Show hatte ein findiger Manager. „Er sagte, wir könnten auf Tournee gehen, ohne dass wir dabei sein müssen“, erzählt Andersson, der sofort Feuer und Flamme war. Die Arbeit im Studio für das neue Album bezeichnet er als „perfekt“. „Es war genau wie früher“, schwärmt er.

Mit moderner Popmusik hat Andersson aber nichts am Hut. „Ich begreife nicht, was moderne Musiker machen. Ein Lied braucht Melodie, Harmonie und Rhythmus. Nur Rhythmus alleine reicht nicht.“ Mit den zehn Liedern auf dem neuen Album, inklusive der bezaubernden Ballade „I Still Have Faith In You“, hofft er, niemanden zu enttäuschen. „Wir haben es so gut gemacht, wie wir es in unserem Alter können. Und wir wollten es tun, bevor wir tot sind“, schmunzelt er. Unter „ABBA“ will der Musiker nun einen Schlussstrich ziehen. „Ich kann sagen, das war es und es ist gut so.“