„Ich bin eine Diva, die im Stehen pinkeln kann“
Die Zeit ist überreif, alte Gesetze auf den Müll zu werfen. Davon ist Carolin Kebekus überzeugt. Die deutsche Kabarettistin, Sängerin und Schauspielerin ist einem bösen Spuk auf die Spur gekommen. Humorvoll und unverblümt zeigt die 41jährige auf, warum Frauen als „stutenbissig“ gelten und weshalb sie um den einen Platz konkurrieren müssen.
Frauen haben eine schwächere Blase als Männer, weshalb sie öfter auf das Klo müssen. Aber es gibt weniger Damen-Toiletten als Herren-Pissoirs. Offenbar denkt niemand darüber nach, dass die Hälfte der Menschheit kein Mann ist. Das klingt zwar banal, passiert aber so oft, dass sich darüber ein ganzes Buch schreiben ließe“, sagt Carolin Kebekus.

Was sie nun getan hat. Die deutsche Komikerin betrachtet in ihrem eben erschienenen Buch „Es kann nur eine geben“ (Kiwi-Verlag, ISBN 978-3-462-00174-4) Chancenungleichheiten auf allen Ebenen. Dabei schaut die 41jährige durch die satirische Brille. „Klar wussten wir schon, dass die Prinzessin im Märchen ohne ihren männlichen Erlöser aufgeschmissen wäre. Aber war uns eigentlich bewusst, wie grenzdebil Schneewittchen handelt, wenn sie sich gleich drei Mal vergiften lässt? Ein Mal, kann passieren. Von mir aus fällt man ein zweites Mal drauf rein. Aber, im Ernst, ein drittes Mal? Da hätte jeder Goldhamster oder gar eine Amöbe besser reagiert“, nimmt sich Carolin Kebekus kein Blatt vor den Mund, wenn sie die Geschlechter ins Visier nimmt.

„Mit meinen Freunden habe ich ein Zirkus-Programm erfunden“
Am 9. Mai 1980 in Bergisch Gladbach (D) geboren und im Kölner Stadtteil Ostheim aufgewachsen, verstand sie es schon als Kind, die ganze Familie zu unterhalten. „Ich habe Klavier-Konzerte mit aufgebauten Sesselreihen gegeben, obwohl ich keinen Ton spielen konnte. Mit meinen Freunden habe ich ein Zirkus-Programm erfunden und stundenlang Ballett aufgeführt“, erinnert sich Kebekus, die in der Schule eher schüchtern war. Erst in der Pubertät sei sie etwas lauter und mehr zum Clown geworden, sagt sie.

Dass es weniger Rollen-Angebote für Mädchen als für Buben gibt, wurde ihr erstmals beim Krippenspiel im Kindergarten bewusst. „Unsere Kindergärtnerin sagte, sie wisse schon, wer beim Krippenspiel die Maria sein werde. Und uns war klar, dass es nur eine Frauenrolle gibt, denn alle anderen Rollen für die Mädchen waren die Schafe. Der einzige Ruhm, der mir zuteil wurde, war, dass meine Puppe ,Olga‘ das Jesuskind sein durfte“, erinnert sich Kebekus, die aufgrund ihrer derben Sprüche oft als „Kleine Frau mit großer Klappe“ bezeichnet wird. „Ich bin in meiner Wortwahl immer irgendwie vulgär gewesen.“ So zu sprechen, macht ihr Spaß. Zum Beispiel, wenn sie ihren Toilettengang mit dem Satz „Ich bin eine Diva, die im Stehen pinkeln kann“ beschreibt.

„Uns wird ,Stutenbissigkeit‘ nachgesagt“
Ermutigt von Hugo Egon Balder, 71, der die 1990er- Erotik-Spiel-Show „Tutti Frutti“ moderierte, nahm Kebekus bereits mit 19 Jahren Schauspielunterricht. Bekannt wurde sie 2013 mit einer bitterbösen Kirchen-Satire. Im Musik-Video „Dunk den Herrn“ leckte sie im Nonnen-Kostüm ein Kruzifix ab. Woraufhin sie von erzürnten Katholiken angezeigt wurde. Seit dem Vorjahr hat die Komikerin mit „Die Carolin Kebekus Show“ ihre eigene ARD-Sendung.

„Was meine Geschichte als Frau angeht, lerne ich jeden Tag etwas Neues dazu“, meint sie. Lange Zeit habe sie sich selbst als „cooles Mädchen“ gesehen. Dadurch habe sie sich oft unsolidarisch verhalten und sogar frauenfeindliche Witze gemacht. Mittlerweile plädiert sie für den Zusammenhalt unter Frauen. „Uns wird ja gern ,Stutenbissigkeit‘ nachgesagt. Für weibliches Konkurrenzdenken gibt es allerdings historische Gründe. Im Mittelalter war es für Frauen überlebenswichtig, dass sich ein Mann für sie entscheidet. Frauen mussten darauf schauen, die eine Auserwählte zu sein. So ist das heute immer noch, wenn es um Machtpositionen, die noch immer in Männerhand sind, geht“, sagt die bekennende Feministin.

Es brauche mehr Frauenfiguren als nur eine „Schlumpfine“, die nichts kann. „In der Originalversion der Kinderserie ,Die Schlümpfe‘ gibt es den griesgrämigen ,Muffi‘, den besserwisserischen ,Schlaubi‘, den tollpatschigen ,Clumsy‘ oder den schläfrigen ,Fauli‘. Die einzige Frau ist Schlumpfine, die jedoch keine besonderen Eigenschaften hat. Sie ist eine Frau und das war‘s dann auch schon“, übt sie Kritik an der Ungleichheit. Die beginne eben schon im Kinderfernsehen. „Dort sind die handelnden Personen noch immer zu 72 Prozent männlich. Sogar im Mädchen-Filmmärchen ,Eiskönigin‘ beträgt der Redeanteil der männlichen Figuren 57 Prozent“, plädiert sie dafür, dass sich Frauen mehr vernetzen sollten. „Wir können privat beste Freundinnen sein, aber beruflich gönnen wir uns nicht einmal den Dreck unter den Fingernägeln. Also, meine Damen, lasst uns Stammtische gründen und uns gegenseitig nach oben helfen“, meint die 41jährige, die ihr Privatleben streng geheim hält.

Solidarität vermisst sie auch unter Müttern. „Belastung bleibt ein großes Tabu-Thema. Wir Mütter steigern die Ansprüche an uns selbst. Wir machen Karriere, ziehen unsere Kinder auf, backen perfekte Kuchen und sind auch noch super gestylt. Das alles zeigen wir in den sozialen Medien. Natürlich ist das nicht die Wirklichkeit und jede Frau weiß das. Im Grunde sollten wir uns gegenseitig loben und uns unterstützen. An der Aussage ,Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen‘, ist schon was dran“, ist Carolin Kebekus überzeugt.