„Ich war zum ersten Mal arbeitslos“
Sie hat privat eine neue Liebe gefunden und beruflich neue Herausforderungen, obwohl in den vergangenen Monaten viele Produktionen auf Eis gelegt wurden. Die in Wien geborene Schauspielerin Julia Stemberger, 56, hat sich nicht gescheut, sich arbeitslos zu melden. Sie drehte eine Serie über Kaiserin Sisi und überstand zudem eine Corona-Erkrankung, trotz zweifacher Impfung.
Frau Stemberger, der Sender RTL produziert eine Serie über die Kaiserin Sisi, in der Sie die Mutter der Kaiserin verkörpern. Sie wandeln also auf historischen und auch berühmten Spuren.
Das stimmt, denn wir haben natürlich alle noch Magda Schneider in dieser Rolle als Mutter von Romy Schneider vor Augen. Die Serie ist kein Aufwärmen alter Geschichten, sondern etwas Neues. Ich habe mich natürlich noch einmal mit der Biografie von Sisi auseinandergesetzt. Wir haben eine schöne Arbeit hinter uns. Ich habe in meinem Leben noch nie so viele Kostümproben gehabt (lacht), es war unglaublich. Die Kleider sind alle maßgeschneidert und spektakulär. Wir haben in Lettland und Litauen gedreht. Dort war ich noch nie. Ich konnte schöne Erfahrungen sammeln im Kreise einer wunderbaren Truppe.
Wer verkörpert in der Serie die Kaiserin Sisi?
Sisi wird von Dominique Devenport gespielt und Kaiser Franz von Jannik Schümann. Désirée Nosbusch verkörpert die Erzherzogin Sophie.
Was halten Sie von der Kaiserin?
Ich verehre sie zutiefst. Sie war schon eine Ausnahmeerscheinung.
Romy Schneider hat sich oft in ihre Filmpartner verliebt. Ist Ihnen das auch passiert?
Mir ist das früher passiert, jetzt nicht mehr. Die Schauspielerei ist eine Arbeit, die äußerst intensiv ist, die Partner kommen sich schnell ziemlich nah. Und wenn jemand drei Monate gemeinsam einen Film dreht, dann lernen sich die Menschen auch kennen. Aber dass ich mich in meinen Filmpartner verliebt habe, ist schon lange nicht mehr passiert (lacht).
Schauspielerinnen beklagen sich immer wieder, dass sie sexuell belästigt wurden. Haben Sie ähnliche Erfahrungen gemacht?
Ja, immer wieder. Nicht massiv, aber dreist manchmal. Ich war dann in der Situation immer perplex. Manche Frauen können sich ja super abgrenzen, ich war einfach so erstaunt, dass das überhaupt stattfindet. Ich konnte mich schon erwehren, es ist mir nichts passiert, aber ich habe Übergriffiges erlebt, ja.
Haben Sie denjenigen zur Rede gestellt?
Nein, das würde ich heute machen, aber damals habe ich nur geschaut, dass ich schnell aus der Situation rauskomme und bin dann weggegangen.
Sind Sie noch Single?
Nein, ich habe einen Partner, das ist schön. Meine Tochter ging jetzt nach München (D) an die Schauspielschule, da gab es ein großes Abschiednehmen (seufzt). Das ist keine einfache Situation, aber es ist gut, dass sie es macht. Sie ist jetzt 21 Jahre alt, sie hat auch schon ein paar Drehtage hier und da, hat auch bereits Theater gespielt, und sie fängt jetzt ihr eigenes Leben an, bis jetzt lebte sie ja noch zu Hause. Sie hat schon drei Versuche gemacht und ist in eine Wohngemeinschaft gezogen, aber sie ist immer wieder nach Hause zurückgekehrt. Erst jetzt erfolgte wirklich der Schnitt: Sie zog in andere Stadt. Sie hat auch schon ein Zimmer, sie ist flügge geworden, und das ist auch super.
Ist Ihre neue Liebe wieder ein Musiker, so wie der Vater Ihrer Tochter Fanny?
Nein, ich habe zwar einen Hang zu Musikern, aber mein Freund ist Arzt. Das Leben hat es so gewollt. Wir sind jetzt schon mehr als zwei Jahre zusammen.
Ist Ehe auch ein Thema?
Nein, ich weiß nicht, warum ich beziehungsweise wir so etwas machen sollten. Es gibt keinen Grund für eine Ehe.
Na ja, manche Paare möchten sich damit gegenseitig absichern …
Das ist ja romantisch.
Romantisch ist es wohl nicht, aber gerade als Schauspieler ist das vielleicht gar nicht so schlecht – gerade jetzt, in Corona-Zeiten. Wie haben Sie die Pandemie bis jetzt erlebt?
Es gab verschiedene Phasen. Zunächst war ich glücklich über diese verordnete Ruhe, das fand ich sogar angenehm. Aber nach sechs Wochen bin ich traurig geworden, weil ich meinen Beruf vermisst habe. Ich mache diesen Beruf ja nun schon lange und liebe ihn immer noch.
Hatten Sie Existenzängste?
Ich war das erste Mal arbeitslos in meinem Leben, ich habe mich also auch arbeitslos gemeldet. Ich wusste, sonst wäre ich sehr unruhig geworden. Es gab ja wirklich lange Phasen, in denen wir im „Lockdown“ waren, und als Selbstständige war das schlimm. Ich war erleichtert über das Arbeitslosengeld, das ich einige Monate lang bekam. Es fiel mir schwer, zum Arbeitsamt zu gehen und dieses Geld zu beantragen. Dazu musste ich eine innere Hürde überwinden. Und dann saß ich in der U-Bahn und habe mich über all die Menschen geärgert, die ihre Maske nicht korrekt trugen, also nicht über der Nase. Ich bin doppelt mit BioNTech/Pfizer geimpft und habe trotzdem gerade eine Corona-Infektion hinter mir.
Das ist ja äußerst unangenehm …
Ja, es hat mich in Lettland erwischt, obwohl ich nun wirklich dermaßen vorsichtig bin. Auch am Anfang der Pandemie, als es noch keine Impfung gab, war ich so vorsichtig wegen der älteren Menschen, ich habe ja auch Eltern, die ich schützen möchte. Und wenn ich dann diese Menschen in der Bahn mit der Maske nur über dem Mund sehe, verstehe ich das nicht.
Wie schlimm war Ihre Erkrankung?
Ich lag nicht im Spital, aber ich war krank. Ich lag im Bett. Und am zwölften Tag war ich dann bei der Ärztin und wurde aus der Quarantäne entlassen.
Wie haben Sie die Quarantäne empfunden?
Ich war alleine, das war eine Herausforderung und ziemlich hart. Ich fühle mich jetzt aber wieder fit.