„Bond“ will gar nicht imponieren
Der Brite Daniel Craig, 53, ist nun zum letzten Mal als Geheimagent James Bond in „Keine Zeit zu sterben“ in unseren Kinos zu sehen. Der einst geschmähte und längere Zeit sogar obdachlose Darsteller wurde zum Liebling des Publikums, der zuweilen Angst vor neuen Rollenangeboten hat. In Zukunft will er sich vom Trubel rund um das Filmgeschäft fernhalten.
Auf der Leinwand spielt Daniel Craig, 53, den furchtlosen Draufgänger. Im wirklichen Leben ist er das Gegenteil: ein zögernder Mann, der nachdenkt, bevor er handelt, der nicht impulsiv agiert. „Manchmal habe ich sogar Angst vor einer Filmrolle“, gesteht er. Auch in seinem neuen Film „Keine Zeit zu sterben“, der dieser Tage in unseren Kinos anläuft, überrascht der in Amerika lebende Engländer als ein neuer James Bond. Aus einem ruhigen Leben in Jamaika herausgerissen, muss er bei der Rettung eines entführten Wissenschaftlers ungeahnte Gefahren überwinden. Wieder dabei als Bösewicht Blofeld ist der Wiener Schauspieler Christoph Waltz, 64, „Oscar“-prämiert für die beste Nebenrolle in „Inglourious Basterds“ (2009) und „Django Unchained“ (2012).
Für den am 2. März 1968 in Chester (England) geborenen Darsteller Daniel Craig ist es sein fünfter Film als Geheimagent im Dienst der britischen Majestät und sein letzter.

Craig war lange obdachslos
Er verlässt die Agenten-Bühne als weltweit bekannter Mann. Davon war am Beginn seines Lebens nicht auszugehen. Craig ist der Sohn eines Stahlarbeiters und einer Kunstlehrerin. Nach der Scheidung der Eltern wuchs er zusammen mit seiner älteren Schwester bei der Mutter Olivia und dem Stiefvater auf. Im Alter von 16 Jahren verließ Craig die Schule und begann am „National Youth Theatre“ in London (England) zu studieren.
Zehn Jahre lang schlug er sich mit wechselnden Tätigkeiten an kleinen Theatern und mit anderen Gelegenheitsarbeiten durch. Das Geld reichte kaum zum Leben. „Ein paar Mal bin ich monatelang obdachlos gewesen“, erzählt er.
Dann zog er im Film „Im Glanz der Sonne“ einen Kinoauftritt an Land. Es war der Beginn einer steilen Karriere. Im Jahr 2000 wurde Craig bei den Filmfestspielen „Berlinade“ in Berlin (D) als einer der besten Nachwuchsschauspieler ausgezeichnet.

Fünf Jahre später wurde er Bond, James Bond – und wurde mit Protesten überschüttet. Craig wurde mit seinen Vorgängern Sean Connery (sechs Mal James Bond), George Lazenby (ein Mal), Roger Moore (sieben Mal), Timothy Dalton (zwei Mal) und Pierce Brosnan (vier Mal) verglichen. Neben diesen Helden wirke Craig „unscheinbar, zu blond und ängstlich“, fanden die Kritiker. Sie tauften ihn „James Bland“ (James Langweilig). Vor Kinos riefen Demonstranten zum Boykott seines ersten Filmes „Casino Royale“ auf.
Doch die bösen Mäuler verstummten bald und der Film wurde ein Kassenschlager. Wie die folgenden Agenten-Auftritte. Freilich, die anstrengenden und gefährlichen Szenen verlangten dem Spezial-Agenten alles ab, daher ließ sich Craig lange bitten, ehe er zum fünften Mal einen Vertrag unterschrieb. „Die körperlichen Qualen sind extrem“, meint der Brite. „Ich war nicht sicher, ob ich die Dreharbeiten noch ein Mal schaffen würde.“ Als ihm die Produzenten 25 Millionen Dollar Gage anboten, schlug er ein.

Ehefrau im Film und privat
Craig ist längst ein etablierter Darsteller und ein Frauenschwarm. Da hatte er bereits eine Ehe hinter sich und war Vater einer Tochter geworden. Ella ist heute 28 Jahre alt. Die Ehe hielt nur zwei Jahre. Mehrere Affären folgten, bis Craig bei den Dreharbeiten zum Film „Dream House“ auf eine alte Bekannte traf. Rachel Weisz hatte mit ihm zusammen in London studiert, nun verkörperte sie im Film seine Ehefrau. Und es knisterte zwischen den beiden, wenn die Kameras ruhten. Ein halbes Jahr später, Ende Juni 2011, gaben sie sich in New York (USA) in einer geheimgehaltenen Zeremonie das Jawort – auch für Weisz war es nicht die erste Ehe. Zu Gast waren nur seine Tochter und ihr Sohn Henry aus einer früheren Beziehung. Im September 2018 vermeldete das Paar die Geburt ihrer gemeinsamen Tochter.

"Ich will besser werden"
Weisz sagt, sie habe nie daran gedacht, eines Tages wieder zu heiraten. Doch plötzlich habe Daniel vor ihr gestanden, und sie habe ihn sofort geliebt. Gefragt, was sie machen, um ihre Ehe glücklich zu halten, meint sie: „Wir bringen keine Arbeit mit nach Hause. Es gibt nichts Schlimmeres als zwei Schauspieler, die über ihren Beruf reden. Das ist das Ende, das Schlimmste. Ich liebe Daniel und bin glücklich mit ihm. Meinen Ring trage ich mit Stolz.“

Die Familie lebt in New York in einer schicken Wohnung. Weit weg vom Trubel Hollywoods. „Rachel und die Kinder sind der Mittelpunkt meines Lebens“, erklärt der 53jährige. Er möchte sich nun möglichst vom Trubel des Filmens fernhalten. „Um die Wahrheit zu sagen“, verrät er, „ich mag den Konkurrenzkampf in unserem Geschäft nicht. Ich bin die am wenigsten von Konkurrenzdenken geprägte Person der Welt. Im Restaurant geschieht es manchmal, dass sich Menschen vor mir aufbauen, die Brust aufblasen und rufen: ‚James Bond! Willst du es mit mir aufnehmen?‘ Ich finde das blöd. Ich habe es nicht nötig zu imponieren, sondern möchte einfach nur schauspielen.“

Trotz seines Erfolges und der schätzungsweise 130 Millionen Dollar, die er sicher angelegt hat, sagt Craig, er sei nicht zufrieden mit seiner Karriere. „Ich weiß nicht warum. Aber so bin ich nun einmal. Ich bin ständig auf der Suche, um besser zu werden. Ich will immer alles richtig machen. Aber ich weiß nicht, was ich verbessern will.“