Das schöne Gesicht des Herbstes
Grüner wird‘s nicht im Herbst. Dafür leuchtend gelb, orange und rot. Der Oktober ist der Monat der bunten Blätter, die jetzt vielerorts von den Bäumen fallen. Und das fasziniert nicht nur berühmte Dichter und Poeten. Auch fleißige Spaziergänger wissen ganz genau, was da so alles zu Boden segelt.
Für Kinder gibt es jetzt fast nichts Schöneres, als mit den Füßen durch das bunte Herbstlaub zu rascheln und in die Laubhaufen zu springen.
Dass die Laubbäume jedes Jahr aufs Neue ihre Blätter abwerfen, ist in Wahrheit allerdings ein Hilfeschrei der Natur. Denn im Winter steckt im Boden wenig Wasser.
Um nicht zu vertrocknen, entzieht der Laubbaum den Blättern daher die Nährstoffe und verschließt die Blattstiele. Dadurch kann kein Wasser mehr hinein. Die Blätter verfärben sich, welken und fallen schließlich ab.

Doch anders als in unseren Städten ist Laub im Wald ein gefundenes Fressen für zahlreiche Tausendfüßer, Asseln, Springschwänze oder Milben. Die Winzlinge machen sich darüber her, knabbern Löcher hinein, größer und größer, bis nichts als ein feines Blattgerippe übrigbleibt.
Regenwürmer ziehen die Reste dann in die Tiefe, zermalmen sie und schleusen sie durch ihren Darm. Und was die Bodenarbeiter aus ihrem Wurmende pressen, zersetzen Pilze und Bakterien im Erdreich zu wertvollem Humus. Über Monate und Jahre hinweg recycelt die tierische „Abfall-Armee“ das Laub so zu neuem Boden, auf dem Bäume wachsen, die Jahr um Jahr wieder ihre hübschen gelben, orangen oder roten Blätter abwerfen.

Herbstbild
Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
Die schönsten Früchte ab von jedem Baum.
O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält,
Denn heute löst sich von den Zweigen nur,
Was von dem milden Strahl der Sonne fällt.
Friedrich Hebbel (1813–1863)

Kinder lieben es, Stadtgärtner stöhnen
Ein europäischer Laubbaum trägt im Schnitt 50.000 Blätter. Alte und hohe Exemplare sogar bis zu 800.000. Allein in Wien gibt es rund 450.000 Bäume. Und das beschert den fleißigen Stadtgärtnern mehr als 1.000 Tonnen welke Blätter (vergleichbar mit dem Gewicht von fünf Blauwalen), die mühsam von den Gehwegen gekehrt werden müssen.

Viele bunte Blätter
  • In strahlendem Gelb präsentiert sich jetzt der winterharte Ginkgo. Der aus China stammende Baum mit seinen unverwechselbaren fächerförmigen Blättern kann bis zu 30 Meter hoch werden. Als Zierbaum ist er rund um den Globus beliebt.
  • Ein Herbst-Klassiker ist der bis zu drei Meter große Fächer-Ahorn. Damit das Laub besonders im Herbst eine leuchtend rote Farbe annimmt, braucht das ursprünglich aus Japan stammende Gehölz aber einen sonnenreichen Standort.
  • Da der 150 bis 250 Zentimeter große Korkspindel-Strauch eine besonders auffällige Herbstfärbung in Karminrot hat, wird er auch „Brennender Busch“ genannt. Im Sommer sind die Blätter grün, im Mai bis Juni blüht der Strauch grünlich-gelb.
  • Im Herbst färben sich die markanten Blätter der 15 bis 25 Meter großen Rosskastanie golden und die glänzenden, dunkelbraunen Früchte fallen zu Boden. Durchschnittlich 25 Kilo Laub wirft ein kleiner Kastanienbaum in der goldenen Jahreszeit ab.
  • Die zwei bis fünf Meter hohe Kupfer-Felsenbirne verfärbt im Herbst ihre Blätter in aufregende Gelb-, Orange- und Rottöne. Ihre etwa erbsen-großen Früchte ähneln optisch den Heidelbeeren. Sie sind essbar und wohlschmeckend.
  • Ein großes, tief spitzgelapptes Blatt mit einer prächtig roten Herbstfärbung schmückt die amerikanische Roteiche. Das stark gemaserte Holz des raschwüchsigen und bis zu 30 Meter hohen Baumes wird für Möbel und Parkett hoch geschätzt.
  • Die Blätter der im dichten Wald bis zu 50 Meter hohen Rotbuche verfärben sich von Grün über Gelb zu einem leuchtenden Orangerot. Mitte November ist die Farbe am intensivsten, kurz bevor die Blätter vertrocknen und braun werden.
  • Alle Jahre wieder erstrahlt die sechs bis zwölf Meter hohe Eberesche in herbstlich buntem Laub. Zu den gelben, orangen oder feuerroten Blättern gesellen sich rote Beeren, die je nach Sorte zu Marmelade oder Saft verarbeitet werden können.