Flexiblere Öffnungszeiten für Geschäfte?
Seit Mitte Mai gibt es keine Corona-Beschränkungen mehr bei den Öffnungszeiten. Jetzt ist wieder um spätestens 21 Uhr Ladenschluss. Insgesamt dürfen die Geschäfte nicht länger als 72 Stunden pro Woche offen halten, am Sonntag müssen sie geschlossen bleiben. Ausnahmen etwa in Tourismusgebieten können die Landeshauptleute erlauben. In Wien fordert das die Wirtschaft schon lange. Die Neos wollen, dass die Händler selbst über das Öffnen entscheiden können.
JA:
Beate Meinl-Reisinger,
Neos-Parteivorsitzende

„Nach der Gesundheitskrise stehen wir mitten in einer massiven Wirtschaftskrise. Die Regierung muss alles unternehmen, damit Unternehmer ihre Einbrüche der vergangenen Monate aufholen können. Dabei darf eines nicht passieren: Dass Online-Händler wie Amazon infolge der Krise immer reicher und reicher werden, und heimische Geschäfte der Reihe nach in wirtschaftliche Turbulenzen geraten. Während das Buchgeschäft ums Eck monatelang geschlossen bleiben musste, war online jedes Buch innerhalb kürzester Zeit verschickt und zugestellt. Hier muss gehandelt werden. Am wichtigsten ist es, für faire Besteuerung zu sorgen, gerade auch der Großen. Weiters muss man kleinen Geschäften wie auch Mittelständlern das Leben durch weniger Bürokratie erleichtern. Daneben haben wir noch einen Vorschlag: freiwillige, flexiblere Öffnungszeiten als Corona-Pilotversuch bis Jahresende. Österreich kann es sich nicht mehr leisten, in dem Bereich das strengste Land Europas zu sein. Das gibt einerseits Unternehmern mehr Freiheiten, andererseits würden die Kundenströme verteilt werden, wodurch das Ansteckungsrisiko minimiert würde. Am Ende des Jahres werden die Ergebnisse dann geprüft.“

NEIN:
Alfred Trendl,
Katholischer Familienverband

„Wir brauchen keine Ausweitung der Öffnungszeiten im Handel, und schon gar nicht auf den Sonntag. Eine Ausweitung würde die Vereinbarkeit von Berufs- und Familienleben massiv gefährden und bedeutet einen Angriff auf verlässliche, gemeinsame freie Zeit. Schon jetzt wird in Branchen wie der Gastronomie ,händeringend‘ nach Mitarbeitern gesucht. Offenbar ist es für viele Arbeitnehmer ein Problem, wenn sie ihrem Betrieb sieben Tage pro Woche zur Verfügung stehen müssen. Nun soll also der Handel nachziehen, gefordert wird auch ein Ausbau der Kinderbetreuung. Ist das der Weg, den wir als Gesellschaft wollen? Offene Kindergärten mit Abend- und Wochenenddiensten? Schulkinder, die ihre freien Tage alleine verbringen, weil die Eltern arbeiten müssen? Und im Gegenzug rund um die Uhr einkaufen können, ohne Aussicht auf Pausen und Erholung? Als Gründungsmitglied der Allianz für den arbeitsfreien Sonntag liegt uns die Beibehaltung des arbeitsfreien Sonntages als gemeinsamer freier Tag besonders am Herzen. Er ist eine Errungenschaft, die wir nicht leichtfertig aufgeben dürfen. Für viele Familien ist er der einzige Tag, an dem sie gemeinsam Zeit verbringen können.“