Sechs Wochen Urlaubsanspruch für alle?
Seit dem Jahr 1986 haben Arbeitnehmer Anspruch auf fünf Urlaubswochen pro Jahr, davor waren es vier. Eine sechste Urlaubswoche gibt es in der Regel erst nach 25 Jahren beim selben Arbeitgeber, in manchen Kollektivverträgen sind die Regeln günstiger. Im öffentlichen Dienst ist die sechste Ferienwoche mit der Altersgrenze von 43 Jahren geregelt. Gewerkschafter fordern aber sechs Wochen Urlaub für alle Arbeitnehmer. Die Unternehmer halten davon wenig.
JA:
Barbara Teiber,
Privatangestellten-Gewerkschaft (GPA)

„Fast ganz Österreich ist sich einig. Bei einer aktuellen Umfrage, die die Gewerkschaft GPA in Auftrag gegeben hat, sprechen sich 86 Prozent für die Einführung einer sechsten Urlaubswoche für alle aus. Momentan kann die sechste Urlaubswoche nur erreicht werden, wenn man 25 Jahre beim gleichen Arbeitgeber arbeitet. Als diese Regelung eingeführt wurde, war das ein sinnvoller Schritt in Richtung Verkürzung der Arbeitszeit. Heute allerdings haben nur noch wenige Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Chance, so lange beim gleichen Arbeitgeber zu bleiben. Das führt dazu, dass mehr als drei Viertel der Beschäftigten nicht in den Genuss von mehr Urlaub kommen. Die Gewerkschaft hat daher bereits in einigen Kollektivverträgen eine leichtere Erreichbarkeit verankert. In den vergangenen Jahrzehnten ist die Produktivität stark angestiegen. Menschen leisten immer mehr in immer weniger Zeit. Eine Verkürzung der Arbeitszeit, etwa durch mehr Urlaub, wäre folgerichtig. Dazu kommt, dass zwei Drittel der Beschäftigten sagen, sie sind im Urlaub für ihren Arbeitgeber erreichbar. Das führt dazu, dass keine echte Entspannung gegeben ist.“

NEIN:
Christoph Neumayer,
Industriellenvereinigung (IV)

„Mit 25 Urlaubstagen und 13 gesetzlichen Feiertagen liegt Österreich schon heute an der ,Freizeit-Spitze‘ unter den Industriestaaten der Welt. Dazu kommt, dass wir mit nach wie vor hoher Arbeitslosigkeit zu kämpfen haben. Auch bei den Arbeitskosten liegt Österreich unverändert im europäischen Spitzenfeld: Es bleibt den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zu wenig ,Netto vom Brutto‘, also von den Kosten, die Betriebe und Beschäftigte zusätzlich zum Lohn berappen müssen. Die Lohnnebenkostenbelastung lag laut Eurostat in Österreich zuletzt um mehr als vier Prozentpunkte höher als in Deutschland, und auch deutlich höher als im Durchschnitt der EU28. Ganz abgesehen davon, dass sich die Wirtschaft gerade von der größten Krise der Zweiten Republik erholen muss. Es ist also kaum der richtige Zeitpunkt, die Ausdehnung der Urlaubsansprüche und damit zusätzliche Belas­tungen für die heimischen Unternehmen zu fordern. Wer so etwas fordert, der verkennt den Ernst der Lage. Denn gerade jetzt, nach der schwersten Wirtschaftskrise seit 80 Jahren, sollten wir gemeinsam überlegen, wo und wie wir Investitionen fördern und Arbeitsplätze schaffen können.“