Studentin baute Haus auf Rädern
Die Miete stieg immer weiter an. Bis sie für die Studentin Maria Kravanja, 22, irgendwann zu hoch war. Deshalb baute sich die junge Kärntnerin einen alten Wohnwagen um und lebt nun zufrieden und mietfrei in einem Zuhause auf zwei Rädern.
In Amerika sind sogenannte „Tiny Houses“, also Minihäuser von etwa 20 Quadratmetern auf Rädern, längst nichts Besonderes mehr, sondern für die arme Bevölkerung die einzig verbliebene Möglichkeit, ein Dach über dem Kopf zu haben, wenn der Lohn gering und die Mieten hoch sind. Bei unseren deutschen Nachbarn zeichnet sich ein ähnlicher Trend ab. Auch steigt die Zahl der fahrbaren Heimstätten, die oft auf Campingplätzen auf Dauer abgestellt werden. Denn die Stellgebühren sind weit niedriger als die Mieten. Und die Betreiber freuen sich über ganzjährige Einnahmen.
Freilich müssen beim Komfort Abstriche gemacht werden. Ein ausufernder Kleiderschrank, eine üppig eingerichtete Küche oder Krimskrams haben keinen Platz. Dennoch haben die Besitzer derartiger Wohnungen eines gemeinsam – sie lieben ihr Zuhause. So wie die 22jährige Kärntnerin Maria Kravanja. Die Kunststudentin aus Klagenfurt hat sich ihren Traum, wie sie sagt, verwirklicht. Er ist 15 Quadratmeter groß und hat 100 Euro gekostet. Zumindest für den Anfang, denn um dieses Geld kaufte sie sich einen alten Wohnwagen.

„Ich habe den kompletten Aufbau abmontiert, nur das Fahrgestell diente mir als Unterbau, dort habe ich einen wärmedämmenden Holzboden verlegt. Anstelle des Aufbaues fertigte ich dann ein Holzgerüst, das eine echte Herausforderung darstellte. Ich habe mir stundenlang Videos angesehen, wie ein Holzhaus gebaut wird“, erzählt Kravanja. Aber ohne der tatkräftigen Unterstützung ihrer Tante Sonja, 40, die von Beruf Glaserin und Tapeziererin ist, wäre das fahrbare Zuhause nicht in einem halben Jahr fertig geworden. „Sie hat mir in jeder freien Minute geholfen“, meint die 22jährige dankbar.
„Ich liebe mein Haus und würde es gegen keine Wohnung mehr eintauschen. Vom Sofa angefangen bis hin zur Küche habe ich alles selbst gemacht. Zu jeder einzelnen Schraube habe ich sozusagen einen Bezug.“

Eine Dusche mit Kompostklo
Insgesamt 3.500 Euro hat Kravanja in ihr Heim gesteckt und sich fein eingerichtet. „In meinem dreieinhalb Meter hohen Haus gibt es einen Halbstock, in dem sich mein sechs Quadratmeter großes Schlafzimmer befindet. Unten sind Küche und ein Schrank sowie das Wohnzimmer mit einem kleinen Sofa eingerichtet. Das eineinhalb Quadratmeter große Badezimmer ist mit einer Spanplatte vom restlichen Raum abgetrennt. Darin befindet sich eine Dusche sowie ein Kompostklo, das ich wöchentlich entleere“, erzählt Kravanja stolz. Kein Vergleich zu früher. Da teilte sie sich mit einer Studienkollegin eine 30 Quadratmeter große Miet-Wohnung in Villach und musste samt Betriebskosten dafür zusammen 700 Euro monatlich hinlegen. „Das ist auf Dauer für eine Studentin unerschwinglich. Aber auch für andere Menschen, denn selbst in der Corona-Krise sind die Mieten wieder deutlich gestiegen. Da ist es gut, unabhängig zu sein.“

Derzeit steht die Studentin mit ihrem „Tiny House“ auf dem Grundstück ihrer Großtante in Völkendorf (K). Im Sommer möchte sie mit ihrem umgebauten Wohnwagen in die deutsche Hauptstadt Berlin ziehen, um dort weiterzustudieren. Einen Stellplatz auf einem Grundstück im Süden von Berlin hat die 22jährige bereits. „Ich darf mit einem Minihaus überall stehen, wo ich willkommen bin. Zum Transport über die Autobahn muss ich das Haus aber auf einen LKW verladen. Dafür zahle ich dann aber in Berlin für das Grundstück nichts, wo ich stehe, sondern muss monatlich nur Strom und Wasser begleichen. Jetzt zahle ich dafür insgesamt 20 Euro im Monat, im Winter waren es 70 Euro“, so Kravanja, die mit ihrem Zuhause auch eine Botschaft vermitteln möchte. „Mein Ziel ist, der Welt möglichst keinen Schaden zuzufügen. Ich will umweltbewusst leben. Mit meinem Minihaus geht das.“