„Träume halten uns am Leben“
Er ist noch etwas müde. Kein Wunder, bei den Dreharbeiten zum „Sing meinen Song – das Tauschkonzert“ (dienstags auf VOX) hat der 31jährige Pop-Liedermacher Joris Ramon Buchholz, kurz Joris, wenig Schlaf bekommen. Warum das so war, erzählte er dem WOCHE-Reporter Steffen Rüth, ebenso von seinem facettenreichen dritten Album „Willkommen Goodbye“, von Trennung und der Angst vor dem Tod.
„Sing meinen Song“ wurde in diesem Jahr nicht im sonnigen Südafrika gedreht, sondern im Hotel „Gut Weissenhaus“ an der winterlichen Ostsee. War es trotzdem schön?
Und wie. Es hat unfassbar viel Spaß gemacht, dort zu sein. Wir waren die meiste Zeit in einem großen, herrlich warmen Veranstaltungszelt, in das extra die Kulisse aus Südafrika hineingebaut wurde. Wir haben uns also wirklich so gefühlt, als wenn wir dort gewesen wären. Zumindest so lange, bis wir nachts um drei oder vier Uhr aus dem Zelt kamen – denn draußen war es natürlich arschkalt.
Wie war es sonst?
Unglaublich, endlich konnten wir wieder mit anderen Menschen zusammen sein und in einem Raum Livemusik machen. Wir Künstlerinnen und Künstler haben uns alle ins Herz geschlossen, es war richtig, richtig schön. Ein bisschen wie früher auf Schulfahrt. Nur noch viel intensiver. Als ich wieder zu Hause war, musste ich erst einmal ein bisschen runterkommen.
Was haben Sie denn dort Wildes getrieben?
Wir haben viel gelacht, aber auch tiefgehende Gespräche geführt. Das alles in Kombination mit diversen Getränken. Ian Hooper von den „Mighty Oaks“ hatte zum Beispiel viel Whiskey mitgebracht, der natürlich auch getrunken wurde.
Und was hat DJ Bobo bevorzugt zu sich genommen?
Baileys (lacht). Das ist nicht meines. Als Westfale (D) habe ich gern ein Pils getrunken. Ich mag aber auch guten Weißwein.
Sie haben ja nicht nur bei dieser Sendung mitgemacht, bei der Enterpreten die Lieder anderer Kollegen singen, sondern auch ein neues Album mit dem Titel „Willkommen Goodbye“ veröffentlicht. Im Lied „Sturm & Drang“ blicken Sie zurück auf den jugendlichen Joris. Haben Sie es mit 31 Jahren bereits nötig zurückzuschauen?
Ich finde schon. Jeder Mensch, egal in welchem Alter, ist die Summe seiner Eindrücke und Erfahrungen. Dazu gehören die schönen Erlebnisse genauso wie die traurigen Seiten. Ich bin zum Beispiel bei meinem Papa aufgewachsen und nicht, wie meine Geschwister, bei meiner Mama. Ich war als Kind und Heranwachsender viel alleine, und zwar zum Glück alleine mit der Musik. Im Stück „Nur die Musik“ befasse ich mich quasi mit dem Soundtrack meines Lebens, in dem Song singe ich darüber, dass die Musik mein bester Freund ist. Und in „Sturm & Drang“ geht es darum, dass ich als Kind unheimlich viel geträumt habe. Ich saß nach der Schule am Klavier und träumte mich an einen weit entfernten Ort. Als Erwachsener mache ich das immer noch. In welcher Situation wir sind oder welchen Beruf wir haben: Das Träumen hält uns am Leben und bringt uns weiter.
Im letzten Lied „Game Over“ thematisieren Sie den Tod …
In dem Moment, in dem wir geboren werden, steht bereits fest, dass wir das nicht überleben. Wir denken viel zu wenig darüber nach, was sein wird, wenn wir nicht mehr sind. Ich habe Angst davor, irgendwann weg zu sein und nichts mehr mitzubekommen. Ich habe mehr und mehr das Gefühl, dass der Sinn des Lebens auch darin besteht, jeden Tag etwas von sich zu geben. So kann das Gute, das wir weitergeben, noch Generationen nach uns beeinflussen – und wir leben irgendwie fort.
Das könnte doch auch durch die Liebe geschehen?
In „2017“ singe ich über eine achtjährige Beziehung, die vor gut drei Jahren in die Brüche ging. Wir stolpern im Leben und wir stehen wieder auf. So gesehen gewöhnen wir uns an alles, auch an Trennungen. Trotzdem können sie weh tun.
Sind Sie sensibel?
Ich bin total harmoniebedürftig, trotzdem habe ich ein gewisses zerstörerisches Element in mir. Die Gründe für diese Zerrissenheit liegen sicher auch in meiner Kindheit.