„Im Lügen bin ich miserabel“
Berühmt wurde Kaley Cuoco als Kellnerin „Penny“ in der Fernseh-Kultserie „The Big Bang Theory“. In 280 Folgen gab die 35jährige die lustige Blondine. Nun spielt sie die etwas dunklere, dramatischere Titelrolle der Stewardess „Cassie“ in der achtteiligen Serie „Die Flugbegleiterin“. Die Schauspielerin plaudert über Intimes bei den Dreharbeiten, über ihre Liebe zu Mann, Hunden und Pferden und wie sie es geschafft hat, fest am Boden zu bleiben.
Frau Cuoco, in der neuen Thriller-Serie „Die Flugbegleiterin“, zu sehen auf Amazon Prime, spielen Sie die Stewardess „Cassandra“. Sie wacht nach einer heißen Nacht neben ihrem ermordeten Liebhaber auf. Vom Alkohol umnebelt, erinnert sich „Cassandra“ an gar nichts. Ist es schwierig für Sie, eine Betrunkene zu spielen?
Im alkoholisierten Zustand eine Betrunkene zu spielen, ist einfach. Schwierig ist es, im nüchternen Zustand eine Alkoholisierte darzustellen. Deshalb war ich ja während der Dreharbeiten sternhagelvoll (lacht). Nein, das war ein Scherz. Ich hoffe jedoch, dass ich als „Cassie“ überzeugend besoffen wirke. Denn es ist viel schauspielerisches Gespür nötig, um eine Betrunkene so zu spielen, damit sie nicht zur lächerlichen Gestalt verkommt.
Haben Sie selbst jemals ähnlich durchzechte Nächte verbracht?
Bei mir braucht es nicht so viel, bis ich einen sitzen habe. Ich weiß, wie es sich anfühlt, in der Früh verkatert aufzuwachen. Inzwischen habe ich das jugendliche Trinken aufgegeben. Denn je älter ich werde, umso schlimmer werden die Kater. Ich bin zur Genießerin geworden, liebe französische Weine und gönne mir mit meinem Mann Karl hin und wieder ein Glas Bourbon. Ich muss gestehen, dass ich bei Weitem nicht so viel vertrage wie „Cassie“.
Die Rolle der „Cassie“ ist völlig anders als die der „Penny“, die Sie in der Kultserie „The Big Bang Theory“ („Die Urknalltheorie“) spielten. War das eine bewusste Entscheidung?
Nein, ich habe weder versucht, mich von „Big Bang Theory“ zu lösen, noch mein Image zu ändern. Die Serie war zwölf Jahre lang mein Leben und hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin. Vielmehr ist es so, dass ich meine Kollegen von damals und damit auch „Penny“ vermisse. Aber das Leben geht weiter und ich suche nach neuen Herausforderungen, die ich in der „Cassie“-Rolle gefunden habe.
Was hat Sie an der Serie, die Sie mitproduziert haben, am meisten gereizt?
Dass „Cassie“ versucht, einer Situation zu entfliehen, in Schock und Panik. Was offenbar viele Menschen machen. Eine starke Frau zu spielen, die Probleme hat und deshalb einen über den Durst trinkt, hat mich gereizt und zugleich gefordert. Das fing schon bei einfachen Szenen an.
Zum Beispiel?
Eine Flugbegleiterin hat uns bei den Dreharbeiten unterstützt, um uns zu zeigen, wie gearbeitet wird. Sie hat uns beigebracht, die Servier-Tabletts richtig zu halten, und zwar in nur einer Hand. Schon als Kellnerin „Penny“ in „The Big Bang Theory“ war ich völlig unfähig, ein Tablett zu balancieren. Ich habe zahlreiche Versuche gebraucht, bis die Servier-Szenen im Kasten waren.
„Cassie“ verträgt mehr Alkohol als Sie. Was unterscheidet Sie in charakterlicher Hinsicht von der Serienfigur?
„Cassie“ kennt überhaupt kein schlechtes Gewissen. Und sie kann perfekt lügen, ohne dabei rot zu werden. Ich hingegen bin eine miserable Lügnerin. Wenn ich ein schlechtes Gewissen habe oder etwas Unrechtes gemacht habe, ist mir das direkt anzumerken.
„Cassie“ tut etwas, was für sie als Flugbegleiterin absolut tabu sein müsste. Hoch über den Wolken vergnügt sie sich mit einem Mann …
Ja, und das macht sie nicht nur dort, aber mehr möchte ich nicht verraten.
Sie mussten mit Ihrem Kollegen Michiel Huisman, bekannt aus „Game of Thrones”, auf Tuchfühlung gehen. Wie ist es Ihnen beim intimen „Spiel“ ergangen?
Im Gegensatz zu mir hat Michiel jede Menge Erfahrung beim Drehen von körperlich intimen Begegnungen. Was Sex-Szenen angeht, ist er tatsächlich ein Profi, ich dagegen jungfräulich. Was für Heiterkeit gesorgt hat. Vor allem, als ich versuchte, ihn an einer gewissen Körperstelle bloß nicht zu berühren. Woraufhin er meinte, ich würde mich so verhalten, als säße ich auf einem öffentlichen Klo. Wir mussten alle so lachen, dass wir für eine Weile unterbrechen mussten.
Alles andere als zum Lachen ist die Corona-Krise. Wie gehen Sie damit um?
Es sind keine leichten Zeiten. Ich bin froh, dass Karl und ich sie in unserem neuen Haus verbringen können.
Wir waren noch nie so lange ungestört zusammen. Außerdem hatten wir Zeit, das Haus einzurichten.
Wie sieht es bei Ihnen daheim aus?
Ich habe dafür gesorgt, dass sich in fast jedem Zimmer ein Fernseher befindet. Ich weiß, es klingt total verwöhnt. Eigentlich ist es fast peinlich, wie viele Großbildschirme wir überall verteilt haben. Aber wir schauen nun einmal viel fern. Gott behüte, ich müsste in die Küche gehen und dort ein paar Minuten lang keinen Bildschirm sehen.
Vermissen Sie es, auf Partys zu gehen?
Nein, ich brauche keine Partys. Es genügt mir, meine Familie und meine Freunde um mich zu haben. Die sind mir wichtig, weil sie dafür sorgen, dass ich am Boden bleibe und nicht abhebe. Seit meinem 16. Lebensjahr habe ich beruflich dieselben Menschen um mich herum, von meinem Manager über die Agentin bis hin zu meiner Stylistin.
Worauf können Sie nicht verzichten?
Auf meinen Mann und auf unser schönes Zuhause. Das ist mein Zufluchtsort, wo ich so sein kann, wie ich bin. Meine sieben Hunde und meine vier Pferde möchte ich auch nicht missen. Derzeit trainiere ich fast jeden Tag mit meinem Hengst „Volcan“, mit dem ich hoffentlich bald bei einem Turnier antreten kann. Die Liebe zu Pferden verbindet mich mit meinem Mann, der ein leidenschaftlicher Springreiter ist.
Was wünschen Sie sich für Ihre Zukunft?
Ich habe alles, was ich mir wünschte. Mit Karl, der Liebe meines Lebens, bin ich glücklich verheiratet. Ich darf mich über eine wundervolle Karriere freuen und ich bin von Herzen dankbar dafür, all das machen zu können, was ich wirklich liebe.