Königin Elisabeth II. ist 95. Eine bemerkenswerte Frau trauert still und wahrt Haltung und Würde
Seit sie sich am 20. November 1947 das Jawort gaben, stand das Ehepaar alle Höhen und Tiefen gemeinsam durch. Es war eine große Liebe.
Für Königin Elisabeth II. und Prinz Philip hätte dieses Jahr ein Jubiläumsjahr werden sollen. Doch zwei Wochen vor dem 95. Geburtstag der britischen Monarchin am 21. April und rund zwei Monate vor Philips 100. Geburtstag ist der Prinzgemahl für immer friedlich eingeschlafen.
Im Beisein von nur 30 Personen, wurde ihm auf Schloss Windsor die letzte Ehre erwiesen. Die königliche Familie nahm im engsten Kreis Abschied. Philip hatte sein letztes Geleit im Elektro-Landrover selbst geplant. „Pack mich einfach in den Kofferraum und fahr mich nach Windsor“, hatte er sich von seiner Frau gewünscht.

„Lilibet“, wie nur ihr Mann sie nennen durfte, erfüllte seine letzten Wünsche und gestaltete die Beisetzung nach seiner Vorstellung. Bei der Trauerfeier in der St. Georg-Kapelle war sie bemerkenswert gefasst. Ohne Hilfe betrat die 95jährige die Kapelle. Mit gesenktem Kopf, schwarzem Hut, Lesebrille und – Pandemie-bedingt – mit schwarzer Maske verfolgte sie betend den Gottesdienst.
Allein sitzend am äußersten Rand der Kirchenbank, nahm sie von ihrem Prinzgemahl Abschied. „Philip ist meine Stärke und Stütze“, sagte sie anlässlich der Goldenen Hochzeit im Jahr 1997 über ihren Mann. „Dieser Halt ist nun weg. Sie empfindet eine Leere“, beschreibt Prinz Andrew die Gefühle seiner Mutter. Sie sei jedoch ein „beherrschter, besonnener Mensch“, die mit Trauer würdevoll umgehe und den Tod ihres Mannes auch als „Wunder“ bezeichne.

Eine 14tägige Trauerzeit ordnete die Monarchin an. Alle Feierlichkeiten zu ihrem 95. Geburstag sind damit abgesagt. Zum Feiern ist ihr wohl kaum zumute. Denn neben der Trauer um ihren Mann musste sie kurz davor erleben, wie ihr Enkel Harry, 36, und dessen Frau Meghan, 39, schwere Vorwürfe gegen das englische Königshaus erhoben. Die Königin reagierte distanziert und diszipliniert. Zurückhaltung ist ihr Grundsatz, wenn es um Familienangelegenheiten geht. Ihrem Enkelsohn Harry gegenüber gab sie sich sogar versöhnlich. Trotz Familienzwist und Trauer nimmt Elisabeth II. jedoch täglich ihre Pflichten wahr.

Bereits vier Tage nach Philips Tod absolvierte sie einen öffentlichen Termin. Sie verabschiedete ihren wichtigsten Beamten, den für die Organisation der Sicherheit zuständigen Lord Chamberlain, in den Ruhestand.
Die 95jährige ist nicht nur eine der diszipliniertesten und würdevollsten Monarchinnen. Die vierfache Mutter, achtfache Großmutter und zehnfache Urgroßmutter ist vielseitig interessiert und besitzt feinsinnigen Humor. Dass sie selbst (noch immer) Auto fährt, verwundert weniger als die Tatsache, dass sie problemlos eine Zündkerze wechseln kann. Im Zweiten Weltkrieg ließ sich die damalige Kronzprinzessin bei der britischen Frauenarmee zur Mechanikerin und Panzerfahrerin ausbilden.

Ihr künstlerisches Talent lebt die Königin beim Spielen der Ukulele und beim Fotografieren aus. Am liebsten lichtet sie die Mitglieder ihrer Familie ab. Die Königin versteht es, ihre Mitmenschen gekonnt zu parodieren. Ausschließlich Familienmitglieder dürfen sich über Elisabeths Kunst, andere nachzuahmen, königlich amüsieren.
Die kleinen, grauen Zellen erfrischt „Ihre Majestät“ beim Spielen. Am liebsten tüftelt sie bei den Spielen „Solitär“, „Trivial Pursuit“ und „Scrabble“. Den „Zauberwürfel“ löst sie in nur wenigen Minuten und für ein Sudoku-Rätsel (9 mal 9) benötigt sie etwa vier Minuten.

Abgesehen davon, dass sie Hunde und Pferde über alles liebt, zeigt die Königin reges Interesse am technischen Fortschritt. Als erstes Staatsoberhaupt sendete sie am 26. März 1976 eine elektronische Nachricht über „Arpanet“, einen Vorläufer des heutigen Internet.
Darüber hinaus kann sie in zehn Fremdsprachen (Französisch, Deutsch, Griechisch, Italienisch, Niederländisch, Bulgarisch, Serbokroatisch, Finnisch, Malaiisch, Mandarin) „ein Glas dunkles Bier“ bestellen.
Legendär ist ihr morgendliches Ritual. Die Königin lässt sich von einem Dudelsack-Spieler vor ihrem Fenster wecken. Zarte Dudelsack-Klänge untermalten auch den Trauergottesdienst. Damit wurde Philip als „Herzog von Edinburgh“ gehuldigt. Der Titel wurde ihm im Jahr 1947, nach der Hochzeit mit der „ewigen Königin“ verliehen.