Rock-Schlacht zwischen Mensch & Maschine
Im Jahr 2012 haben sich vier Teenager aus der amerikanischen Provinz, namentlich Frankenmuth im Staat Michigan, zusammengetan, um Rockmusik zu spielen. Die Zwillinge Josh und Jake Kiszka, ihr drei Jahre jüngerer Bruder Sam und dessen Schulfreund Danny Wagner haben eifrig in der Garage geübt, sich mit Rock ‘n‘ Roll und Blues der 60er und 70er Jahre vollgesogen, bis sie schließlich gut genug waren, um in einer Bar als „Greta Van Fleet“ regelmäßig live aufzutreten.
Ihr Talent sprach sich herum und 2019 erhielten sie für ihr Debut-Album „Anthem Of The Peaceful Army“ einen der begehrten „Grammy“-Musikpreise. Dieser Tage erschien das zweite Werk der derzeit vielleicht besten Rockband, deren Mitglieder unter 30 sind. Es heißt „The Battle At Garden‘s Gate“. Der WOCHE-Reporter Steffen Rüth hat mit dem Sänger Josh Kiszka, 24, darüber gesprochen und auch vom ersten Publikum erfahren, das aus Gaunern und Drogensüchtigen bestand.
Wie beschäftigt sich eine leidenschaftliche Liveband wie „Greta Van Fleet“, wenn Konzerte verboten sind?
Mit Umzugsplänen. Wir haben unser geliebtes Frankenmuth verlassen und sind nach Nashville (US-Staat Tennessee) gezogen. Der Plan war, uns hier von der geballten musikalischen Schaffenskraft und Kreativität mitreißen zu lassen. Nun, auch in Nashville herrscht seit mehr als einem Jahr tote Hose, und so verbringe ich viel Zeit damit, nach dem perfekten Haus für mich zu suchen. Das, in dem ich derzeit lebe, gefällt mir sogar recht gut, aber noch immer nicht hundertprozentig. Also habe ich beschlossen, einfach ein ganz neues Haus zu bauen, nach meinen Vorstellungen.
Sie waren noch jung, als Sie live zu spielen begonnen haben, nicht wahr?
Ja, ich und mein Zwillingsbruder Jake waren 18 Jahre alt, unser Bruder Sam war damals 15 und sein Schulfreund Danny ebenso. Wir hatten ein Stammlokal, in dem wir an Wochenenden gespielt haben, immer von 20 Uhr bis zwei Uhr in der Früh.
Ihre Eltern waren damit einverstanden?
Sie waren immer mit dabei, es sind anständige Menschen. Unsere Mutter ist Lehrerin, unser Vater Chemiker. Die beiden saßen dort zwischen wilden Typen, Motorradfahrern, Gaunern und Drogensüchtigen. Das war unser Publikum, denn die Bar lag in einer üblen Gegend in unserem Nachbarort Saginow.
In Brüderbands wird gern gestritten, teilweise bis aufs Blut. Wie war und ist das bei Ihnen?
Zwischen Jake und mir konnten die Meinungsverschiedenheiten früher ziemlich hitzig werden. Wir haben uns auch einmal gegenseitig eine reingehauen. Wir wissen eben genau, womit wir einander auf die Nerven gehen können. Meistens streiten wir tatsächlich über die Musik. Aber wir kommen auch schnell wieder von der Palme herunter.
Was zeichnet Ihrer Meinung nach das neue Album „The Battle At Garden‘s Gate“ aus?
Das Album sollte einen cineastischen Anstrich haben, eine Platte wie ein Film sein. Unser Vater hat uns früher immer von den Hobbits vorgelesen, wir lieben „Herr der Ringe“. Unser Album spielt mit ähnlichen Ideen – es geht um den Krieg zwischen Religionen, den Krieg zwischen Menschen und Maschinen.
Das letzte Lied „The Weight Of Dreams“ dauert neun Minuten …
Wir wollten einen monströsen Abschluss. Das Lied haben wir vor zwei Jahren in irgendeiner Waldhütte geschrieben.