Rebellion im Blut
Ihr Name ist in der Filmwelt weithin bekannt. Doch ebenso engagiert wie vor der Kamera agiert Jane Fonda, 83, wenn es um den Erhalt der Natur geht. Als Aktivistin nimmt sie sich kein Blatt vor den Mund und scheut auch nicht davor zurück, verhaftet zu werden. Einen Sieg hat sie errungen – ihr „Feind“ Donald Trump wurde aus dem Amt des US-Präsidenten gejagt.
Jane Fonda, Filmgröße und Umweltschützerin, hat ihren Privatkrieg gegen Donald Trump gewonnen. Der „kriminelle Freund der Erdöl-Industrie“, wie sie den 45. Präsidenten Amerikas schimpfte, ist weg – und sie hat freie Bahn für die Rettung der Erde. Dafür nimmt die 83jährige sogar immer wieder in Kauf, verhaftet zu werden. Doch sie hat die Rebellion im Blut. Klein beizugeben kommt für die am 21. Dezember 1937 in New York (USA) geborene Darstellerin nicht in Frage.

Sich aufzulehnen, gegen Obrigkeiten anzugehen, hat sie schon in ihrer Jugend gelernt, als die kleine Jane im Schatten ihres Übervaters, des Schauspielers Henry Fonda (1905–1982) lebte. Als sie 13 Jahre alt war, schleppte der ehrgeizige Vater sie für Theatervorstellungen auf die Bühne. Sie wäre lieber in die Kirche gegangen. „Vor allem am Heiligen Abend. Ich wollte die Weihnachtschoräle hören. Doch mein Vater, der nicht an Gott glaubte, schimpfte, das sei Unfug. Die Folge war, dass ich erst spät im Leben zu beten begann. Wenn ich heute mit gefalteten Händen auf die Knie gehe, fühle ich eine unglaubliche Verbindung mit Gott“, sagt Fonda.

Ihre Jugend war für sie ohnedies nicht leicht, denn wenige Monate zuvor hatte sich ihre Mutter Frances Ford Brokaw Seymour das Leben genommen. Sie schnitt sich in einer psychiatrischen Anstalt die Kehle durch. Seymour war eingeliefert worden, nachdem sie einen Nervenzusammenbruch erlitten hatte. Der Grund dafür war die Mitteilung, dass sich Henry Fonda wegen einer jüngeren Kollegin von ihr scheiden ließ. Seiner Tochter erzählte Henry Fonda, ihre Mutter sei an Herzversagen gestorben. Die wahren Hintergründe erfuhr das Mädchen aus der Zeitung. Dafür drängte er seine Tochter zur Schauspielerei, meinte jedoch, sie sei zu dick. Das führte bei dem Teenager und später auch bei der erwachsenen Künstlerin zu Minderwertigkeits-Komplexen und wiederkehrenden Magersuchtsanfällen. „Es gab Zeiten, da überlebte ich einen ganzen Tag mit einem hart gekochten Ei und ein paar Gabeln Spinat. Ich wog 51 Kilo.“
Wohin die Reise ihres Lebens führen sollte, konnte sie lange nicht sagen, bis sie von einem Modefotografen entdeckt wurde, Modell stand und schließlich den Mut fasste, eine Schauspielschule zu besuchen.

Donald Trump ist Jane Fondas erklärter Gegner
Danach übersiedelte Jane Fonda nach Paris (F), lernte dort den Regisseur Roger Vadim kennen, heiratete ihn, brachte Tochter Vanessa zur Welt und wurde berühmt. Denn Vadim hatte seiner Frau im Jahr 1968 im Film „Barbarella“ eine Hauptrolle gegeben, die sie international bekannt machte. Nach acht Jahren verließ sie ihn, weil er zuviel getrunken hat.

Jane Fonda war nicht gewillt, als Duckmäuschen durchs Leben zu gehen. Das gilt im Privaten wie in der Öffentlichkeit. „Ich kann nicht ruhig herumsitzen und Däumchen drehen, wenn es draußen brennt“, sagt sie. Deshalb demonstrierte Jane Fonda 1970 gegen den Vietnamkrieg (1955–1975) und wurde in Cleveland im Bundesstaat Ohio erstmals verhaftet. Ein Gefühl, das die Aktivistin in den folgenden Jahren immer wieder erlebte. Vor allem, wenn es um den Schutz der Umwelt ging. Das brachte sie während der Amtszeit von Donald Trump, 74, am deutlichsten zum Ausdruck. Der US-Präsident, der Anfang des Jahres das Weiße Haus räumen musste, war ihr erklärter Feind. Kaum war er in sein Feriendomizil Mar-A-Lago im Bundesstaat Florida verschwunden, protestierte Fonda gut 2.000 Kilometer nördlich im Staat Minnesota gegen den Bau einer Öl-Pipeline durch unberührtes Land der Anishinaabe-Indianer. „Wir sind hier, um diese Sünde zu stoppen“, rief sie.
Der kanadische Energie-Gigant „Enbridge“ hat Milliarden Dollar in die Rohre investiert, durch die täglich Tonnen von Rohöl von der kanadischen Provinz Alberta im Westen des Landes quer durch die Hälfte des nordamerikanischen Kontinentes nach Wisconsin in den USA fließen sollen.

„Diese Pipeline trägt zur Zerstörung der Umwelt bei“, erklärt Fonda. Während Trump den Bau der Öl-Leitung guthieß, hat Präsident Joe Biden, 78, vor solchen Pipelines gewarnt.
Gescheitert ist Jane Fonda freilich mit ihrem Versuch, Trump vom Klimawandel zu überzeugen und davon, etwas dagegen unternehmen zu müssen. In ihrem Buch „What Can I Do: My Path from Climate Despair to Action“ (auf Deutsch: „Was kann ich tun: Mein Weg von der Klima-Verzweiflung zur Aktion“) beschreibt die umtriebige Künstlerin, wie es damals in Washington zuging. Zu einem Gespräch mit Trump kam es nicht. Deshalb demonstrierte Jane Fonda mit einer wachsenden Gruppe weiterer Aktivisten vor dem Kapitol, dem Sitz des Kongresses, der gesetzgebenden Kraft Amerikas. Sie wurde mehrmals verhaftet und in Plastikhandschellen abgeführt.

Nach einer dieser Festnahmen der rebellischen Hollywood-Größe meinte Trump auf einer Versammlung vor Anhängern: „Sie haben Jane Fonda verhaftet. Nichts ändert sich. Immer hat sie Handschellen an, oh Mann. Sie winkt allen mit den Handschellen zu. Ich kann es nicht glauben. Schon seit den 70er Jahren wird sie verhaftet.“
Widerstand leisten gehört für die Schauspielerin zum Leben. Männer sind nicht mehr Teil davon. Nach drei gescheiterten Ehen und der Geburt von zwei Kindern lebt die 83jährige heute allein in einer gesicherten Wohnanlage in Los Angeles (Kalifornien). Dort hat sie ein nobles Haus und teilt sich ein großes Schwimmbecken mit Nachbarn. „Manche scheinen viel älter zu sein, als sie es tatsächlich sind“, meint sie. Vor allem die Männer, aber mit diesem Kapitel habe sie abgeschlossen. „Allerdings“, gesteht die 83jährige, „manchmal fantasiere ich, noch einmal einen Mann kennenzulernen – einen jüngeren.“