„Die Kleidchen meiner Josy sind einfach süß“
In der deutschsprachigen Fernsehlandschaft ist Saskia Vester nicht wegzudenken. Denn die 61jährige ist vielseitig einsetzbar. Sie glänzt in Serien ebenso wie in Komödien und Dramen. In den nächsten Tagen ist sie unter anderem in „Das Traumschiff“ (So., 4.4., 20.15 Uhr, ORF2) und in „Utta Danella: Wer küsst den Doc“ (Mo., 5.4., 14.30 Uhr, Das Erste) zu sehen. Abseits vom Filmgeschehen verbringt Vester gern Zeit mit ihrer Tochter Josy, 29, die aus alten Kinderkleidern neue macht. Zeit für einen Plausch mit Mama bleibt da immer, zumal die beiden ein herzliches Verhältnis zueinander haben.
Ach, ist dieses Kleidchen süß“, schwärmt Saskia Vester von einem roten Unikat mit kleinen Blümchen drauf. „Und erst dieser Strampler.“ Die 61jährige Schauspielerin ist zu Besuch bei ihrer Tochter Josy, die in der bayerischen Hauptstadt München (D) einen Laden für Kinderbekleidung betreibt (www.josy-lou.de). Ihre Wohnung liegt gleich daneben. Und die Mama wohnt ebenfalls nur 30 Minuten entfernt.

Kein Zwang für Besuche
Die Zeit von Saskia Vester ist freilich knapp bemessen, denn die am 24. Juli 1959 in Saarbrücken (D) geborene Darstellerin ist beinahe im Dauereinsatz. Kaum ein deutscher Film, in dem die Blondine nicht mitwirkt. Sie ist im „Traumschiff“ ebenso zu sehen wie in Romanzen nach Utta Danella oder in Beziehungsdramen. Das Rüstzeug dafür holte sie sich an der Neuen Münchener Schauspielschule, danach stand Vester immer wieder auf der Theaterbühne. Seit mehr als drei Jahrzehnten ist sie mit dem Produzenten Robert Flörke verheiratet und hat mit ihm neben der Tochter Josefine, genannt Josy, auch noch den Sohn Bruno. Zu beiden hat sie ein herzliches Verhältnis, wobei kein Zwang für gegenseitige Besuche bestehe, wie sie sagt. „Keiner muss den anderen besuchen kommen, wenn er sich nicht danach fühlt. Es fühlt sich auch niemand verletzt, wenn das so ist, denn bei uns in der Familie gibt es diesbezüglich keine Zwänge oder Pflichten. Unsere Beziehung ist innig und ehrlich.“ Weil Vester Einkaufsbummel schrecklich findet, trifft sie sich mit ihrer Tochter lieber in deren Kleiderladen und bewundert die Stücke, die Josy kreiert.

„Ich entwerfe aus aussortierter, einwandfreier Kleidung wieder neue Kleidungsstücke. Jedes Teil ist mit Liebe handgefertigt und ein Unikat, da es dieses nur in dieser Größe, in dieser Farbe, mit diesem Stoff gibt. In jedem Kleidungsstück steckt auch die Liebe zur Natur, weil es recycelt ist“, erzählt die 29jährige. Und Mama schwärmt: „Alle Kleidungsstücke sind so zauberhaft, dass ich mich als Kundin gar nicht entscheiden könnte, welches ich nehmen sollte (lacht). Das macht Josy super, ich bin so stolz auf sie. Dass sie so gut und so akkurat nähen kann, hat mich umgehauen. Ich weiß nicht, von wem sie das hat, ich bin handwerklich eine Null (lacht).“

Über die Entwicklung ihrer Tochter ist Saskia Vester froh. Vor allem, wenn sie sich an deren Schulzeit zurückerinnert. „Bis zur siebenten Klasse hatten wir eine schwierige Zeit mit Josy. Sie war schon als Kind ein emotionaler, feinfühliger und kreativer Mensch, darum fanden wir nicht die passende Schule für sie, auf der sie sich auch wohlfühlte. Wir probierten so vieles aus – und es passte nichts. Es brach mir fast das Herz, weil mein Kind so unglücklich war. Irgendwann bekamen wir dann einen Platz in einer Waldorfschule, obwohl wir nicht die typischen Waldorfkenner waren, weil unser Sohn ja seine Matura auf dem Gymnasium machte. Aber für Josy war das die richtige Schule, und dort blühte sie plötzlich auf.“

Ein kleiner Wildfang ohne Ängste
Eine ängstliche Mutter sei sie immer gewesen, meint die Schauspielerin, obwohl sie selbst als Kind ein Wildfang war und vor nichts zurückschreckte. „Ja, die Angst kam erst mit meinen Kindern.“ Und sie bezieht sich nicht nur auf die Sprösslinge. „Manchmal überspiele ich mit meiner fröhlichen Art auch meine Ängste (lacht). Ob es das Fliegen ist oder eventuell bevorstehende Umweltkatastrophen, wenn ich nicht aufpasse, steigere ich mich in solche Sachen hinein.“
Ein bisschen Ablenkung verschafft ihr da die Arbeit im Garten. Mit Tochter Josy sucht sie gern Blumen aus und setzt sie an passender Stelle. Saskia Vester hat es gerne, wenn Pflanzen heranwachsen. Sie zu reduzieren, fällt ihr schwer. „Weil es mir immer leid tut, sie so zu kürzen. Daher kommt einmal im Jahr der Gärtner vorbei, um die großen Baumschnitte zu machen.“

Zwischendurch gönnen sich die beiden Damen, die keine typische Mutter-Tochter-Beziehung führen, wie sie sagen, gern eine kleine Kaffeepause. Dazu holen sie sich feine Törtchen aus einer Konditorei, die im selben Haus untergebracht ist wie der Laden von Tochter Josy. Themen zum Plaudern gibt es viele. „Wir sind wie Freundinnen und Mutter zugleich“, meint Vester. „Manchmal ist Josy die Mama und manchmal wieder ich, je nach Bedarf, wer gerade Geborgenheit oder einen guten Ratschlag braucht.“
Dass keines ihrer Kinder den Schauspielberuf ergriffen hat, sieht die 61jährige gelassen. „Ich setze auf meine Enkerln. Unter den Vieren wird vielleicht eines dabei sein, das in meine Fußstapfen tritt. Es heißt ja oft, das überspringt eine Generation.“