Teurer Strom für gesunde Umwelt
Die Großhandelspreise für Strom sind zwar gesunken, in den privaten Haushalten kommt die Preisreduktion jedoch nicht an. Im Gegenteil, Strom wird immer teurer. Die Tiroler Wasserkraft AG wurde wegen unzulässiger Preiserhöhungen sogar verklagt. Und durch die Umrüstung auf erneuerbare Energien nach einem Regierungsbeschluss dürfte Strom noch teurer werden. Bis Ende März gibt es aber noch eine „Billig“-Aktion, der sich jeder Haushalt anschließen kann.
Das darf doch wohl nicht wahr sein. Im vorigen Jahr habe ich monatlich 35 Euro für Strom bezahlt, seit Jänner zahle ich 48 Euro. Das ist unerhört. Ich werde nun den Stromanbieter wechseln, denn diese Preiserhöhung lasse ich mir nicht mehr gefallen“, meint Hans Berger, 45, aus Klagenfurt (K).
Auf den Wohnort kommt es an, die höchsten Netzentgelte gibt es beim Kärntner Landesenergieversorger, die niedrigsten in Vorarlberg. So beträgt in Kärnten die Stromrechnung (Stand Jänner 2021) beim Landesenergieversorger für einen Durchschnittshaushalt 915 Euro, das ist ein Anstieg um 5,3 Prozent.
Dahinter liegen das Burgenland mit 833 Euro (plus 4,6 Prozent), Oberösterreich mit 831 Euro (plus 2,4 Prozent), die Steiermark mit 809 Euro (plus 2,8 Prozent), Wien mit 805 Euro (plus 5 Prozent), Niederösterreich mit 793 Euro (plus 3,3 Prozent), Salzburg mit 760 Euro (plus 2,8 Prozent), Tirol mit 741 Euro (plus 9,6 Prozent) und Vorarlberg mit 686 Euro (plus 9,5 Prozent).

Rückerstattung von zu hohen Energiekosten
„Gesunkene Großhandelspreise wurden nicht von allen Lieferanten an die Kunden weitergegeben“, erklärt Dr. Wolfgang Urbantschitsch, Vorstand der Energie-Control Austria, die für die Strom- und Gaswirtschaft zuständige Regulierungsbehörde in unserem Land.
„Die letzte Anpassung der Strompreise fand Anfang
April 2020 statt. Die Preiserhöhung belief sich dabei für einen Standardhaushalt auf sechs Prozent (rund drei Euro brutto monatlich). Die Anpassung war aufgrund der gestiegenen Strompreise an der Börse erforderlich“, sagt dazu Christof Mergl von der TIWAG-Tiroler Wasserkraft AG. Die aber wurde bereits vom Verein für Konsumenteninformation (VKI) für unzulässige Preiserhöhungen im Jahr 2019 verklagt. Bis 10. Jänner dieses Jahres konnten sich Betroffene beim VKI melden, 76.000 waren es letztlich. Sie hatten Erfolg. Die Parteien einigten sich außergerichtlich und die betroffenen Haushaltskunden erhalten nun einen pauschalen Geldersatz für die Preiserhöhung vom 1. Jänner 2019. Bei einem Durch-
schnittshaushalt mit einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden (kWh) ergibt dies für 15 Monate eine Rück-
zahlung von rund 50 Euro. Bislang bekamen 70.000 Haushalte Geld zurück, dabei wurden 3,55 Millionen Euro ausgeschüttet.

Vor Kurzem hat der Rechnungshof außerdem einen umfangreichen Prüfbericht zum TIWAG-Konzern vorgelegt. Nach wie vor seien die politischen Verstrickungen aus vergangenen Jahrzehnten in der Konzernführung mit Verzahnungen zur Politik und Wirtschaft erkennbar, kritisieren die Rechnungshof-Experten. Weiters wird die Kostenerhöhung beim Bau des Gemeinschaftskraftwerkes Inn (GKI) von 461 auf 605 Millionen Euro kritisiert. „Der Bericht legt dazu schonungslos offen, dass von den Strompreissenkungen in den vergangenen Jahren im Speziellen die Industrie profitiert hat, aber wenig die Tiroler“, sagt der NEOS-Landtagsabgeordnete Andreas Leitgeb, Vorsitzender des Finanzkontrollausschusses. Auch von den Dividendenausschüttungen würden die Bürger fast nichts spüren. „Dieses Geld wird so verteilt, dass budgetäre Löcher, wie etwa bei der Hypo-Landesbank, gestopft werden und damit alles querfinanziert wird, was der ÖVP-Klientel nutzt“, ist Leitgeb überzeugt.

Neues Gesetz bringt neue Kosten
Die Strompreise sind eine heikle Angelegenheit, weil sie dem Markt unterworfen sind. Je nachdem, wie sich die Energiekosten am Weltmarkt ändern, kommen die Haushalte zum Handkuss. Steuern und andere Abgaben können ebenso variieren und die Netzpreise werden ebenso angepasst. Gerade in diesem Punkt dürfte noch einiges auf uns zukommen.
Dieser Tage hat sich die Regierung auf ein Erneuerbare-Energie-Gesetz geeinigt. Demzufolge soll sich unser Land bis zum Jahr 2030 zu 100 Prozent mit Öko-Strom versorgen können. Für den Ausbau von Sonnen-, Wind- und Wasserkraft werden pro Jahr eine Milliarde Euro, insgesamt also zehn Milliarden, aufgewendet. Dieses Geld muss wieder hereinkommen.

Finanziert durch die sogenannte Ökostrom-Abgabe. Die Ökostrom-Abgabe wird heuer für einen Durchschnittshaushalt mit einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden auf rund 111 Euro steigen, nach 93 Euro im Jahr 2020. „Die Kosten für den Ökostrom, also jene Kosten, die der Ausbau der Erzeugungsanlagen von erneuerbarer Energie verursacht, werden durch einen Aufschlag auf die Stromrechnungen, die sogenannten Ökostromförderkosten finanziert – dies betrifft jede Art von Verbrauch und jede Art von Verbraucher.
So beteiligen sich alle Verbraucher vom Haushalt bis zur Industrie an der Finanzierung dieser wichtigen Aufgabe. Die Ökostromförderkosten setzen sich aus dem Ökostromförderbeitrag und der Ökostrompauschale zusammen. Während die Pauschale alle drei Jahre neu berechnet und festgelegt wird, ist der Ökostromförderbeitrag verbrauchsabhängig. Wer mehr Strom verbraucht, zahlt auch mehr Förderbeitrag. Wichtig ist jedoch, auf die Möglichkeit hinzuweisen, dass sich einkommensschwache Haushalte von den Ökostromförderkosten befreien lassen können. Das ist mit einem Antrag beim Gebühren Info Service (GIS) möglich“, erklärt der E-Control-Chef Urbantschitsch.

Einkommensgrenze für Kostenbefreiung
Ein-Personen-Haushalte dürfen dafür über nicht mehr als 1.120,54 Euro netto im Monat verfügen, bei zwei Personen sind es 1.767,76 Euro netto.
Für die Energiekonzerne ist das Geschäft mit dem Strom ertragreich. Die Verbund AG, unser größter Elektrizitätsversorger, der mehr als 40 Prozent des heimischen Strombedarfes abdeckt, erwirtschaftete im Corona-Krisen-Jahr 2020 einen Nettogewinn von 630 Millionen Euro.
Das ist um 14 Prozent mehr als im Jahr davor. Haupt-Energielieferant ist das Wasser. Es soll in den nächsten Jahren noch umfangreicher genützt
werden, etwa durch Ausbauten der Stauanlagen in Kaprun (Salzburg) und im Maltatal (Kärnten).

Aktion Energiekosten-Stopp bis 31. März
Im Jahr 2001 wurde der heimische Energiemarkt liberalisiert. Seitdem können Sie selbst entscheiden, wer Sie mit Strom und Gas beliefern soll. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) will die Menschen beim Wechsel zu einem günstigeren Lieferanten unterstützen und hat die Aktion „Energiekosten-Stopp“ ins Leben gerufen.
Bis zum 31. März haben Konsumenten die Möglichkeit, an der Aktion teilzunehmen. Die Teilnahme erfolgt kostenlos und unverbindlich auf www.energiekosten-stop.at. Anzugeben sind Name, E-Mail-Adresse, Postleitzahl, derzeitiger Energielieferant und ungefährer Jahresenergieverbrauch. Am 13. April gibt der VKI die Gewinner des Bestbieterverfahrens bekannt. Am Bestbieterverfahren nehmen alle Energielieferanten teil, die den vom VKI festgelegten Qualitätskriterien zugestimmt haben. Seit der ersten Energiekosten-Stopp-Aktion im Jahr 2013 haben sich die Haushalte mehr als 40 Millionen Euro erspart. Ein Durchschnitts-Haushalt kann bei Strom bis zu 148 Euro pro Jahr sparen, bei Gas bis zu 330 Euro.