So verliert Corona seinen Schrecken
Im Kampf gegen SARS-CoV-2 haben Wissenschaftler neue Medikamente entwickelt, deren Verwendung eine deutlich raschere und bessere Chance auf Heilung ermöglichen. Nach der Zulassung von Remdesivir in der EU melden weitere Unternehmen Erfolge, darunter eines mit Sitz in Wien. Schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle unter Covid-19-Patienten werden damit viel seltener.
Es ist wie das vielzitierte „Licht am Ende des Tunnels“. Die Aussicht auf ein Ende der „Dunkelheit“, auf jene Hilfe, die der bedrohlichsten Krankheit der jüngsten Zeit endgültig den Stachel ziehen kann. Es ist die Hoffnung auf Medikamente und Therapien, die das Corona-Virus SARS-CoV-2 endlich weniger gefährlich machen, ihm seinen Schrecken nehmen, Erkrankte schneller gesunden lassen, die Zahl der Patienten mit schwerem Verlauf sowie die Zahl der Todesfälle deutlich verringern.

Der (holprige) Anfang ist geschafft. Ihn machte im Vorjahr das US-Unternehmen Gilead Sciences, dessen ursprünglich gegen Ebola entwickeltes Mittel Remdesivir im Juni 2020 in der EU bedingt zugelassen wurde.
Der Hersteller empfiehlt sein anti-virales Medikament für die Behandlung von Covid-19 bei Erwachsenen und Jugendlichen, die wegen einer Lungenentzündung bereits eine Sauerstoffzufuhr benötigen. Eine internationale Studie mit mehr als eintausend Teilnehmern hatte Anfang Mai Erfreuliches gezeigt. Remdesivir, das die Vermehrung der Corona-Viren im Körper hemmen kann, konnte bei nicht schwerst erkrankten Covid-19-Patienten in bestimmten Phasen der Erkrankung die Zeit bis zu einer Genesung im Schnitt um vier Tage verkürzen, von 15 auf elf Tage. Die Hoffnung auf weniger Todesfälle bei Schwerkranken kann das als Infusion verabreichte Medikament jedoch nicht erfüllen. Ihre Zahl blieb gleich. „Ein erster Schritt, aber kein Allheilmittel“, urteilten die Experten. Eindeutig bessere Patientendaten liefert das US-Unternehmen Regeneron. In den USA hat es per Notfallzulassung seine Antikörper-Therapie RegnCov2 bereits im Vorjahr auf den Markt gebracht. Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) sprach vor wenigen Wochen eine Empfehlung für den Einsatz der Antikörper-Therapie in Europa aus.

RegnCov2 dient der Behandlung von Corona-Patienten mit leichten und mittleren Krankheitsverläufen, die keiner Spitalsbehandlung bedürfen, aber Gefahr laufen, einen schweren Verlauf zu erleiden. George Yancopoulos, Präsident und wissenschaftlicher Leiter von Regeneron, betont die Wirksamkeit der Therapie. „Zwei Drittel der Patienten, die alle zuhause mit RegnCov2 therapiert wurden, hatte einen oder mehrere Risikofaktoren für einen schweren Covid-19-Verlauf, wie etwa starkes Übergewicht. Doch die schweren Verläufe traten bei der Behandlung mit unserer Antikörper-Therapie in nur sechs Prozent der Fälle auf. Todesfall gab es keinen einzigen. Und das Mittel wirkt auch gegen die britische Variante des Corona-Virus. Die Zeit zum Abklingen der Symptome, das zeigen die Anwendungen, verkürzt sich mit RegnCov2 um fünf bis sieben Tage und liegt damit unter sieben Tagen.“

Der berühmteste Patient, der dank RegnCov2 rasch wieder auf den Beinen war, ist der ehemalige Präsident der USA, Donald Trump. Die Therapie lässt Fieber, Schüttelfrost, Erbrechen, Müdigkeit, Geschmacks- und Geruchsverlust sowie Verwirrtheit früher abklingen. Möglich wird das durch eine Kombination zweier verschiedener, im Labor hergestellter Antikörper (Casirivimab und Imdevimab), die als Infusion Corona-infizierten Patienten verabreicht wird. „Die kleinen Eiweiße besetzen das Stachelprotein des neuen Corona-Virus und verhindern damit, dass es in die menschlichen Zellen eindringen und sich vermehren kann.“ Die Wirkung ähnelt der einer passiven Impfung, die für drei Monate anhält. Das „grüne Licht“ der EMA bedeutet, dass RegnCov2 vor seiner offiziellen Marktzulassung durch die Europäische Kommission zur Behandlung von Covid-19-Patienten in der EU mit leichten und mittleren Symptomen in unserem Land eingesetzt werden darf.

Experten beurteilen die Daten als vielversprechend und sehen darin einen wissenschaftlichen Durchbruch, der zeigt, dass eine medikamentöse Behandlung von Covid-19-Patienten in der Tat Erfolg haben kann.

Weitere Corona-Medikamente, die bereits erfolgreich angewendet werden
Apeiron Biologics: Entwicklung des Medikaments APNo1. Das Ziel ist, die Infektion der Zelle durch Covid-
19 zu blockieren, Entzündungen der Lunge zu verringern. APN01 ahmt das Enzym ACE2 nach, welches das Virus zum Eindringen in Zellen benötigt. Weiters reduziert es schädliche Entzündungen in der Lunge. Das Medikament wird als Infusion verabreicht. Erhoffte Zulassung in der EU: zweite Jahreshälfte.
Eli Lilly and Company: Medikament aus zwei gentechnisch hergestellten Antikörpern (Bamlanivimab, Etsevimab) für leichte bis mittelschwere Covid-19-Erkrankungen. Für Patienten ab zwölf Jahren mit Risiko für einen schweren Verlauf. Das Risiko einer Covid-19-Erkrankung wurde bei Pflegeheimbewohnern um 80 Prozent gesenkt; im Krankheitsfall wurde das Risiko auf einen Spitalsaufenthalt oder auf den Tod um 70 Prozent verringert. Das Medikament (Infusion) ist in den USA per Notfallzulassung freigegeben.
Roche / Atea Pharmaceuticals: Entwicklung einer Anti-Corona-Pille mit dem Namen AT-527. Sie soll wie ein Antibiotikum wirken, nur dass es nicht Bakterien, sondern Viren abtötet. Das Medikament wird als Tablette eingenommen. Sein Wirkstoff verhindert, dass sich das Virus vermehrt. Das verringert die Belastung und Dauer der Krankheit. Es soll auch zur Vorbeugung eingesetzt werden, um die Übertragung zu verringern und langfristige Covid-Folgen zu verursachen. Wirksam für Patienten mit leichtem Verlauf oder bei Patienten ohne Symptome. Erhoffter Markteintritt ist Ende des Jahres.