Normalbetrieb in den Schulen nach Ostern?
Seit den Semesterferien sind die Schulen wieder für alle offen. Es gilt eine Maskenpflicht, Volksschüler müssen den „Mund-Nasen-Schutz“ nur außerhalb der Klasse tragen. Ab der Oberstufe sind sogar FFP2-Masken vorgeschrieben. In die Schule darf nur, wer an den „Nasenbohrer“-Selbsttests teilnimmt. Von einem täglichen Normalbetrieb sind wir weit entfernt. Abgesehen von der Volksschule sind die Schüler im „Schichtunterricht“ nur zwei Tage pro Woche in der Klasse.
JA:
Sonja Hammerschmid,
SPÖ-Bildungssprecherin

„Kinder und Jugendliche leiden am schwersten unter der Corona-Krise. Der fehlende Kontakt durch ‚Lockdown‘ und Heimunterricht hat eine Reihe von Folgen wie Depressionen, Ess- und Schlafstörungen. Experten warnten von Anfang an vor der immer weiter auseinanderklaffenden Bildungsschere. Berichte von Psychologen von überfüllten Kinder- und Jugendpsychiatrien sollten alle Alarmglocken schrillen lassen. Eine Studie hat die psychische Gesundheit von rund 3.000 Schülerinnen und Schülern untersucht. 55 Prozent leiden unter einer depressiven Symptomatik, die Hälfte unter Ängsten, ein Viertel unter Schlafstörung. 16 Prozent haben suizidale Gedanken. Kinder sind eine besonders verletzliche Gruppe. Eine Rückkehr zum täglichen Schulbesuch nach Ostern, wie es bereits in den Volksschulen der Fall ist, muss also das erklärte Ziel sein, wenn es das Infektionsgeschehen zulässt. Seit bald einem Jahr verlangen wir von der Bundesregierung Schutzkonzepte, die das ermöglichen. Unsere dazu liegen längst vor. Mit einer flächendeckenden, raschen Impfung von Lehrerinnen und Lehrern, begleitet von regelmäßigen Testungen der Kinder, kann uns der tägliche Schulbesuch nach Ostern gelingen.“

NEIN:
Josef Gary Fuchsbauer,
Lehrervertretung ÖLI-UG

„Der Schulbetrieb wird auch nach Ostern nicht normal möglich sein. Beim Schutz der Kinder liegt der Fokus bisher auf den psychischen und sozialen Schäden und dem befürchteten Bildungsdefizit. Der Schutz vor der Krankheit kommt zu kurz. Kinder haben in nächster Zeit keine Chance auf eine Impfung, aber durchaus auch schwere Verläufe sowie Corona-Langzeitfolgen. Ein Vergleich der Altersgruppen an den Schulen zeigt einen starken Anstieg bei den SARS-CoV-2-Infiziertenzahlen seit den Semesterferien. Kinder und Jugendliche haben die größten Ansteckungsraten. Trotz aller Maßnahmen, wie dem ‚Nasenbohrer-Test‘, einer strengen Maskenpflicht und halbierten Klassen wachsen die Zahlen weiter. Dies könnte mit der stärkeren Verbreitung der britischen Variante zu tun haben. Wir von der unabhängigen Lehrer- und Lehrerinnenvertretung ÖLI-UG sind aufgrund dieser Entwicklung äußerst besorgt und warnen, dass ein Aufweichen der Maßnahmen nicht möglich sein wird, wenn man ein Durchseuchen der Kinder und Jugendlichen und damit auch Langzeitfolgen verhindern will. Wir sind sicher, dass die Maßnahmen an den Schulen beibehalten werden müssen.“