Herr des Horrors setzt auf Elektro-Musik
Er hat mit „The Fog – Nebel des Grauens“ sowie den „Halloween“-Streifen Gruselschocker als Regisseur inszeniert. Die dazugehörende Musik, die dem Publikum ebenfalls eine Gänsehaut bescherte, hat der Amerikaner John Carpenter, 73, auch geschrieben. Gemeinsam mit seinem Sohn Cody und seinem Patensohn Daniel Davies veröffentlicht Carpenter seit einigen Jahren zudem seine „Lost Themes“-Reihe mit Soundtracks für Filme, die nur in seinem Kopf existieren. „Lost Themes III: Alive After Death“ heißt das neueste Werk. Die Stücke klingen dieses Mal nicht immer düster, sondern auch recht melodisch, das dominante Instrument ist der Synthesizer. Der WOCHE-Reporter Steffen Rüth hat mit dem Meister des Gruselns gesprochen und einen etwas kauzigen, aber lieben alten Herren im US-Staat Kalifornien am Telefon erwischt.
Herr Carpenter, wie ist derzeit Ihr Tagesablauf?
Ich bin daheim in meinem Haus in Los Angeles und widme mich Videospielen. Eigentlich hänge ich nur herum und mache wenig. Was mir auch ganz recht ist.
Waren Sie schon vor der Pandemie derart entspannt unterwegs?
Nein, da habe ich mehr gearbeitet. Zum Beispiel das neue Album gemacht, gemeinsam mit meinem Sohn Cody und meinem Patenkind Daniel Davies. Ich wollte vor zehn Jahren ursprünglich in Pension gehen, doch das war eine blöde Idee. Ich war einfach noch zu jung, ich wollte noch etwas Neues ausprobieren. Zum Beispiel auf der Bühne stehen und Live-Konzerte geben. Wir sind von 2017 bis 2019 gemeinsam auf Tournee gewesen, das war richtig schön. Konzerte finde ich super.
Hieß es nicht immer, Sie seien äußerst zögerlich gewesen, was Live-Auftritte angeht?
Mag sein. Aber das war, bevor ich wusste, wie schön das ist. Mit den Konzerten habe ich die Chance wahrgenommen, in meinem Alter eine zweite Karriere anzuschieben. So etwas mit 70 Jahren zu erleben, ist nicht nur ungewöhnlich, sondern sensationell.
Ihr Vater war Musikprofessor, Sie selbst haben die meisten Lieder zu Ihren Filmen selbst komponiert. Stand für Ihren Sohn, der heute Mitte 30 ist, außer Frage, dass er Musiker wird?
Ich denke schon. Wie vielen Kindern fiel ihm die Musik anfangs zu. Aber dann wurde er tatsächlich, zu unserer Verblüffung, sensationell gut. Was zunächst ein geliebtes Hobby war, wurde zu einem Beruf und zu einer Karriere.
Der Termin für den eigentlich im vergangenen Herbst geplanten Film „Halloween Kills“, bei dem Sie wieder als Berater und Produzent fungierten, ist auf diesen Oktober verschoben worden. Hat das Kino noch eine Zukunft?
Ja, die Kinos werden überleben. Wenn auch nicht alle. Langfristig wird sich Streaming, also das Fernsehen via Internet, wohl durchsetzen.
Wenn Sie heute jung wären, würden Sie dann noch einmal Regisseur werden?
Ich glaube nicht. Der Beruf ist anstrengend geworden. Ich wäre sowieso nicht mehr gerne jung heutzutage. Das ist mir alles zu heftig. Ich bin lieber alt.
Taugt das Corona-Virus als Vorlage für einen guten Horror-Film?
Auf gewisse Weise macht es mir Angst, denn es ist tödlich. Das könnte funktionieren. „Contagion“ etwa war ein guter, ziemlich realer Viren-Film, und der ist schon fast zehn Jahre alt. Angst ist unsere stärkste Emotion neben der Liebe. Mach den Menschen Angst, und du wirst Erfolg haben.
Wovor fürchten Sie sich sonst noch?
Vor wenig. Nur vor dem Tod. Und vor dem Verlust geliebter Menschen. Mich ängstigen ähnliche Dinge wie die meisten Menschen. Ich bin nicht besonders mutig oder einer von diesen Superhelden.
Machen Sie Horror-Filme, um Ihre Ängste zu kontrollieren?
Nein, Filme sind „fake“, sie bilden nicht die Wirklichkeit ab. Filme sind Spaß. Horrorfilme sind für mich mit Abstand das lustigste Genre überhaupt. Es macht mir auch unheimlich viel Freude, Horrorfilme zu drehen. Der echte Horror aber, der findet im richtigen Leben statt.
Geister, Vampire, Zombies, Serienmörder – welche Horrorgestalt lieben Sie am meisten?
Ich weiß nicht. Eigentlich wollte ich ja lieber Western drehen. In die Horrorschiene bin ich hineingerutscht. Ich finde diese Kreaturen alle super und superlustig. Das komödiantische Element ist bei mir nie zu kurz gekommen.
Welcher ist Ihr Lieblings-Horrorfilm?
„Frankensteins Fluch“ mit Peter Cushing und Christopher Lee. Er stammt aus dem Jahr 1957, glaube ich. Ich war zehn Jahre alt, als ich diesen Film gesehen habe. Ich liebe den Streifen bis heute. Aber jetzt müssen Sie mich entschuldigen. Meine Frau ruft nach mir. Es gibt einige Dinge im Haus zu erledigen.
Natürlich. Vielleicht noch ein letzter Satz?
Wir machen uns zu viele Sorgen. Das Leben wird weitergehen.