„Ich fuhr zu ihr und habe sie geküsst“
Nach dem Tod seiner Frau verbrachte der Schauspieler Patrick Duffy, 71, Jahre alleine. Er kümmerte sich um seine beiden Söhne und die Enkerl. Bis die Corona-Pandemie ihn zu einer Künstlergruppe führte. Dort lernte er seine Kollegin Linda Purl, 65, kennen und lieben.
Am Ende siegt immer die Liebe“, meint Patrick Duffy, 71, lachend. Das war freilich in der berühmten Serie „Dallas“, in der er „Bobby Ewing“ verkörperte, nicht so.
Im privaten Leben musste der sympathische Schauspieler, der am 17. März 1949 in Townsend, im US-Staat Montana, geboren wurde, ebenfalls schmerzliche Schicksalsschläge hinnehmen. Er ist Witwer und in seinem aktuellen Film auf dem Internet-Anbieter Amazon „Once Upon a Main Street“ („Eines Tages auf einer Hauptstraße“) spielt er auch einen Mann, der seine Frau verlor. Doch nun fand Patrick Duffy eine neue Liebe – ironischerweise durch das Corona-Virus.
Duffy hat es sich vor dem großen Kamin seines Landsitzes im US-Staat Oregon in einem Ledersessel gemütlich gemacht. Bücher stapeln sich daneben am Boden. An den Wänden hängen geschmackvoll ausgewählte Gemälde. Hinter den Panoramafenstern glitzert Neuschnee auf den nahen Bergen. In der Küche ist Linda Purl, 65, zu hören, die neue Lebensgefährtin des beliebten Mimen. Sie brät Fische, die Duffy in der Früh am nahen Fluss geangelt hat. Die Paradeiser in der Pfanne stammen aus dem Garten hinterm Haus.

„Ich bin in einer unglaublich glücklichen Beziehung“, sagt er. „Ich hätte nie gedacht, so etwas noch einmal zu fühlen.“ Immerhin war er mit seiner Frau Carlyn Rosser 43 Jahre lang verheiratet. „Ihr Verlust traf mich schwer. Nach ihrem Tod drehte sich mein Leben nur noch um meine Kinder und Enkerl. Jetzt ist Linda hinzugekommen.“
Die beiden kennen sich seit 30 Jahren, sahen einander aber nur selten. Durch Zufall gehörten sie zu einem Künstlerkreis, der sich während der Corona-Krise regelmäßig via Internet-Telefonie trifft. Die vier Mal geschiedene Schauspielerin, begeisterte Bergsteigerin und Mutter eines 25jährigen Sohnes lebte in Los Angeles (US-Staat Kalifornien), eine Tagesreise südlich von Duffys Landsitz. Im Laufe von zweieinhalb Monaten am Computer fanden sie Gefallen aneinander und begannen, ohne die anderen stundenlang zu kommunizieren.

Nach 20 Stunden Fahrt stand er vor ihrer Tür
„Ich mochte sie wirklich sehr“, sagt Duffy. „Schließlich packte ich eine Reisetasche, fuhr los und stand 20 Stunden später vor Lindas Tür. Ich bat um Erlaubnis, sie küssen zu dürfen, und seitdem sind wir zusammen. Carlyn oben im Himmel ist sicher damit einverstanden.“
Linda Purl gestand ihm, er habe ihr schon als „Bobby Ewing“ gefallen. „Ich habe keine einzige ,Dallas‘-Folge vermisst“, gab sie zu.

Zum Team der Erfolgsserie war der unbekannte Schauspieler im Alter von 29 Jahren gestoßen, nachdem er sich lange vergeblich um Arbeit bemüht hatte.
Duffy war in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen. Seine Eltern führten im Heimatort Townsend eine kleine Bar namens „The Owl“ („Die Eule“). Von dort führte eine Tür direkt in die dahinterliegende Wohnung. Duffy erinnert sich, dass manchmal betrunkene Gäste hereinstolperten, weil sie die Toilettentür verwechselt hatten. Sein Vater war Alkoholiker.
Dass der Sohn gern schauspielte, fiel schon in der Volksschule auf. Als Zwölfjähriger wurde er sogar in die Theatergruppe aufgenommen. Später studierte er Theaterwissenschaften und trat auf der Bühne auf. Sein Studium finanzierte er sich mit Tischlerarbeiten und als Fahrer eines Blumenladens. In der Zeit, meint der Darsteller, hatte er so viele Freundinnen, dass es ihm zu viel wurde und er beschloss, das wilde Leben aufzugeben und sich fest zu binden.

Seine Wahl fiel auf die Ballett-Tänzerin Carlyn Rosser, die er in einem Bus ansprach. Sie war verheiratet und hatte einen Sohn. Für Duffy ließ sie sich scheiden und heiratete ihn im Jahr 1974. Er war 25, sie zehn Jahre älter. Carlyn lehrte ihn, wie er sagt, „anständig zu werden“ und bekehrte ihn zum Buddhismus. Diesen Glauben praktiziert er heute noch.
An seinen Einstieg ins Filmgeschäft denkt der Darsteller nicht gern zurück. Es war ein Flop. In der Serie „Der Mann aus Atlantis“, 1977, verkörperte er einen Überlebenden einer versunkenen Insel. Wegen schlechter Einschaltquoten wurde die Serie 1978 abgebrochen. Der junge Künstler war wieder arbeitslos. „Ich dachte, ich würde nie wieder eine Stelle als Schauspieler bekommen.“ Doch es war Zufall, dass eine Tür weiter im Filmstudio gerade für die neue Serie „Dallas“ geprobt wurde. „Das rettete mich. Die Produzenten boten mir eine Rolle an. Zuerst sollte ich einen Playboy spielen. Dann wurde ich ‚Bobby Ewing‘, der nette Bruder des betrügerischen ‚J. R. Ewing‘, gespielt von Larry Hagman.“ Der Rest ist Serien-Geschichte.

Duffy brachte es zu Weltruhm. Und lernte persönlichen Schmerz kennen. Am 18. November 1986 drangen zwei Kriminelle in die Bar seiner Eltern Terrence und Marie Duffy ein und erschossen die beiden. „Nur meine Religion verhinderte, dass ich zusammenbrach“, sagt er. „Tief in mir gibt es etwas, das mit der Ewigkeit des Lebens zu tun hat. So schrecklich es war: Ich fühlte mich nicht getrennt von meinen Eltern.“
Doch er kehrte dem Trubel Hollywoods den Rücken und kaufte sich in der unberührten Natur Oregons Land für sich und seine Familie. Hier wuchsen die Söhne Padraic, 46, und Conor, 40, auf. Hier genießt der 71jährige sein neues Glück mit Linda Purl. Und vom Waldrand schauen die Elche zu.