Er lebt mit dem Doppelschlag der Einsamkeit
Trennungen sind schmerzhaft. Der Brite Mike Rosenberg, 36, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Passenger, hat seinen Schmerz im aktuellen Album „Songs For The Drunk And Broken-Hearted“ stilvoll aufgearbeitet. Mit dem WOCHE-Reporter Steffen Rüth hat er darüber gesprochen.
Herr Rosenberg, die Trennung von Ihrer Partnerin bringen Sie unter anderem im Lied „Sword From The Stone“ gut zum Ausdruck. Darin richten Sie sogar Grüße von Ihren beiden Katzen aus. Wie kommen die Tiere mit der Trennung zurecht?
(lacht) Den Katzen geht es gut. Eine liegt gerade neben mir, die andere treibt sich irgendwo herum. Ich wollte ein ehrliches Lied über eine Liebe schreiben, mit eher lakonischen Strophen und einem verletzlichen, unverblümten Refrain. Ich finde, es ist mir gut gelungen, speziell in „Sword From The Stone“. Einerseits festzuhalten, wie es mir persönlich ergangen ist, aber andererseits auch abzubilden, was alle fühlen, wenn sie sich trennen. Auch Menschen, die emotional stabiler sind als ich, dürften sich bei dem Lied an jene Achterbahnfahrten der Liebe erinnern, die sie selbst schon durchgemacht haben.
Wann haben Sie sich getrennt?
Das ist jetzt ein Jahr her. Anfang 2020. Wir waren vier Jahre lang zusammen. Für mich und meine Verhältnisse war das eine lange Zeit.
Kurz nach Ihrer Trennung begann die immer noch andauernde Phase der erzwungenen Einsamkeit. Hätten Sie versucht, als Paar durchzuhalten, wenn Sie schon gewusst hätten, dass Corona bevorsteht?
Gute Frage. Wer weiß. Das ist schwer zu beantworten. Du musst deine Entscheidungen ja immer in dem Augenblick deines Lebens treffen, in dem sie anstehen. Aber damals hatten wir keine Kristallkugel, es war zwar keine einfache Entscheidung für uns, aber die richtige.
Frischgetrennt und dann „Lockdown“. Das ist schon Mist, oder?
Gott, ja. Die ganze Zeit habe ich mich wie ein Jo-Jo gefühlt. Du bist befreit, willst loslegen, mit was auch immer, und dann ist da diese allgegenwärtige Krankheit, die dich immer wieder neu zum Stillstand zwingt. Glücklicherweise konnte ich meinem Beruf als Liedschreiber weiter nachgehen – und das mit weniger Ablenkung als normal.
Für Ihr aktuelles Album „Songs For The Drunk And Broken-Hearted“ hätte Ihnen also kaum etwas Besseres passieren können, als monatelang allein mit den Katzen in der Wohnung zu sitzen?
Isolation und Traurigkeit machen mich kreativ. Das ist ein Fakt. Wenn du so daran gewöhnt bist, die Wärme und den Zuspruch einer anderen Person zu spüren, und plötzlich driftest du wieder allein durch diese Welt, dann macht dich das verletzlich. Deine Nerven sind in Alarmbereitschaft, und du kommst deinem emotionalen Kern, der wichtig ist zum Schreiben, nah. Erst recht, wenn die Trennung und die Pandemie für einen Doppelschlag der Einsamkeit sorgen.
Lieder über den Liebeskummer scheinen Ihre Spezialität zu sein. Schon „Let Her Go“, der Song, mit dem Sie im Jahr 2013 berühmt wurden, handelt von einer gescheiterten Beziehung …
Ich finde den Gedanken schön, mit Liedern trösten zu können. Warum sonst sind Adele, Ed Sheeran oder Sam Smith wohl so erfolgreich? Es hat schon seinen Grund, warum so viele Lieder über gebrochene Herzen geschrieben werden. Die Menschen brauchen das, um harte Zeiten zu überstehen. In Wahrheit leisten Künstler oft ihre beste Arbeit, wenn es ihnen schlecht geht.
Wir müssen also Übles befürchten für die weitere Karriere Ihres guten Freundes Ed Sheeran, der jetzt glücklich zu sein scheint mit Frau und kleinem Kind?
Nein, um Ed muss sich niemand Sorgen machen (lacht). Ed ist gut darin, sein Leben und seine Musik zu trennen. Egal, was sonst bei ihm los ist, er wird immer in der Lage sein, bei sich eine Quelle der Melancholie anzuzapfen.
Sie haben mit „Songs For The Drunk And Broken-Hearted“ ja durchaus einen lustigen Titel für einen traurigen Anlass gewählt …
Sich zu betrinken ist manchmal die einfachste und auch naheliegendste Lösung. Hier in England machen das einfach alle so, und es ist ja auch okay. Du trennst dich – du besäufst dich. Bloß auf Dauer ist das Konzept nicht besonders hilfreich. Betrunken fühlst du dich früher oder später mies. Und du triffst interessante Entscheidungen.
Was soll denn gut am Alkohol sein?
Manchmal ist es wichtig, die Kontrolle zu verlieren. Exzesse sind ein notwendiger Prozess, um sich schließlich wieder irgendwo in der Mitte einzupendeln.