Humor hilft heilen
Viel zu lachen gibt‘s gerade nicht, auch der Fasching fällt in diesem Jahr deutlich weniger lustig aus. Dabei ist Humor gerade in ernsten Zeiten so wichtig, denn wenn wir lachen, geht‘s uns gut. Lachen hievt uns aus schwierigen Situationen, Humor hilft heilen und wer immer wieder gerne lacht, lebt länger.
Es wird die Zeit wieder kommen, wo das einzig Ansteckende unser Lachen ist“, lautet ein Aphorismus, der dieser Tage
vielerorts hoffnungsvoll zitiert wird.
Lachen ist eine universelle Sprache. Unabhängig von der Kultur wird sie von allen Menschen verstanden. Sie ist Ausdruck von wichtigen Gefühlen, von Freude, Heiterkeit, Lust und Wohlbefinden. Doch Lachen kann mehr, viel mehr. Zum Beispiel das Leben verlängern. Das ist nicht zu hoch gegriffen, wie der deutsche Psychotherapeut und Humorforscher Dr. Michael Titze erzählt.

„Im Psychiatriezentrum Delfland in den Niederlanden wurde eine Langzeitstudie durchgeführt. Forscher untersuchten ältere Menschen, die einen Fragebogen zu ihrer Gesundheit, ihren Beziehungen und auch zu ihrem Optimismus ausfüllen mussten. Nach zehn Jahren wurde festgestellt, dass fast die Hälfte derjenigen gestorben waren, die eher pessimistisch eingestellt waren und die bei der Beantwortung dieser Fragen keinen Sinn für Humor zum Ausdruck gebracht hatten. Gleichzeitig stellte sich heraus, dass die Optimisten größtenteils überlebt hatten. Sie hatten im Vergleich zu den humorlosen Pessimisten ein um fast ein Viertel niedrigeres Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden. Das ist ein Hinweis dafür, dass Optimismus und eine humorvolle Lebenseinstellung tatsächlich dazu führen können, dass wir länger leben.“

Ähnlich beurteilt das der Schweizer Willibald Ruch, Professor für Persönlichkeitspsychologie und Diagnostik an der Universität Zürich. „Humor ist eine Haltung, eine Charakterstärke, die das Leben erleichtert. Durch ihn kommen wir mit Krankheit und Verlust besser zurecht und verfallen weniger in Stress und negative Gefühle. Bei Sorgen, Stress oder Einsamkeit kann Humor wie ein Gegenmittel wirken. Das erhöht die Chance auf ein längeres Leben.“
Ein norwegisches Forscherteam bezifferte in einer Langzeitstudie mit rund 53.000 Teilnehmern
sogar den Überlebensvorteil. Demnach verlängert
Humor das Leben im Alter um rund 20 Prozent. Vor allem, weil Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Infektionen und Krebs deutlich seltener auftraten oder das Gesundwerden positiver verlief.

Lachen ist gut für die Lungen
„Wer lacht, daran besteht kein Zweifel, stärkt die Immunabwehr. Lachen erhöht den Gasaustausch der Lunge, befreit die Bronchien von Sekreten (zwei Mal gut gelacht, ersetzt ein Mal Husten) und lindert entzündliche Prozesse. All dies sind Forschungsergebnisse der Gelotologie, der Wissenschaft der Auswirkungen des Lachens“, versichert Dr. Titze.

„Lachen ist die beste Medizin“, sagt der Volksmund. Doch auch streng wissenschaftlich orientierte Mediziner streiten die positiven Auswirkungen des Lachens nicht mehr ab. Blutdruck und Schmerzempfindlichkeit sinken, die Verdauung wird angeregt, wir schlafen besser. Noch Stunden nach einem Lachanfall ist die Zahl der natürlichen „Killerzellen“ im Blut erhöht, was die Abwehr gegenüber Krebs und Herz-Kreislaufkrankheiten stärkt. Klinik-Clowns verbessern die geistige Verfassung von Demenzpatienten, durch Humortrainings werden Menschen mit Depressionen erfolgreich behandelt. Interessant, 20 Sekunden Lachen entsprechen etwa der körperlichen Leistung von drei Minuten schnellem Rudern oder Laufen.

Lachen ist also ein Jungbrunnen. Es schlägt alle „Energieräuber“ in die Flucht, darunter Angst, Panik, Stress und Anspannung. Vor allem der verbindende und selbst stärkende Humor, bei dem sich alle Beteiligten gut fühlen, hat diese Wirkung. Ein aggressiver Humor oder selbst entwertender Humor hingegen, der mit Verspottung von Einzelnen arbeitet, wirke gegenteilig, so die Experten. Humor fördert die emotionale und soziale Verbindung und hemmt Bedürfnisse nach Verteidigung, Abwehr und Aggression.
Vor allem der soziale Aspekt, das Miteinander-Lachen, tue der geistigen Gesundheit immens gut, so der Psychologe. Wie kaum etwas anderes hilft Humor, Freundschaften zu pflegen, Bindungen zu stärken und damit der Einsamkeit im Alter vorzubeugen. Zudem ermöglicht Humor, sich und seine Schwächen nicht allzu ernst zu nehmen, sondern auch über sich selbst zu lachen.

Lach-Training hilft aus Depressionen heraus
Lachen und Humor hinterlassen also nicht nur als Lachfältchen im Gesicht ihre Spuren. Wer von sich meint, humorlos zu sein, für den haben die Experten gute Nachrichten. „Früher bestand die Auffassung, entweder der Mensch hat Humor oder nicht. Das ist falsch. Grundsätzlich besitzt jeder Mensch die kognitiven Grundlagen für das Verstehen von Witz und Komik. Wer sich schwer tut, der kann Humor trainieren“, rät der Humorforscher Ruch. „Führen Sie ein Humor-Tagebuch. Seien Sie aufmerksam gegenüber den vielen komischen Momenten des Alltags und pflegen Sie Kontakte mit Menschen, die einen ähnlichen Humor haben.“

Und wer meint, im Leben zu wenig zu lachen (zu haben), dem raten die Experten aus der Humorforschung, einen Lachyoga-Kurs zu besuchen. Aus angeregtem Lachen durch Atem-, Dehn-, pantomimischen und spielerischen Übungen entsteht spontanes Lachen. Die Simulation führt zur Stimulation und zum Bewusstsein für mehr Heiterkeit, Freude und Spaß im Alltag. Bei Lachyoga-Übungen werden die „Lachmuskeln“, wie etwa das Zwerchfell, trainiert, ja sogar die „Freudezentren“ im Gehirn können durch das absichtlich angeregte Lachen wieder aktiv werden. Wer meint, Lachyoga sei lächerlich, den belehrt die Wissenschaft eines Besseren.

Eine seriöse Studie mit 50 älteren depressiven Frauen kam zu dem Ergebnis, dass Lachyoga bei Depressionen helfen und die mentale Gesundheit verbessern kann. Das Lachyoga war genauso effektiv wie die Gruppentherapie zur Bewältigung von Depressionen.