Düfte und Musik helfen bei OP-Angst
Operationen sind Eingriffe in den eigenen Körper. Da ist es nur verständlich, dass viele Patienten Ängste erleben. Angst vor der Narkose, Angst vor Komplikationen und Schmerzen sowie Angst vor dem Ergebnis. Doch es gibt Methoden, die Patienten aus der Spirale der Angst heraushelfen.
Tag für Tag werden in unserem Land rund 3.500
Operationen durchgeführt. Wer keine Angst vor dem Eingriff hat oder zumindest ein mulmiges Gefühl im Bauch, ist die Ausnahme. Die Ängste, wenn auch gerne heruntergespielt, sind verständlich. Bei jeder Operation, auch bei „Routine-Eingriffen“, kommt es zu Verletzungen, Blutverlust, Wunden und zu Schmerzen.
Ein Patentrezept zur Angstlinderung gibt es nicht, aber es gibt ein paar Methoden (neben Beruhigungsmedikamenten und ausreichender Aufklärung über den Eingriff), die sich bei Patienten immer wieder bewähren und zum Teil durch Beobachtungsstudien untermauert werden konnten.

Eine "Traumreise"-CD die angstfrei machen soll
Kopfhörer statt Medikamente lautet das Motto dieser Methode zur Angstlinderung vor Operationen. Das Hörbuch „Angstfrei vor der Operation: Auditive Schmerztherapie“ beruhigt mit einer Kombination von speziell komponierter Musik und Sprechinhalt, um Patienten die Angst vor der Operation zu nehmen. Das Hörbuch wurde vom Autor Dr. Bruce Reith aus München (D) über zwei Jahre vor und während der Operation an 196 Patienten getestet.
„Dieser neue Therapieansatz nimmt den Patienten mit auf eine ‚Traumreise‘. Die Musik, sanftes Piano, harmonische Streicherklänge, wurde einzig zu diesem Zweck komponiert. Diese Musik führt dazu, dass das Wachstumshormon HGH vermehrt in der Hirnanhangdrüse ausgeschüttet wird. Es hemmt die Produktion von Interleukin-6, dem Botenstoff für die Stresshormone Adrenalin und Kortisol, die Angst-Reaktionen auslösen. Durch die speziell komponierte Musik werden die Stresshormone blockiert, Blutdruck und Herzfrequenz sinken. Das entspannt“, erklärt Dr. Reith. Eine ergänzende Meditation baut Vertrauen zu Arzt und Operation auf. Die Patienten, die das Programm hörten, wiesen einen bemerkbar geringeren Angst- und Stressstatus auf und benötigten weniger Beruhigungs-, Schmerz- und Betäubungsmittel als Patienten der Vergleichsgruppe.

Das beruhigende Arome der Bergamotte
Ätherische Öle beeinflussen direkt und stark unsere Stimmungen. Wie alle Düfte und Gerüche wirken sie nicht vernunftskontrolliert. Das heißt, das Großhirn „überwacht“ Gerüche nicht, sondern leitet sie unmittelbar an das limbische System in unserem Gehirn weiter. Es ist zuständig für Gefühle wie Angst, Sex und Glück. So nimmt der Geruchssinn Einfluss auf unsere Gefühle. Wissenschaftler aus Taiwan haben getestet, wie sich die Aromatherapie auf Ängste vor einer ambulanten Operation auswirkt.
Das Ergebnis mit 109 Studienteilnehmern war eindeutig. Bei Patienten, die am Tag der Operation für dreißig Minuten Bergamotten-Öl inhalierten, steigerte sich das Wohlbefinden und verringerte sich die Angst vor der Operation deutlich im Vergleich zu jenen Teilnehmern, die nur Wasserdampf inhalierten. Eine Studie aus dem Jahr 2009 hatte gleiche Ergebnisse durch Lavendelöl (den Duft einatmen und auf der Haut auftragen) gebracht.

Plauderei hilft bei Eingriffen mit lokaler Betäubung
Viele Eingriffe werden heute nicht mehr unter Vollnarkose durchgeführt. Eine lokale Betäubung oder Teilnarkose ist häufig ausreichend. Die Europäische Schmerzgesellschaft veröffentlichte eine Studie englischer Wissenschaftler, die erforschte, welche Ablenkungsmethode tagesklinischen Patienten, die eine Krampfadern-OP vor sich hatten, am besten half, Ängste und auch Schmerzen zu lindern. Bei den knapp vierhundert Teilnehmern stellte sich heraus, dass sich bei einem Gespräch mit einer Krankenschwester während des Eingriffes die Angst um ein Drittel verminderte. Ebenso half es Patienten, während des Eingriffes DVD zu schauen (25 Prozent weniger Angst) und Stressbälle zu kneten (18 Prozent weniger Angst).

Todesangst vor der Operation. Kognitive Verhaltenstherapie ist erfolgreich
Eine Thanatophobie (= gesteigerte Angst vor dem Tod) kann dazu führen, dass sich Menschen weigern, eine notwendige Operation vornehmen zu lassen, auch wenn der Eingriff die einzige Überlebenschance bietet. Psychologin Prof. Ulrike Lüken berichtet über das gute Ergebnis einer kognitiven Verhaltenstherapie bei Patienten mit starken Ängsten vor Operationen. „Die Therapie verfolgt im Wesentlichen vier Teilziele, darunter die Verringerung der phobischen Ängste und eine Verhaltenskontrolle im Vorfeld der Operation.“ Sie sieht sich bestätigt, „dass eine Konfrontationstherapie erfolgreich eingesetzt und mit klassischen Methoden der Angstbewältigung kombiniert werden kann.“ Es gelang zum Beispiel, eine Patientin soweit psychisch zu stabilisieren, dass sie in die notwendige Herzoperation einwilligte und die umfangreichen Eingriffe gut tolerierte. Gerade bei schwerwiegenden Operationen kann eine psychologische Beratung die seelische Belastung der Patienten mildern. Das zeigt eine Übersichtsstudie des Uniklinikums Jena (D). Aus 19 Studien mit mehr als 2.000 Herz-OP-Patienten geht hervor, dass die psychologische Betreuung die Ängste und Depressionen verringerte, vor und nach der Operation.