Kein Beweis, dass FFP2-Masken sinnvoll sind
Seit wenigen Tagen sind FFP2-Masken in öffentlichen Verkehrsmitteln und Geschäften Pflicht. Ihre höhere Filterkraft soll helfen, die Infektionszahlen im Land zu drücken. Experten der Krankheits- und Infektionsvorbeugung zweifeln an der Sinnhaftigkeit dieser Maßnahme.
Täglich haben wir rund 1.600 neu gemeldete Corona-Infizierte in unserem Land und eine Sieben-Tage-Inzidenz (= Fälle pro 100.000 Einwohner der vergangenen sieben Tage), die stabil über 100 anstatt unter 50 liegt.
Diese, trotz Ausgangsbeschränkungen, hohen Zahlen der Neuinfektionen haben die Bundesregierung veranlasst, „schärfere“ Maßnahmen zu ergreifen. Darunter ist die Pflicht jedes Bürgers ab 14 Jahren, in Verkehrsmitteln, bei Behörden, in Supermärkten, Seil- und Zahnradbahnen sowie auf Märkten und in Fahrgemeinschaften FFP2-Masken (Europäische Norm 149:2001+A1:2009) zu tragen. Eine Maßnahme, die zahlreiche Experten im In- und Ausland (darunter das Robert-Koch-Institut in Deutschland, eine Einrichtung zur Krankheitsüberwachung und -vorbeugung) für übertrieben halten. Univ.-Prof. Dr. Cornelia Lass-Flörl, Direktorin des Departments für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie der Medizinischen Universität Innsbruck (T) klärt auf.
Frau Prof. Lass-Flörl, was unterscheidet die FFP2-Maske
vom Mund-Nasen-Schutz?
FFP2-Masken haben eine viel höhere Filterleistung als der Mund-Nasen-Schutz. Sie filtern 94 Prozent der Partikel und Wassertröpfchen aus der Luft. Damit schützen sie den Träger und das Gegenüber in hohem Maße. Daher sind FFP2-Masken hauptsächlich für Mitarbeiter in Krankenhäusern gedacht. Für Personal, das mit hochinfektiösen Patienten engen Kontakt hat, etwa wenn ein Patient künstlich beatmet wird. FFP2-Masken sind in einem Krankenhaus ein enorm wertvolles Gut.
Woraus bestehen FFP2-Masken, dass sie so gut schützen?
Sie bestehen aus mehreren Schichten. Die innersten zwei, drei Schichten Filtervlies sind speziell präpariert, damit sie infektiöse Dämpfe und Wassertröpfchen binden. Das macht ihre hohe Filterwirkung aus.
Auf der Maske befinden sich gestanzte Löcher …
Die „Löcher“ sind nicht luftdurchlässig.
Stimmt es, dass FFP2-Masken nicht schützen, wenn sie nicht dicht anliegen?
Natürlich ist keine 94-prozentige Filterleistung möglich, wenn die Maske nicht korrekt getragen wird. Sie muss dicht am Gesicht anliegen und der Nasenbügel angedrückt sein. Diese hohe Schutzleistung ist aber vor allem für medizinisches Personal von hoher Bedeutung, das mit hochinfektiösen Menschen in Kontakt ist. Trägt ein Laie eine FFP2-Maske nicht ganz korrekt oder trägt er einen Bart, ist die Filterleistung nicht aufgehoben, sondern herabgesetzt. Wahrscheinlich auf das Niveau eines medizinischen Mund-Nasen-Schutzes, die sogenannte „OP-Maske“.
Meinen Sie als Expertin für Infektionsvorbeugung, dass wir im Supermarkt oder im Zug eine FFP2-Maske benötigen?
Wie gesagt, FFP2-Masken sind für medizinisches Fachpersonal gedacht. Für mich gibt es keinen Beweis, dass das Tragen von FFP2-Masken im Alltag die entscheidende Maßnahme ist, um die Infektionszahlen zu senken. Die Zahlen können andere Ursachen haben.
Welche anderen Ursachen?
Viele sind Corona-müde und nehmen Vorsichtsmaßnahmen, auch unbewusst, nicht mehr so ernst. Bei den ersten Ausgangsbeschränkungen im Vorjahr gab es kein Schifahren, kein Eislaufen und keine Massentreffen am Semmering, um Beispiele zu nennen. Ich meine, dass viele Treffen inner-familiär stattfinden, bei denen es zu Ansteckungen kommt.
Es gibt Beipackzettel zu FFP2-Masken, auf denen steht, dass sie nicht vor Viren schützen. Wie kann das sein?
Es gibt FFP2-Masken für den nicht-medizinischen Gebrauch, etwa für den Einsatz auf Baustellen. Sie werden nicht getestet, ob sie Viren filtern. Die Hersteller sichern sich vermutlich rechtlich ab.
Was tue ich, wenn ich das Gefühl habe, in einer FFP2-Maske nicht gut Luft zu bekommen?
Sitzt die Maske dicht an, ist beim Atmen mehr Widerstand zu spüren als beim Mund-Nasen-Schutz. Ich kann mir vorstellen, dass Menschen mit schweren Lungenkrankheiten das mehr spüren. Wer sich mit einer FFP2-Maske
unwohl fühlt, sollte zum Hausarzt gehen und das mit ihm
besprechen.
Wann soll ich eine FFP2-Maske entsorgen?
Für Laien, die eine FFP2-Maske ja nur ab und zu tragen, ist die Sieben-Tage-Regel empfohlen. Für jeden Wochentag eine Maske. An den Tagen, an denen zum Beispiel die „Montag-Maske“ nicht getragen wird, hängt sie an einem trockenen Ort bei Zimmertemperatur. Nicht auf die Heizung legen, nicht mit Wasser waschen oder mit Desinfektionsmittel behandeln. Nach fünf Wochenzyklen die Masken endgültig entsorgen.

„FFP2 nicht zur privaten Nutzung empfohlen“
Experten des Robert-Koch-Institutes und der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene sehen eine FFP2-Masken-Pflicht für Laien kritisch. Sie machen auf Risiken aufmerksam. „Im Zusammenhang mit SARS-CoV-2 werden FFP2-Masken nicht zur privaten Nutzung empfohlen. Beim Einsatz bei Menschen mit eingeschränkter Lungenfunktion oder Älteren sind gesundheitliche Auswirkungen nicht auszuschließen.“ Menschen mit unterdrücktem Immunsys-
tem sollten ärztlich begleitet werden, um über Handhabung und Risiken (von FFP2-Masken) aufgeklärt zu sein. „Bei der Anwendung (der FFP2-Maske) durch Laien ist ein Eigenschutz über den Effekt eines korrekten Mund-Nasen-Schutzes hinaus nicht zwangsläufig gegeben.“

Ausnahmen der FFP2-Pflicht
Die Regierung befreit diese Gruppen von der FFP2-Pflicht.
  • Gehörlose / -behinderte bei der Kommunikation
  • Schwangere (sie müssen einen Mund-Nasen-Schutz tragen)
  • Menschen, für die es aus Gesundheitsgründen nicht zumutbar ist (chronische Atemwegserkrankung, Angststörung, fortgeschrittene Demenz, Kinder mit ADHS, Asthma: Bestätigung eines inländischen Arztes vorweisen)
  • Kinder zwischen 6–14 Jahren (sie müssen einen Mund-Nasen-Schutz tragen).