Erfrischt in der Wüste
Morning Has Broken“, „Wild World“, „Father & Son“ – die Liste der Hits des Cat Stevens ist lang. Einige der Höhepunkte seines künstlerischen Schaffens hat der Sohn einer schwedischen Mutter und eines griechischen Vaters auf den Alben „Mona Bone Jakon“ und „Tea For The Tillerman“ veröffentlicht. Und zwar im Jahr 1970. Nun, zum 50-Jahr-Jubiläum, hat sie Yusuf/Cat Stevens, wie sich der 72jährige Brite heute nennt, mit Zusatzmaterial aufgemotzt und wiederveröffentlicht. Der WOCHE-Reporter Steffen Rüth hat mit ihm darüber gesprochen und erfahren, dass er sich in Dubai, in den Vereinigten Arabischen Emiraten, aufhält.
Sind Sie vor dem Corona-Virus in die Wüste geflüchtet?
Nein, Dubai ist schon seit dem Jahr 2010 der Ort, an dem ich die meiste Zeit verbringe. Im Vorjahr sind wir nach dem Winter einfach hiergeblieben. Es läuft in Dubai vergleichsweise gut mit der Pandemie, speziell, wenn ich mir ansehe, was gerade in Großbritannien los ist.
In Dubai muss alles immer größer und höher sein als anderswo. Der Ort wirkt protzig und neureich, üblicherweise wimmelt es von Touristen. Ausgerechnet dort haben Sie also Ihre Wahlheimat gefunden?
Ja. Mir und meiner Familie gefällt es einfach gut. Ich entdeckte Dubai im Jahr 2001, damals gab es noch mehr Wüste und weniger Glitzer. Wir wohnen nicht mitten im Trubel. Ich kann mich hier gut auf meine Arbeit, speziell auf das Schreiben, konzentrieren, die meisten meiner Kinder und Enkerln sind auch da, wir haben ein schönes, ruhiges Familienleben. Trotzdem meckert meine Frau immer, dass ich zu viel arbeiten würde. Doch das ist eben meine Natur. Seit ich als kleiner Bub begann, im Restaurant meines Vaters in London (England) zu singen, habe ich nicht mehr mit der Arbeit aufgehört.
Ich vermute einmal, Sie beginnen den Tag jedoch im Wasser …
(lacht) Haben Sie eine Überwachungskamera an meinem Haus installiert? Das stimmt. Jeden Tag in der Früh springe ich nach dem Aufstehen ins Becken, schwimme ein paar Runden und mache im Wasser meine Gymnastikübungen. Danach gibt es Frühstück. Und immer scheint die Sonne. Doch die Pandemie hat uns Selbstverständlichkeiten genommen und uns gelehrt, wie zerbrechlich wir sind. Ich habe viel nachgedacht im vergangenen Jahr – besonders über unser Verhältnis zur Natur. Wir müssen uns als Teil der Schöpfung sehen, nicht als deren Zentrum.
Lag Ihnen die Frage, wie wir im Einklang mit der Natur leben können, nicht immer am Herzen?
Das ist wahr. „Where Do The Children Play“ etwa ist ein Lied über die Zerstörung unserer Ressourcen und über eine Generation von Kindern, die statt im Grünen im urbanen Dschungel aufwächst.
Ihre Alben „Mona Bone Jakon“ und „Tea For The Tillerman“ wurden zu Klassikern. „Tillerman“ enthält mit „Wild World“ und „Father & Son“ zwei Welterfolge, die auch heutige Jugendliche kennen. War Ihnen bewusst, dass Sie auch musikalisch Ihrer Zeit voraus sind?
Nein. Niemand weiß, dass er ein Meisterwerk erschafft, während er das gerade tut. Ich kann immerhin sagen, dass „Mona Bone Jakon“, ein so pures und minimalistisches Album, mein liebstes von allen ist. Ich werde immer wieder auf „Tillerman“ angesprochen. Die Menschen werden dieser Songs nicht müde.