Höhere Töne als Mutter von fünf Söhnen
Den musikalischen Höhepunkt ihrer Karriere feierte die Britin Sophie Ellis-Bextor, 41, zweifellos zur Jahrtausendwende mit dem Hit „Murder On The Dancefloor“. An diesen Erfolg konnte sie beruflich zwar nicht mehr anknüpfen, dafür brachte die Sängerin fünf Buben zur Welt. Sie sind heute im Alter zwischen ein und 16 Jahren. Ellis-Bextor macht aber noch Musik, sie wird derzeit für ihr Album „Songs from The Kitchen Disco – Greatest Hits“ gefeiert. Die WOCHE-Reporterin Katja Schwemmers hat mit ihr darüber gesprochen.
Frau Ellis-Bextor, stimmt es, dass Sie die Corona-Krise genutzt haben, um ein neues berufliches Projekt zu beginnen?
Nun ja, ich habe mir ein paar Möglichkeiten geschaffen, mich zu beschäftigen und für Wohlbefinden in meinem Kopf zu sorgen: meine über den Computer oder das Smartphone abrufbare Podcast-Reihe „Spinning Plates“ über berufstätige Mütter zum Beispiel.
Es soll Frauen geben, die sich angegriffen fühlen, wenn sie danach gefragt werden, wie Sie Beruf und Familie unter einen Hut bekommen. Weil den Männern diese Frage nie gestellt wird?
Es geht mir gar nicht um diesen Standpunkt. Ich wollte mit anderen arbeitenden Müttern sprechen, weil ich selbst eine arbeitende Mutter bin. Genaugenommen ist es nur das Stichwort, unter dem ich die Gespräche zwischen zwei Frauen zusammenfasse. Denn es geht um die Persönlichkeit und jene Bereiche, die durch eine Mutterschaft manchmal aus dem Blickpunkt geraten. Wir reden darüber, wie sich eine Mutter selbst treu bleiben kann, sich gut fühlt und dafür auch einmal egoistisch sein muss. Wenn mein Mann Richard als berufstätiger Vater seine eigene Internet-Plattform haben will, geht das für mich aber auch in Ordnung (lacht).
Sie meinten einmal, Mutter zu sein hätte Ihre Karriere nicht behindert, sondern Ihnen geholfen. Würden Sie das heute nach fünf Kindern immer noch sagen?
Eine Mutterschaft zu durchleben ist eine große Sache – zumindest war sie das für mich. Mich hat es unglaublich geformt. Als ich Sonny bekam, meinen Ältesten, der jetzt 16 Jahre alt ist, hatte ich gerade mein zweites Album veröffentlicht. Es war außergewöhnlich für mich, dass plötzlich diese neue Person in meinem Leben war, die gleichzeitig zur wichtigsten Person wurde und die bei all dem, womit mich Menschen in Verbindung bringen, bei all den Liedern, die ich gemacht habe, gar nicht dabei war. Mein Hit „Murder On The Dancefloor“ war plötzlich der Schnee von gestern. Sonny war gut, um mein Ego im Zaum zu halten. Und er verschaffte mir Klarheit im Beruf.
Inwiefern?
Er verbesserte und veränderte meinen Fokus. Ich musste mich fragen: „Wie will ich weitermachen?“ Er ließ mich härter arbeiten, und er sorgte dafür, dass es mir nie zu bequem wurde. Das war gesund. Und jedes Mal, wenn ein weiteres Kind kam, sagte ich mir: „Schau nach vorne – was machst du als Nächstes? Wie schaffe ich es, dass ich mich weiterhin wie ich fühle, während ich meine Kinder großziehe?“ Ich bekam es nicht immer hin, aber es hat mir geholfen. Lustigerweise konnte ich auch noch um einiges höher singen, nachdem ich Kinder bekam. Das ist ungewöhnlich, aber so war‘s.
Wie kamen Sie auf die Idee, eine „Kitchen Disco“ („Küchen Disco“) für die sozialen Medien zu veranstalten?
Die „Kitchen Disco“ war unser Weg, um uns besser zu fühlen, uns abzulenken und zu verbinden. Denn Richard und ich fühlten uns so abgekapselt von allen Menschen, die uns wichtig sind. Unsere Konzerte waren zwar abgesagt, aber wir hatten etwas gefunden, auf das wir jede Woche hinsteuern konnten. Wir bereiteten uns eine Stunde darauf vor.
Gab es keine Zweifel bei Ihnen, mit der „Kitchen Disco“ Ihr privates Refugium und Ihre Kinder der Öffentlichkeit preiszugeben?
Es waren nicht Zweifel, aber ich dachte, die Menschen würden mich auslachen. Es wäre sehr einfach gewesen, sich darüber lustig zu machen, wie ich versuche, in einem glitzernden Outfit in einer Küche mit fünf Kindern alles zusammenzuhalten. Denn es war so anders als das, was meinem bisherigen Image entsprach. Ich nahm wirklich an, die Menschen könnten sagen: „Oh mein Gott, ist das peinlich.“ Tatsächlich haben sich viele Menschen über meinen Auftritt gefreut.
„My Favorite Things“ aus dem Musical „The Sound Of Music“ ist ein Höhepunkt Ihres Albums „Kitchen Disco“. Würden Sie zusagen, wenn Ihnen im berühmten West End in London (England) eine Rolle angeboten würde?
Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Disziplin hätte für ein Musical. Aber mir gefällt die Tatsache, dass ich mit der „Kitchen Disco“ neben meinen eigenen Liedern auch ein bisschen Karaoke machen konnte. Das ist ein bewährtes Mittel für gute Laune.