Hing‘schaut was das neue Jahr uns bringt
Unser Gesundheitssystem liegt im internationalen Vergleich weit vorne. Das zeigte die jüngste Studie über den Zugang und die Qualität der medizinischen Versorgung unter 195 Ländern. Unser Land erreichte Platz 13. Die Entwicklung bleibt nicht stehen, daher bringt auch das neue Jahr ein paar Neuerungen.
Jeden Winter, vor allem in den Monaten Jänner und Februar, erkranken in unserem Land Tausende Menschen an der Grippe (Influenza). Dabei kann es zu schweren Verläufen kommen, die auch zum Tod führen können.
Im Jahr 2021 wird es in Europa, auch in unserem Land, ein neues Grippe-Medikament geben. Xofluza (von Roche) wird dann sowohl bei akuter Influenza-A
und -B eingesetzt. Erkrankte sollen sich nach Angaben des Herstellers nach zwei bis drei Tagen Krankheit bereits wieder besser fühlen. Der enthaltene Wirkstoff Baloxavirmarboxil bewirkt, dass sich Influenza-Viren nicht weiter vermehren können. Im Krankheitsfall wird das Medikament in Tablettenform einmal eingenommen. Zugelassen ist es für Patienten ab zwölf Jahren.

visit-e – der digitale Ordinationsbesuch
Viele Menschen scheuten sich zu Beginn der Corona-Pandemie, Arztpraxen aufzusuchen. Bis Juni 2021 wird nun „visit-e“ in einem landesweiten Probebetrieb eingesetzt. Mit visit-e können Kassenärzte Patiententermine per Video online durchführen. Das Service und die Nutzung können über einen Stand-Computer, den Laptop oder das Smartphone erfolgen. Eine zusätzliche Software (= Computerprogramm) muss nicht installiert werden. Die Ärzte entscheiden, welche Behandlungsform für ihre Patienten als Video-Konsultation geeignet ist. Sie muss genauso erfolgsversprechend sein wie eine persönliche Untersuchung. Vielversprechend ist visit-e bei der Versorgung chronisch Kranker. Die Teilnahme an visit-e ist für Ärzte und Patienten freiwillig.

Mehr Therapieplätze für Psychotherapie
In den kommenden drei Jahren soll die Psychotherapie auf Krankenschein um ein Drittel erweitert werden. Mehr als zwanzigtausend Menschen sollen dadurch zusätzlich versorgt werden. Für Kinder oder Menschen mit Traumatisierungen werden zusätzliche Stundenkontingente geschaffen (+ 300.000 Stunden). Für eine bessere Koordination werden neue Anlaufstellen für Versicherte geschaffen. Sie gibt es bereits in Nieder- und Oberösterreich. Dort sollen alle Fäden für eine zielsichere und rasche Vergabe der Therapieplätze zusammenlaufen. Die neuen Anlaufstellen werden telefonisch, per Videokonsultationen, schriftlich oder persönlich vor Ort erreichbar sein. Hat ein Patient auf diesem Wege einen Psychotherapieplatz erhalten, wird für die ersten 30 Therapieeinheiten keine Bewilligung durch die ÖGK mehr notwendig sein.
Neu werden auch die Regelungen bei Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Logopäden sein. In der Ergotherapie sollen ab 1. April neue Einzelverträge dazu führen, dass die Anzahl der Ergotherapeuten mit Kassenvertrag erheblich steigt. Neue Regelungen bei den Therapeuten der Physiotherapie und Logopädie sollen darauf folgen.

Die e-Card ist in Großbritannien ungültig
Das Vereinigte Königreich Großbritannien hat die Europäische Union als Mitgliedstaat verlassen. Wer in unserem Land versichert ist, aber in Großbritannien ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen möchte, kann ab 1. Jänner nicht mehr die auf der Rückseite der e-Card befindliche EKVK (Europäische Krankenversicherungskarte) verwenden. Von den britischen Versicherungen wird dann nur noch eine vom österreichischen Krankenversicherungsträger ausgestellte „Provisorische Ersatzbescheinigung“ (PEB) sofort anerkannt. Mit der PEB können Arztbesuche oder Spitalsaufenthalte im Vereinigten Königreich in Anspruch genommen werden. Wer keine PEB vorlegen kann, muss die Behandlungskosten selbst bezahlen und kann sie danach zwecks Kostenerstattung einreichen.

WHO untersucht Ursprung von Corona in China
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beginnt Anfang 2021 mit ihrer Untersuchung zum Ursprung des Corona-Virus in China, sagte der WHO-Sprecher Hedinn Halldorsson. Dem Expertenteam
gehören zehn Wissenschaftler unter anderem aus Deutschland, Großbritannien, den USA und Russland an. In der Millionenmetropole Wuhan, wo das Virus zuerst festgestellt wurde, sollen die Experten zurückverfolgen, wie es auf den Menschen übertragen wurde. Es heißt, dass Fledermäuse die ursprünglichen Wirte sind. Unklar ist, über welches Tier es auf den Menschen übertragen wurde.

Das erste Diabeteszentrum in unserem Land eröffnet
Das medizinische Versorgungsangebot in Wien wird ausgebaut. Im Sommer 2021 eröffnet im 10. Bezirk das erste Diabeteszentrum in unserem Land. Schwerpunktmäßig werden hier Menschen mit Diabetes mellitus Typ 1, mit Diabetes mellitus Typ 2 mit schwerwiegendem Krankheitsverlauf sowie Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes betreut. Bis zu achttausend Patienten pro Jahr sollen hier versorgt werden. Das Diabeteszentrum wird vom Wiener Gesundheitsverbund betrieben. In dem Diabeteszentrum Wienerberg steht ein interdisziplinäres Team aus den Bereichen Innere Medizin mit dem Schwerpunkt Endokrinologie und Diabetologie, Gesundheits- und Krankenpflege, Diätologie sowie Klinische- oder Gesundheitspsychologie zur Verfügung.

Der elektronische Impfpass wird weiter umgesetzt
Seit Oktober ist der neue elektronische Impfpass, kurz e-Impfpass, in Wien als Pilotprojekt wirksam (etwa Grippeimpfung). Schritt für Schritt kommen 2021 weitere Bundesländer dazu. Wie beim klassischen
Papier-Impfpass werden im e-Impfpass künftig alle
Impfungen aufgezeichnet, die ein Bürger erhalten hat. Alle relevanten Daten werden in einem elektronischen Impfregister (und nicht auf der e-Card) gespeichert. Dies sind Angaben zur geimpften Person, Datum der
Impfung, Handelsname des Impfstoffes, Chargenbezeichnung und Name des impfenden Arztes. Patient und Arzt haben über die Elektronische Gesundheitsakte (ELGA) Einblick in den e-Impfpass. Sollte im Alltag der Nachweis einer Impfung zum Beispiel bei Auslandsreisen oder bei Veranstaltungsbesuchen notwendig sein, wird er über den, etwa am Mobiltelefon herzeigbaren, e-Impfpass möglich sein. Verlorene Impfpässe gehören der Vergangenheit an. Im Vollbetrieb sollen
auch Impfempfehlungen über den e-Impfpass möglich sein. Eine Abmeldung vom e-Impfpass, wie etwa bei ELGA, ist von den Behörden nicht vorgesehen.