Schwein gehabt
Als Schwein, Ferkel oder Sau bezeichnet zu werden, ist wenig schmeichelhaft. Kurz vor Jahresende erleben die Borstentiere aber einen Popularitätsschub. Denn wer zu Silvester anderen Menschen eine Freude machen will, verschenkt nicht selten ein Marzipanschwein als Glücksbringer. So manch lebendes Exemplar kommt als Festtagsbraten freilich nicht so glimpflich davon.
Während es in früheren Zeiten zur Tradition gehörte, sich zu Silvester ein lebendes Ferkel zu schenken, kommt das heute nur noch äußerst selten vor. In symbolischer Erinnerung an den alten Brauch schenken sich die Menschen lieber ein Schweinchen aus rosa Marzipan, das meist noch mit anderen Glücksbringern wie Rauchfangkehrer, Hufeisen oder Kleeblatt kombiniert wird.

Warum genau das Schwein zum Glücksbringer wurde, ist allerdings noch nicht geklärt. „Eine umfassende Forschung zu diesem Thema steht noch aus“, sagt Nora Witzmann vom Volkskundemuseum Wien. Vermutungen gibt es jedoch mehrere. So lässt sich die allseits bekannte Redewendung „Schwein haben“ bis ins Mittelalter zurückverfolgen. „In den vorindustriellen Agrargesellschaften spielten diese Tiere eine große Rolle fürs Überleben. Denn
als anspruchsloser Allesfresser ließ sich ein Ferkel rasch mit Essensresten und Abfällen zum Schwein mästen, mit jeder Menge Fleisch auf den Rippen“, weiß die Volkskundlerin. Eine gesunde Sau kann zudem mindestens zwei Mal pro Jahr Nachwuchs bekommen – pro Wurf etwa zehn Ferkel, womit sich auch so einige hungrige Mäuler stopfen ließen.

Und weil ein Schwein früher so eine gute Investition war, ein Symbol des Wohlstandes und der Fülle, vertrauten ihm die Menschen auch ihr mühsam erspartes Kleingeld an – das Sparschwein war geboren. Überlieferungen zufolge füllten die Menschen schon im Mittelalter ihre „Holzschweine“ mit Münzen, bis sie schlachtreif waren.

Doch nicht überall wird das Schwein als Glücksbote gesehen. Für Muslime sind Schweine „unreine Tiere“. Aber auch bei gläubigen Juden kommt kein Schwein auf den Tisch. „Vom Fleisch dieser Tiere dürft ihr weder essen noch ihr Aas anrühren“, steht im Alten Testament geschrieben. Beim Großteil unserer Bevölkerung gehört der Schweinsbraten mit Erdäpfeln und Sauerkraut hingegen zum Nationalgericht und der Brauch des Sauschädel-Essens zur beliebten Neujahrstradition. Was sich natürlich auch in den Verbraucherzahlen widerspiegelt. So liegt laut der Statistik Austria der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch von Schweinefleisch hierzulande bei mehr als 36 Kilo.
In unserem gesamten Leben verputzen wir also knapp zweieinhalb Tonnen Schweinefleisch, was etwa zwanzig ausgewachsenen Masttieren entspricht. Vegetarier können dieser „Sauerei“ freilich wenig abgewinnen – sie holen sich ihre Glücksgefühle lieber beim Verzehr süßer Marzipanschweinchen.

Schlau wie die Sau
  • Schweine sind klüger als Hunde und einige Primatenarten, können Tricks erlernen und hören in wenigen Wochen auf ihren Namen. Die Redensart von der „dummen Sau“ ist also nicht mehr als ein Mythos.
  • Sogar einfache Computerspiele können sie erlernen. Zumindest sind sie dazu in der Lage, mit einer Steuerung im Maul einen Kreis so lange auf einem Bildschirm zu bewegen, bis er sich exakt mit einem vorgegebenen Fleck deckt.
  • Wenn Schweine grunzen, möchten sie etwas sagen. Mehr als 20 ihrer „Oinks“ und „Quieker“ konnten verschiedenen Situationen zugeordnet werden. Und zwar vom Werben um ihre Partner bis hin zur Äußerung „Ich habe Hunger“.
  • Die Borstentiere pflegen abwechslungsreiche Sozialkontakte. Wer sich mag, spielt miteinander und verrät, wo es die besten Gräser gibt. Mittlerweile ist auch bewiesen, dass Schweine Mitgefühl mit Artgenossen empfinden, die glücklich oder verzweifelt sind.
  • Verhaltensforscher haben auch schon mehrmals beobachtet, wie eines der Tiere ein Stück Rinde mit der Schnauze aufnahm und damit zu graben begann. Es war offensichtlich, dass das Schwein die Rinde als Werkzeug einsetzte, um sein Nest auszubauen.

Geliebter Gefährte
„Max“ war das wohl berühmteste Promi-Schwein. 18 Jahre lang fühlte es sich beim Schauspieler George Clooney in den USA sauwohl.

Unter Kollegen
Das erste deutsche Polizeischwein „Luise“ erschnüffelte mit untrüglichem Gespür Drogen aller Art. Selbst das geruchlose Kokain bereitete ihr keine Probleme.

Spaßkandidat
1968 wurde ein Schwein namens „Pigasus“ als Präsidentschaftskandidat für die USA nominiert – eine sträfliche Schweinerei, urteilten die Ordnungshüter.

Supersau-Talent
„Pigcasso“ aus Südafrika ist die wohl einzige malende Sau der Welt. Ihre abstrakten Werke gibt‘s in der „Oink“-Galerie ab 2.000 Euro zu kaufen.

Dauerurlauber
Schwimmende Schweine haben einen Strand auf den Bahamas (Karibik) als „Pig Beach“ berühmt gemacht. Wie sie dorthin gekommen sind, ist unklar.

Pfundskerl
Das schwerste lebende Schwein der Welt war „Big Bill“ aus Tennessee (USA). Er wog 1.157 Kilo und war 2,75 Meter lang. Im Jahr 1933 wurde er eingeschläfert.
„Hunde schauen zum Menschen auf,
Katzen schauen auf den Menschen herab, Schweine schauen uns direkt in die Augen und
sehen einen Gleichwertigen.“

Winston Churchill (1874–1965)
Ehemaliger Premierminister von Großbritannien