Die Leber leidet lange still ...
Sie liefert uns Energie, macht giftige Stoffe unschädlich und ist ein Zentrum der Immunabwehr. So wichtig die Leber für uns ist, so wenig wird auf ihre Gesundheit geachtet. Ein ungesunder Lebensstil führt bei immer mehr Menschen zur Fettleber. Das schmerzt nicht, kann aber gefährlich werden. Ein erstes Medikament wird geprüft.
Jeder Vierte, bald jeder Dritte, ist betroffen, doch viele wissen nichts von ihrem Problem. Ärzte sprechen bereits von einer „stillen Epidemie“, wenn sie an das Phänomen „Fettleber“ denken.

Treffender kann eine Bezeichnung für eine Erkrankung nicht sein. Im Fall einer Fettleber tragen Erkrankte in der Tat eine verfettete Leber im Leib. Ein überlastetes Organ kann schwere Entzündungen entwickeln, knotig vernarben (Leberfibrose) und verhärten (Leberzirrhose) und seine Funktion verlieren. Am Ende droht ein Leberversagen oder Leberkrebs.

„Fettlebererkrankungen sind die häufigsten Lebererkrankungen in unserer Gesellschaft. Die nicht-alkoholische Fettleber stellt in der Bevölkerung das Hauptproblem dar“, beton Prof. Elmar Aigner, Leitender Oberarzt der Universitätsklinik für Innere Medizin I, Uniklinikum Salzburg, der damit auch anspricht, dass die Fettleber längst nicht mehr nur alkoholkranke Menschen betrifft. Schuld an einer Fettleber, die nicht nur stark übergewichtige Menschen entwickeln können, ist die üppige westliche Ernährung, zu viel, zu süß und mit zu viel Fett, das die Leber am Ende zwischen ihren Zellen speichert. Hinzu kommt häufig ein Mangel an sportlicher Bewegung. „Unter den 50- bis 60jährigen hat bereits jeder Zweite eine Fettleber. Erkannt wird sie meist durch einen Zufallsbefund“, erklärt Prof. Michael Trauner von der Klinischen Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie der MedUni Wien. Ein erster Hinweis ist in vielen Fällen ein gängiger Leber-Blutwert, kurz ALT genannt. Erzählt der Patient dazu von Symptomen wie Mattigkeit, Müdigkeit oder einem Druck im Oberbauch, erfolgt die Überweisung zum Leber-Spezialisten. Anstelle der üblicherweise angeordneten und unangenehmen Entnahme einer Leberprobe wird in immer mehr Spitälern die Leber mit Hilfe einer Kontrastmittelunterstützten Magnetresonanztomographie untersucht. Ohne Schmerzen, ohne Strahlung und ohne Komplikationsrisiko werde der Zustand der Leber sichtbar und eine gesundheitliche Vorhersage möglich, verrät Dr. Ahmed Ba-Ssalamah von der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin der MedUni Wien.

Einer Fettleber auf die Spur zu kommen, ist nicht einfach. Die bis zu 1.800 Gramm schwere Leber leidet still. Sie hat keine Schmerzrezeptoren. Erkennt der Arzt ein höheres Risiko, hilft ihm neben dem Laborbefund eine Ultraschalluntersuchung. Damit ist schnell erkennbar, ob die Leber verfettet ist. Das gesunde Organ enthält etwa vier Prozent Fett, eine Fettleber hortet mehr als 50 Prozent Fett. Steht die Diagnose „Fettleber“ fest, sollte therapiert werden, denn die Leber verzeiht viel, aber nicht alles. Bei einer weiteren „Überfütterung“ geraten die Leberzellen in Stress, blähen sich auf, entzünden sich, sterben ab. „Die häufigsten Todesursachen bei einer Fettleber sind Herzinfarkt oder Schlaganfall“, bestätigt Prof. Trauner. Verhärtet das Gewebe, kommt es zu dem lebensbedrohlichen Szenario, der Leberzirrhose, häufig die Vorstufe für Leberkrebs.

Künstliche Gallensäure als Hoffnungsträger
Eine Fettleber „abzuspecken“ und so zu genesen, bedeutet, den Lebensstil zu ändern. Das heißt, auf den Teller sollten viel frisches Gemüse, Vollkornprodukte, hochwertige Öle, Nüsse, Fisch, mäßig Obst, Fleisch und Süßigkeiten, selten Fertiggerichte, kaum Fruchtsäfte und Alkohol. Die Portionsgrößen zu halbieren, ist eine weitere gesunde Veränderung, ebenso ausreichend Bewegung, etwa täglich 45 Minuten flottes Spazierengehen.

Ein Medikament zur Behandlung der Fettleber gibt es nicht, noch nicht. Die Forschung dazu verläuft intensiv und die positive Wirkung einer künstlich hergestellten Gallensäure, mit der Kurzbezeichnung Nor-Urso, lässt hoffen. „Ihre Wirkung konnte in einer aktuellen Studie nachgewiesen werden. Die in Kapseln verabreichte synthetische Gallensäure schützt die Leber vor der Entzündung, die in einer Vernarbung von Lebergewebe gipfeln kann. Die laufende Studie prüft, ob Nor-Urso den Krankheitsverlauf verbessert und der Leber hilft, zu ihrer gesunden Funktion zurückzukehren. Sie könnte dann eine therapeutische Ergänzung zur gesunden Ernährung und sportlichen Bewegung sein. Sowie Hoffnung für jene, die zum Zeitpunkt der Entdeckung ihrer Krankheit an einer fortgeschrittenen Form leiden“, erklärt Dr. Emina Halilbasic von der Klinik für Innere Medizin III, Gastroenterologie und Hepatologie der MedUniWien. Die gute Nachricht, die Leber hat die außergewöhnliche Fähigkeit, sich wieder zu erholen. Bei „guter Führung“ des Patienten ist sie in wenigen Monaten wieder fit.

Teilnahme an einer Studie: Interessierte Leser (ab 18 Jahren), die an einer Fettleber-Studie teilnehmen möchten, können sich bei der Fettleberstudien-Ambulanz des Allgemeinen Krankenhauses Wien melden, Tel.: 01/40400-47080.

Testen Sie Ihr Fettleber-Risiko
  • Wie alt sind Sie?
jünger als 50 Jahre = 0 Pkt.
älter als 50 Jahre = 1 Pkt.
  • Wie groß ist Ihr Taillenumfang (Höhe Nabel)
Frauen bis 80 cm, Männer bis 94 cm = 0 Pkt.
Frauen 81 bis 88 cm, Männer: 95 bis 102 cm = 2 Pkt.
​Frauen mehr als 88 cm, ​Männer mehr als 102 cm = 4 Pkt.
  • Wie hoch ist Ihr Body-Mass-Index (BMI)?
kleiner als 25 = 0 Pkt. / 25 bis 30 = 1 Pkt.
31 bis 35 = 2 Pkt. / größer als 35 = 4 Pkt.
  • Haben Sie Diabetes mellitus?
nein = 0 Pkt.
​Sie sind grenzwertig, keine Medikamente = 4 Pkt.
Ja, ich nehme Diabetes-Medikamente = 8 Pkt.
  • Sind Ihre Blutfettwerte erhöht?
Nein = 0 Pkt.
​Sie sind grenzwertig, keine Medikamente = 1 Pkt.
Ja, ich nehme Fettsenker = 2 Pkt.
  • Sind Ihre Leberwerte erhöht?
nein = 0 Pkt.
minimal = 2 Pkt.
dauerhaft = 4 Pkt.
  • Wie viel Alkohol konsumieren Sie?
keinen bis max. zwei Mal pro Monat = 0 Pkt.
​regelmäßig = 1 Pkt.
täglich oder am Wochenende = 2 Pkt.
  • Haben Sie Bluthochdruck?
nein = 0 Pkt.
​Er ist grenzwertig, keine Medikamente = 1 Pkt.
Ja, ich nehme Blutdruck-Medikamente = 2 Pkt.
  • Haben Sie ein Druckgefühl im rechten Oberbauch?
nein oder nur selten = 0 Pkt.
ja, oft = 1 Pkt.
Auswertung:
0–5: Fettleber unwahrscheinlich

6–9: Fettleber möglich: Klären Sie Ihre Leberwerte ab; treiben Sie (mehr) Sport, wenn möglich.

10–13: Fettleber wahrscheinlich: Meiden Sie Alkohol, bauen Sie Übergewicht ab, Leberwerte prüfen lassen, gesünderen Lebensstil pflegen.

14–28: Fettleber mit Risikofaktoren äußerst wahrscheinlich: Sind Sie nicht in ärztlicher Behandlung, lassen Sie sich untersuchen, Blutzucker überprüfen.

(BMI = Gewicht in kg, geteilt durch Quadrat d. Körpergröße in Metern)