"Die Küchendisco macht viel Spaß"
Die gute Laune lässt sich Kylie Minogue nicht so leicht verderben. Das beweist die 52jährige Australierin, die in der englischen Hauptstadt London lebt, mit ihrem neuen Album „Disco“. Beschwingt geht es da zu, wie in ihrem Gespräch mit dem WOCHE-Reporter Steffen Rüth.
Ein Album mit dem Titel „Disco“ verspricht Spaß auf der Tanzfläche. Doch der ist derzeit Corona-bedingt nicht möglich – schade, nicht wahr?
Tja, leider. Bis auf Weiteres findet die Disco nur im Kopf statt. Oder in der Küche.

In der Küche?
(lacht) Kennen Sie etwa nicht die gute alte Küchendisco? Der beste Tanzboden entsteht immer dann, wenn du vorher die Möbel wegschieben musst. Das sind diese Abende im kleinen Kreis, an denen du gar nicht geplant hattest zu tanzen. Und dann passiert es eben doch. Du hast einen Drink, und dann noch einen, die Musik wird immer ein bisschen lauter, schließlich schreit jemand „Wir brauchen mehr Platz!“ Und dann hörst du es auch schon quietschen, weil jemand das Sofa wegschiebt. Das gibt zwar meistens blöde Schrammen auf dem Boden, aber dieses Quietschen ist ein untrügliches Zeichen für einen super Abend.

Wann hat es denn bei Ihnen zuhause in London das letzte Mal gequietscht?
Die letzte Küchen-Disconacht, an die ich noch ziemlich intensive Erinnerungen habe, fand vor zwei Jahren in einem Restaurant statt, nach einer Filmpremiere. Wir sind in dieser Nacht wirklich extrem abgegangen. Bei mir daheim hätte ich gerne meinen Freunden das neue Album vorgespielt und dabei eine anständige Party gemacht. Doch das ist gerade nicht der beste Zeitpunkt für solche Nächte.

Hatten Sie dennoch ein wenig Spaß in den vergangenen Monaten?
Die Monate hier in meinem Haus in London waren wirklich äußerst ruhig, Ich bin froh, dass ich meine Arbeit hatte, sie war so etwas wie meine Brücke hinaus in die Welt. Wie wohl jeder andere auch, habe ich all das vermisst, was sonst
immer selbstverständlich war – zum Beispiel einfach einmal ins Kino zu gehen. Und mir fehlt meine Familie.

Leben Ihre Angehörigen in Australien?
Ja, das tun sie. Trotzdem kommt es mir vor, als wären sie viel weiter weg in diesem Jahr. Früher konnte ich, wenn ich Heimweh hatte oder Sehnsucht, einfach eine Flugkarte kaufen und meine Lieben besuchen. Theoretisch ginge das jetzt auch noch, ist aber viel, viel umständlicher und komplizierter als sonst. Was uns bleibt, sind Telefonate und Videokonferenzen.

Es heißt, Sie sollen sogar den Gesang für das Album nicht im Studio, sondern daheim aufgenommen haben?
Ja, das ist richtig. Anfangs war das stressig, doch ich hatte zum Glück findige Mitarbeiter, die mir dabei geholfen haben. Ich bin weit davon entfernt, mich bei der Aufnahmetechnik gut auszukennen, aber tatsächlich habe ich eine Menge gelernt, und es hat gut funktioniert.

„Disco“ ist sogar für Ihre Verhältnisse ein ausgesprochen flottes und peppiges Album. Taugt die Platte als Medikament gegen die Corona-Trübsal?
Es ist sicherlich eine der wirkungsvolleren Maßnahmen, um die Menschen aus dem Stimmungsloch zu holen.

Sie sind Jahrgang 1968. Wie ist Ihr Verhältnis zur Disco-Musik aus den Siebzigern?
Meine Liebesgeschichte mit der Disco begann früh. Ich muss neun Jahre alt gewesen sein und hatte gerade gelernt, wie der Plattenspieler meiner Eltern funktioniert. Ich habe mir dann alles angehört, was bei uns herumlag – „Abba“ fand ich super, die „Bee Gees“ ebenso und Donna Summer, Gloria Gaynor und wie sie alle heißen. Diese Discoplatten meiner Eltern sind eine lebenslange Inspiration.

Wie sehr bezieht sich Ihr Album „Disco“ auf diese Melodien?
Wir legten es locker aus. Die Absicht war, meine eigene Version von Disco-Musik zu machen. Nicht alles auf diesem Album erinnert an die 70er, es gibt auch Einflüsse aus den 80ern und Selbstzitate aus meinen frühen 2000er Jahren, dieses Electro-Disco-Gefühl wie bei „Can‘t Get You Out Of My Head“ damals. Ich werfe das alles fröhlich zusammen. Dieses Album beinhaltet das, was der Gast hören würde, wenn er in meine Disco käme.

Spielte bei der Gestaltung der neuen Platte auch die Verliebtheit zu Ihrem Freund Paul Solomon eine Rolle?
In gewisser Weise sicher. Paul ist wundervoll. Wir haben eine großartige Verbindung und erleben eine schöne Zeit.

Wollten Sie sich nach der schmerzhaften Trennung vom Schauspieler Joshua Sasse, mit dem Sie sogar verlobt waren, wieder verlieben?
Nein, ich war nicht auf der Suche, sondern zufrieden damit, meine Ruhe zu haben und mein Leben nach meinen Maßstäben zu leben. Um es kurz zu machen. Ich traf Paul, was vieles für mich zum Guten und Schönen gedreht hat. Aber das Jahr 2017 war ein richtig, richtig mieses Jahr für mich.
Nicht bloß mein Herz war gebrochen, sondern ich insgesamt, als Person. Doch bis auf ein paar Narben sind alle Wunden verheilt.