Auf einen köstlichen Schmaus ins Bürgerhaus
Pannonische Spezialitäten, Weine aus dem eigenen Weingut, gepaart mit burgenländischer Gemütlichkeit. Das finden die Gäste im Buschenschank Schandl in der Freistadt Rust (B), nahe des Neusiedler Sees. Dessen Ufer ist in nur zwanzig Minuten per Fußmarsch erreichbar.
Beim Flanieren durch die Altstadt von Rust (B) führt kein Weg an Leopold vorbei. Der alte, aus gutem Holz geschnitzte Knabe, mit Trachtenjanker und Hut bekleidet, sitzt neben der grünen Hoftür der Buschenschank Schandl. Direkt an der Pforte zum geselligen Beisammensein – bei gutem Essen und Trinken.

Beheimatet ist der gastliche Betrieb in einem Bürgerhaus, das im 18. Jahrhundert erbaut wurde. Das im Original erhaltene Kreuzgewölbe, ausgestattet mit Möbeln im bäuerlichen Stil, traditionell eingedeckt mit Blaudruck-Tischdecken, bietet 60 Gästen Platz. Im Sommer wird bevorzugt im schattigen Gastgarten, ebenso für 60 Personen ausgerichtet, gegessen und getrunken.

„Essen und guter Wein sind untrennbar miteinander verbunden. Das ist burgenländische Genusskultur“, schmunzelt die Wirtin. Barbara Schandl führt seit 17 Jahren den Betrieb. „Unsere Gäste sagen beim Abschied oft, dass ein Besuch bei uns für sie wie ein Urlaub war. Für mich ist das eine Bestätigung, dass die Menschen bei uns von ihrem Alltagsstress abschalten können“, sagt die 45jährige. Seit Kindheitstagen ist sie mit dem Weingut und dem Buschenschank verbunden.

„Bereits meine Oma führte im Weingut einen Buschenschank. Der Buschenschank ist mein Leben. Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen, als meine Gäste zu bewirten. Ich bin es seit jeher gewöhnt, von Menschen umgeben zu sein und mit ihnen zu reden, auch wenn‘s oft viel Arbeit ist“, sagt die Gastgeberin.

Die Weine liefert der Bruder, Paul Schandl, 46, der das Weingut, das sich seit 1741 im Familienbesitz befindet, leitet. Die Auswahl reicht vom Gelben Muskateller 2018 (1/8 l/3,20 Euro), Blaufränkisch/Merlot Rosé 2019 (1/8 l/3,20 Euro), Pinot Noir 2019 (1/8 l/3,20 Euro) bis hin zum Cabernet 2015 (1/8 l/4,80 Euro), zu prickelndem Winzersekt und Süßweinen. Weißer und roter Schankwein (1/8 l/1,90 Euro) sind natürlich ebenso zu haben wie der klassische G‘spritzte in Weiß und Rot (1/4 l/2,10 Euro).

Vom Wurzelspeck bis zum "Liptauer-Igel"
Als „Zubiss“ zum Tröpferl mundet ein saftiges Stück vom Wurzelspeck mit einer Bäckerbrotscheibe und Ölpfefferoni (7 Euro), Mangalitza-Verhackertes (8 Euro) oder auch ein kaltes Blunzen-Kranzl mit Senf und Kren (7 Euro). Allseits beliebt ist der „Liptauer-Igel“ (5 Euro), Liptauer aus Bröseltopfen mit Soletti. Käse-Liebhaber kosten sich durch die Variation heimischer Hart- und Weichkäse, serviert mit gerösteten Kürbiskernen und Tresterbrand-Rosinen (8 Euro).

„Beliebt bei den Gästen sind auch unser mariniertes Gemüse, der frische Braten und die Paprikawürstel“, sagt die Wirtin. Gefragt sei ebenso der Fischsuppentopf mit Wurzelgemüse und Paprika (7,50 Euro), die gebackenen Hühnerfiletstreifen auf Blattsalaten (13 Euro), das saftig-pikante Szegediner Krautfleisch (12 Euro) und das Schnitzel vom Schweinskarrée mit Erdäpfelsalat (14 Euro).

Somlauer Nockerl (6,50 Euro), eine ungarische Spezialität aus zweierlei Biskuit mit Vanillepudding, Rum-Rosinen und Schokoladensauce, Powidltascherl (6,50 Euro) und Mohnnudeln mit Zwetschkenröster (10 Euro) setzen den krönenden süßen Abschluss.

„Nahezu geschichtsträchtig ist der Blauschimmelkäse im Strudelteig, zu dem Ruster Ausbruch getrunken wird“, sagt Barbara Schandl. Der edelsüße Weißwein aus rosinenartig eingeschrumpften, edelfaulen Beeren, vorwiegend der Rebsorten Furmint und Gelber Muskateller, hat zum Wohlstand der Freistadt Rust beigetragen. „Der Wein wurde auf der kaiserlichen Hoftafel kredenzt. Im Jahr 1681, unter Kaiser Leopold I., erkauften sich die Ruster das Freistadt-Recht. Dafür gaben sie 60.000 Gulden und rund 500 Eimer, etwa 30.000 Liter, Wein der Sorte ,Ausbruch‘. Diese Menge ist in etwa vergleichbar mit dem Ertrag, den die Ruster Winzer in zehn Jahren hervorbringen“, erzählt Barbara Schandl aus den Überlieferungen, die sich um den traditionellen Ruster Ausbruch ranken. „Dass Blauschimmelkäse einfach köstlich zu einem Glaserl Ruster Ausbruch schmeckt, das hat jedenfalls schon meine Mutter gewusst, dem kann ich nur zustimmen“, sagt die Wirtin.

All die Gaumenfreuden lassen sich gut mit einem Spaziergang am Ufer des nahe gelegenen Neusiedler Sees verbinden. Und wer mit einem Tag nicht auskommt, greift am besten zum „Gesamt-Paket“ der Familie Schandl. „Nicht nur das Weingut ist quasi gleich ums Eck. In exakt 168 Schritten können die Buschenschank-Gäste unser Hotel (www.hotelschandl.at) erreichen. Damit steht einer entspannten Auszeit nichts im Wege. Allein das Erkunden der idyllischen Weinflure rund um Rust tut Körper und Geist gut“, lädt Barbara Schandl zum Verweilen ein.
Blauschimmelkäse im Strudelteig
Zutaten (für 4 Personen):
Blauschimmelkäse,
1 Packung Strudelteig,
1 Glas Kompott-Birnen, zerlassene Butter

Zubereitung:
Die Strudelteigblätter vierteln, auf jeden Teil 2/8 einer Birne und ein Stück Blauschimmelkäse legen. Den Strudelteig über die Fülle schlagen und einwickeln, mit zerlassener Butter bestreichen.
Das Backrohr auf 220 Grad vorheizen. Käse im Strudelteig im vorgeheizten Rohr 8 bis 10 Minuten backen, bis der Teig Farbe nimmt.
Empfehlung der Wirtin und Köchin: „Schmeckt am besten mit marinierten Rosinen. Einfach die Rosinen einen Tag lang in der Wein-Spezialität Ruster Ausbruch (siehe Weinempfehlung) einweichen.“

Wein-Empfehlung:
Weingut Paul Schandl, Ruster Ausbruch, 2015, 10 %Vol, 1/16 Liter um 6 Euro, 0,375-Liter-Flasche um 36 Euro. Variation aus Pinot gris, Riesling und Welschriesling. Edelsüß, trinkfreudig und vielschichtig, mit spannungs geladener Säure und „ewigem Abgang“.