Wein trinken in der Eiergasse
Die Kellergasse in Falkenstein (NÖ) ist eine der schönsten des Weinviertels. Früher führte ein Handelsweg der Eierhändler durch die Gasse, weshalb sie auch „Oagossn“, also Eiergasse, genannt wird. Zwei Mal pro Woche können Besucher an einer Führung teilnehmen, bei der sie mehr über die Kellergasse und den Weinbau erfahren. Die urigen Heurigen und Wanderwege laden ein, die Region und die guten Tropfen des Ortes näher kennenzulernen.
Der Wein ist die Seele des Weinviertels. Nahezu jeder Ort hat seine eigene Kellergasse in die Erde gegraben. Eine, die hervorsticht, ist die Kellergasse in Falkenstein. In der niederösterreichischen Gemeinde reihen sich 64 Presshäuser dicht aneinander.

Die Kellergasse ist breit und vor einigen Presshäusern stehen Heurigenbänke. Ein aus Fichtenholz gehobelter, spiralförmiger Buschen zeigt an, welcher Betrieb gerade ausschenkt. Dazu gehört der „Gmoakeller“, der sich am Beginn der Kellergasse befindet und gleichzeitig der erste Weinkeller ist, der gebaut wurde.

Der erste Weinkeller wurde vo 331 Jahren gebaut
„Der ,Gmoakeller‘ wurde 1689 errichtet. Hier schenken einige Winzer abwechselnd aus. In der Kellergasse sowie im Ort befinden sich noch weitere Heurigenbetriebe“, erzählt Richard Luckner. Der 67jährige führt seit 20 Jahren durch die Kellergasse.
Führungen (6 Euro p.P.) finden von April bis Ende Oktober jeden Mittwoch und Samstag ab 16 Uhr statt. „Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, Interessierte kommen einfach zum Treffpunkt bei der ,Alten Presse‘ in der Kellergasse“, sagt Luckner.

Die Kellergasse wird auch „Oagossn“, Eiergasse, genannt. Hier verlief in früheren Zeiten ein Handelsweg der Eierhändler. Sie kamen nach Falkenstein, um bei den Bäuerinnen Eier einzukaufen. „Ich kann mich selbst noch an eine Frau erinnern, die in der Kellergasse wohnte. Die Bäuerinnen sind zu ihr gegangen, um ihr Hühnereier zu verkaufen. Die Händlerin verkaufte die Eier in Wien weiter. Die Weinriede, die an die Kellergasse angrenzt, nennt sich zufälligerweise Hühnerstall“, schmunzelt der Falkensteiner.

Hühner gibt es hier zwar keine, dafür aber Traktoren mit Lesewagen. Sie fahren im Minutentakt durch die Kellergasse, denn derzeit ist Lesezeit und die „Oagossn“ führt hinaus in die Rieden.
Im Ort gibt es 15 Winzer, die vom Weinbau leben. „Zehn von ihnen haben einen Nachfolger. Dazu gehört auch mein Betrieb, den ich an meinen Sohn übergeben habe“, erzählt Luckner.
Der Senior packt aber weiterhin mit an. „Das Arbeiten kann ich nicht ganz sein lassen. Ich helfe gerne mit.“

Wer Trauben stahl, dem wurde ein Finger abgehackt
Seit mehr als 700 Jahren wird in Falkenstein Wein produziert. Davon zeugt ein Büchlein, das „Bergtaidingbuch“ aus dem Jahr 1309.
Die 69 darin festgehaltenen Artikel bestimmten die Rechtsordnung im Weinbau. Es war zum Beispiel verboten, Weingärten brachliegen zu lassen oder in Äcker umzuwandeln.
Zudem wurde auch Diebstahl hart bestraft. „Wer Weintrauben gestohlen hat, dem wurde ein Finger abgehackt. Welcher, wurde aber nicht genau festgelegt“, erzählt der Falkensteiner.
Die Rechtsprechung gewann schnell überregionale Bedeutung und machte Falkenstein zur Oberinstanz im Weinbergrecht. Heute ist es nicht mehr in Kraft, dafür findet es in anderer Form Verwendung.
Neun ortsansässige Winzer füllen das „Falkensteiner Berggericht“ in Flaschen ab. Dabei handelt es sich um Weine von der berühmtesten Lage Falkensteins, dem Rosenberg.

Wein wächst in Falkenstein auf einer Fläche von 200 Hektar. Die wichtigsten Weißweinsorten sind der Grüne Veltliner, der Weißburgunder und der Riesling. Eine Besonderheit ist der Sylvaner. „In unserem Land wird der Sylvaner nur auf 40 Hektar angebaut. Bei uns in Falkenstein gedeiht er auf drei Hektar. Den Sylvaner können Interessierte wahrscheinlich nur bei 99 anderen Weinbauern aus unserem Land probieren“, verrät Luckner.

Im Schaukeller können Weine probiert werden
Gemeinsam mit seiner Familie kultiviert er den Sylvaner seit 1963. Eine Kostprobe davon sowie von anderen Weinen gibt es in seinem Schaukeller in der Kellergasse. „Er ist von April bis November täglich geöffnet. Ich sperre ihn nur abends zu“, sagt der Falkensteiner.

Besucher können hineinspazieren, sich ein Glaserl Wein genehmigen und auch ein Flascherl mit nach Hause nehmen. Schautafeln und ein Film informieren über den Ort und den Weinbau. Ein paar Keller weiter gibt es im „Kellermuseum“ noch mehr Historisches über den Weinbau im Ort zu erfahren. Das Museum kann gegen Voranmeldung besichtigt werden.

Das Ende der Kellergasse markiert ein großes „Ei“, in dem sich die Besucher spiegeln können. Von dort zweigt rechts ein Weg ab. Wer dem kurzen Anstieg folgt, wird nach ein paar Metern mit einem atemberaubenden Ausblick auf Falkenstein belohnt. Über allem thront die Burgruine Falkenstein.
Mehrere ausgeschilderte Wanderwege führen zur Burg hinauf, durch die Weinrieden, zum Weinlehrpfad und zur Kirche. Unterwegs laden Heurige zu einer Rast ein.

Dass die Bauern ihren eigenen Wein ausschenken dürfen, ist einem Habsburger zu verdanken. Kaiser Josef II. hat dies im Jahr 1784 möglich gemacht. „In Falkenstein wird in der Kellergasse seit dem Jahr 1956 Wein ausgeschenkt“, sagt Luckner.
widlak
„Aus‘gsteckt is“ im Oktober
bis 18.10.: Offener Keller bei Birgit Fritz & Markus Schimpf (Kellergasse) 16.10.-19.10.: Heurigenschank Jauk in der Vinothek Falkenstein (Marktplatz 54) 17.10.-18.10.: Weingut Dürnberg (gleich hinter dem Rathaus) 17.10.: Bio-Weingut Josef Salomon 23.10.-26.10.: Heurigenschank Jauk 24.10.-25.10.: Weingut Dürnberg 24.10.-26.10.: Bio-Weingut Josef Salomon 30.10.-2.11.: Heurigenschank Jauk 31.10.-1.11.: Weingut Dürnberg 31.10.: Bio-Weingut Josef Salomon
Weitere Termine: Gemeinde Falkenstein,
Tel.: 02554/85340, www.falkenstein.gv.at