"Jeder Tag ist ein Wagnis"
Ihr Lachen wirkt ansteckend, ihre positive Ausstrahlung macht sogar an verregneten Tagen gute Laune. Michaela May, 68, ist Lebensfreude pur. Das zeigt die beliebte bayerische Schauspielerin nun auch in ihrer neuen Rolle. Sie steigt als „verrückte“ Tante Michi in die ARD-Reihe „Reiterhof Wildenstein“ (16. und 23. Oktober, 20.15 Uhr) ein. Das Leben auf dem Land reizt Michaela May.
Frau May, Sie sind nun als eine etwas ausgeflippte Tante in der Fernseh-Reihe „Reiterhof Wildenstein“ zu sehen. Einige Filme davon wurden bereits gezeigt. War dieser Einstieg seit Längerem geplant?
Es war bereits bei der ersten Folge geplant, dass ich die Mutter von Rike Wildenstein spielen sollte. Damals konnte ich nicht, denn ich habe zur selben Zeit einen anderen Film gedreht. Es war die Idee der Autorin Andrea Stoll, mich als Schwester von Rikes Mutter jetzt in die Geschichten einzubringen.

Was hat Sie veranlasst mitzumachen?
Ich fand es schön, wieder einmal mit Pferden zu tun zu haben. Ich bin den Umgang gewöhnt, weil meine jüngere Tochter Lilian äußerst Pferde-begeistert ist und leidenschaftlich gerne reitet. Lilian besitzt ein eigenes Pferd und spielt mit großer Begeisterung Polo. Sie hat diesen Reitsport in der Schule in England gelernt und ist von Anfang an mit Pferden aufgewachsen, denn wir hatten als Familie in Tirol immer eine Ferienwohnung gemietet, direkt neben einem Reiterhof. Dadurch blieb es nicht aus, dass meine beiden Töchter gerne geritten sind, die jüngere tut das noch leidenschaftlicher als meine ältere Tochter. Lilian hat früher an Kinder-Turnieren teilgenommen, zuerst in der Disziplin Springreiten und dann in der Dressur. Lilian wollte in England immer mit ihrem Pferd zusammen eine Schule besuchen. Das Pferd blieb daheim, aber unsere Tochter hatte eine Schule, bei der Reitunterricht auch möglich war.

Im Film „Reiterhof Wildenstein“ zeigen Sie sich als ausgeflippte Tante …
(lacht) Ja, ich mag die Figur der Michi, dieser etwas verrückten Frau aus Frankreich. Ich hoffe sehr, dass die Verrücktheit dieser Figur weiterhin so bedient wird. Sie ist esoterisch angehaucht, zieht auch einmal einen handgedrehten Joint durch, was ihre Schwester, gespielt von Ulli Maier, natürlich nicht erfreut. Michi führt Neuigkeiten auf dem „Reiterhof Wildenstein“ ein, sie macht ihren Bio-Hofladen auf. Ich mag auch die Situation mit Michis Ex-Mann Hubert, gespielt von Gerd Anthoff, denn das ist eine spannende Verbindung: Wie soll sie mit einem Menschen umgehen, von dem sie sich getrennt hat? Wie kann sie sich wieder annähern oder wie können sich die beiden noch ertragen?

Sie sagen, als ausgeflippte Tante würden Sie sich ab und an ein wenig Rauschgift gönnen. Haben Sie das privat auch einmal versucht?
Geraucht habe ich schon. Als ich Hasch probierte, war ich zwar schon im Schauspielberuf tätig, aber damals war ich 16 oder 17 Jahre alt und habe überhaupt nicht an diesen Beruf und die damit verbundene Disziplin gedacht.

Sondern?
Ich war damals äußerst empfänglich für alles, was andere ausprobiert haben. Das war eine Groupie-Gesellschaft, zu der du nicht gehören konntest, wenn du nicht auch einmal probiert hast. Das war fast schon ein Gruppenzwang – und ich habe damals auch mitgeraucht. Einmal habe ich es damit etwas übertrieben, ich habe selbst einen Joint gedreht und wusste nicht, wie viel Stoff da hinein musste, ich war gewöhnlich immer eine Mitraucherin. Ich erwischte zu viel, mir wurde schlecht und ich bin umgefallen – damit war ich für ewig „geheilt“ (lacht).

Die Auftaktfolge für Ihre Figur Michi heißt „Neuanfang“, Sie haben seinerzeit auch einen Neuanfang gewagt oder machen müssen – wie sehen Sie das heute?
Generell ist für mich jeder Tag immer ein Wagnis. Jeder Neuanfang und jede Veränderung sind für mich ein Wagnis, wenn ich nicht in eine Routine verfallen möchte. Das versuche ich jeden Tag zu vermeiden.

Ist das mutig, jeden Tag ein Wagnis einzugehen?
Mutig finde ich übertrieben, sondern es ist mein Drang, nicht in eine Schablone gesteckt werden zu wollen. Ich möchte nicht in eine Gewohnheit verfallen, die mich langweilen würde. Für Routine bin ich viel zu neugierig im Leben.

War das schon immer so?
Ich bin ein Mensch, der gerne Neues entdeckt und sich nicht auf den alten Lorbeeren ausruht.

Ist das der Grund, warum Sie derzeit planen, von der Stadt aufs Land zu ziehen?
Nun, wir werden in München (D) immer einen Wohnsitz haben. Die Umzugspläne sind noch nicht konkret, weil noch die passende Bleibe fehlt. Ich würde mich gern am Ammersee niederlassen und bin überzeugt, das richtige Haus wird zu mir kommen.

Haben Sie Ihren Mann Bernd Schadewald, der ein Großstadtmensch ist, schon vom Landleben überzeugt?
Wir haben einen gemeinsamen Freund, der uns das quasi vorgemacht hat. Er hat ein Haus neu gebaut, und das hat auch meinen Mann für diese Idee beflügelt und motiviert. Wir sind oft auf dem Land und ich glaube, mein Mann hat jetzt immer mehr Lust auf so ein neues Leben (strahlt).

Sind Sie auch für einen Neubau?
Es muss nicht unbedingt ein Neubau sein. Wenn es ein Haus gibt, das uns beiden gefällt, ist das gut. Ich hätte gern einen offenen Kamin und eine Sauna im Haus. Die Vorliebe für einen offenen Kamin kommt sicher von meinen Eltern, sie waren Ofenbauer. Ich habe in jeder Wohnung bisher einen offenen Kamin gehabt. Und ich verzichte auch nur ungern auf eine Dampfsauna, denn das ist eine Privatsphäre, die ich zu schätzen weiß. Das sollte bitte beides bleiben.

Sie sind dreifache Oma. Ist es in Zeiten wie diesen mit der Corona-Pandemie schwer für Sie, Kontakt zu halten?
Meine Enkerln sind süß, ich liebe sie über alles. Cecilia wird bald fünf Jahre alt, Eloise ist zwei Jahre alt und dann ist da noch Max, der ist ein Jahr alt. Alle Enkerln sind von meiner älteren Tochter. Ich habe sie zuletzt im Sommer sehen können, da sind sie aus England in unser gemietetes Ferienhäuschen nach Tirol gekommen. Allerdings mussten sie, als sie zurück in England waren, in Quarantäne gehen, weil sie aus Österreich kamen, aber das haben meine Lieben zum Glück auf sich genommen.

Können Sie der derzeitigen Situation etwas Gutes abgewinnen?
Ich bin froh, diese Zeit in Zweisamkeit verbringen zu können. Ich habe Menschen gesehen, die alleine leben und denen es gar nicht gut ging.