Schmerzfreie Zähne im Alter – Teil 1
Die eigenen Zähne behalten und die „Dritten“ verhindern. Das wünscht sich die große Mehrheit der Menschen ab 40 Jahren in unserem Land. Mit dem Alter steigt jedoch das Risiko, dass Zähne und Zahnfleisch erkranken. Lesen Sie, wo die Gefahren lauern und welche Extra-Pflege Zähne im Alter benötigen.
Die Zahlen sind kein Grund zur Freude. Vier von fünf Menschen ab 40 Jahren in unserem Land haben Probleme an Zähnen und Zahnfleisch. Nur ein Fünftel ist völlig beschwerdefrei.

„Zu den häufigsten Beeinträchtigungen gehören Zahnstein, Zahnfleischrückgang und Parodontitis, Zahnlücken und schmerzempfindliche Zähne“, sagt Dr. Burkhard Selent von CP Gaba. Die in Wien angesiedelte Niederlassung des Konsumgüterkonzerns Colgate-Palmolive hat im Vormonat eine Umfrage im Internet durchgeführt und am Ende die Antworten ausgewertet. Das Ergebnis, die Bedeutung der Zahnpflege ist vielen bewusst, dennoch ist es um die Gesundheit im Mund ab dem 40. oder 50. Lebensjahr nicht besonders gut bestellt.

Die Gründe dafür sieht Universitätsprofessor Dr. Hady Haririan, Leiter der Abteilung für Parodontologie an der Zahnklinik der Sigmund Freud Privatuniversität, in den besonderen Bedürfnissen von Zähnen und Zahnfleisch im Alter. „Ein großes und enorm wichtiges Thema ist Parodontitis. Das ist eine von Bakterien verursachte schwere Entzündung des Gewebes, das den Zahn umgibt und ihn im Kieferknochen verankert. Dazu gehören Zahnfleisch, der Kieferknochen, Zahnzement und der Faserapparat. Wird die Erkrankung nicht früh erkannt und behandelt, kann es zum Abbau des Kieferknochens und zum Zahnausfall kommen. Das Heimtückische ist, anfangs verursacht diese Erkrankung keine Schmerzen. Patienten bemerken sie oft erst, wenn ein Zahn wackelt. Zu diesem Zeitpunkt ist die Erkrankung aber schon fortgeschritten.“ Eines der ersten Anzeichen für Parodontitis ist häufig Mundgeruch.

Paradontitis-Bakterien haben leichtes Spiel
Auslöser für Parodontitis sind neben einer genetischen Veranlagung Bakterien, die im Alter oft leichtes Spiel haben. „Parodontitis-Bakterien gewinnen Überhand, wenn die Immunabwehr geschwächt ist, etwa durch eine schlechte Durchblutung des Zahnfleisches oder gestörte Umbauvorgänge. Das ist bei medikamentös nicht gut eingestellten Diabetikern der Fall, aber auch bei Menschen, die seit Jahren rauchen. Die schlechte Durchblutung lässt die Abwehrzellen im Blut nicht zum Krankheitsherd im Zahnfleisch kommen. Mundtrockenheit kann den Bakterien ebenfalls zuspielen. Fehlt ausreichend Speichel und trinken ältere Menschen wenig, werden Bakterien nicht weggespült. All das macht es den Erregern leicht, zu überleben und sich zu vermehren“, erklärt Dr. Haririan und warnt davor, die Krankheit zu unterschätzen. „Die Parodontitis-Therapie wird unter lokaler Betäubung durchgeführt, denn die Zahnfleischtaschen müssen in der Tiefe gesäubert werden. Eine Gesundung ist möglich. Das Zahnfleisch kann sich wieder straff an den Zahn legen, aber der Kieferknochen, der durch die Entzündung zerstört wurde, kommt nicht wieder. Das Zahnfleisch zieht sich zurück und legt die Zahnwurzel frei. Werden die Zähne nicht gut gepflegt, droht Wurzelkaries. Sie ist häufig bei älteren Menschen.“

Kleine Bürsten und ihre große Wirkung
Um die Parodontitis-Gefahr zu bannen, ist neben der gründlichen Zahnreinigung zuhause und den halbjährlichen Zahnarztkontrollen die regelmäßige Untersuchung des Zahnhalteapparates durch den Zahnarzt wichtig. Die Parodontale Grunduntersuchung, kurz PGU, sowie das Benützen von Interdentalbürstchen sollten ab dem 40. Lebensjahr selbstverständlich sein.

„Die Bürstchen reinigen Zahn und Zahnfleisch zwischen den Zähnen von Ablagerungen und Bakterien. Die individuell richtige Größe empfiehlt das zahnmedizinische Fachpersonal. Für Patienten, die sich schwer tun, die Bürstchen gut in der Hand zu halten, gibt es eigens Griffverstärker, welche die Handhabe erleichtern“, ermutigt Dr. Haririan, Generalsekretär der Österreichischen Gesellschaft für Paradontologie.

Unbehandelte Parodontitis bringt häufig mit sich, dass Zähne verlorengehen oder gezogen werden müssen. Die Entscheidung, die Lücke stehen zu lassen, ist erstmals bequem, kann aber Probleme verursachen. „Fehlen Zähne, können sich die Nachbarzähne verschieben. Die darausfolgende Fehlstellung kann das Kauen negativ beeinflussen. Ein fehlender Zahn kann weiters dazu führen, dass der Gegenspieler oder Gegenbiss ‚aufsteigt‘. Das heißt, der entsprechende Zahn im Ober- oder Unterkiefer hat keine Funktion und erhebt sich. Das macht das Kauen problematisch, sowie das Anpassen einer Zahnprothese“, sagt Dr. Haririan und macht aufmerksam, dass jedes Kauproblem im Alter zu einer Mangelversorgung mit Nährstoffen führt. Fehlt also ein Zahn, ist für immer mehr Patienten ein Implantat die Therapie der Wahl. Eine Entscheidung, die im Sinne der Kiefergesundheit zu den besten gehört, wenn die Voraussetzungen dafür gegeben sind. „Für ein Implantat muss der ältere Patient ausreichend Kieferknochen haben, in dem das Implantat verankert wird. Und er muss in der Lage sein, geistig wie körperlich, das Implantat täglich gut zu reinigen. Andernfalls entzündet sich die Stelle und das Implantat, ob als Krone oder bei herausnehmbarem Zahnersatz, könnten verlorengehen.“

Schlecht sitzende Prothese schadet mehrfach
Die sechsmonatliche Kontrolle beim Zahnarzt sollte ein Leben lang erfolgen, auch wenn die eigenen Zähne weg sind. Vollprothesen müssen richtig sitzen, damit sie ihren Zweck erfüllen. Sitzen sie locker, „klappern“ sie, oder werden sie vom Patienten immer wieder herausgenommen, droht eine Unterversorgung mit Nährstoffen. Das ist im Alter eine große Gefahr für die Gesundheit.

„Zahnprothesen verlieren ihren Halt, wenn die Patienten plötzlich Gewicht verlieren. Mit den Jahren bildet sich auch der Kieferknochen zurück. Der Kieferkamm, auf dem die Prothese sitzt, schrumpft und sie hat keinen richtigen Halt mehr. Durch Unterfüttern oder Anpassen einer neuen Prothese lässt sich das Problem rasch beheben.“ Rutscht die Prothese, erschwert das aber nicht nur das Essen. Es bilden sich wunde Stellen im Mund, die äußerst schmerzhaft sind und die Lebensqualität drastisch senken.

Nächste Woche
Hilfe bei der Zahngesundheit für Pflegepatienten durch mobile Zahnärzte.