Lohn-Erhöhung trotz Corona-Krise?
Die Metaller-Verhandlungen läuten traditionell die Herbst-Lohnrunde ein. Wie hoch das Plus für die 190.000 Beschäftigten in der Metallindustrie ausfällt, ist ein Wegweiser für die Lohnverhandlungen in anderen Branchen. Zuletzt wurden die Metaller-Gehälter im Schnitt um 2,7 Prozent erhöht. Doch heuer würden die Arbeitgeber angesichts der Corona-Krise die Verhandlungen am liebsten verschieben. Davon halten die Gewerkschafts-Vertreter naturgemäß wenig.
JA:
Rainer Wimmer,
Gewerkschaft PRO-GE

„Es gibt für Arbeitgeber nie einen guten Zeitpunkt, mit der Gewerkschaft über höhere Löhne zu verhandeln. Vor der Krise geht es nicht, denn da müssen sie sparen. In der Krise geht es nicht, da haben sie kein Geld. Und nach der Krise geht es schon gar nicht, da müssen sie wieder sparen. Es ist zwar heuer mit Corona eine außergewöhnliche und schwierige Situation, aber der wirtschaftliche Tiefpunkt ist bereits überwunden und die Auftragsbücher der Betriebe füllen sich wieder. Außerdem: Umsatzeinbrüche wurden von der öffentlichen Hand durch die Kurzarbeit abgefedert. Eine
Verschiebung der Lohnrunde auf den Sankt-Nimmerleins-
Tag wäre in Wahrheit eine Null-Lohnrunde und damit pures
Gift für die heimische Wirtschaft. Mieten oder der tägliche Einkauf sind zuletzt wesentlich teurer geworden. Darum ist es enorm wichtig, das Einkommen der Menschen und die Kaufkraft rasch abzusichern. Wir fordern auch Fairness gegenüber den Arbeitnehmern ein, denn man darf nicht vergessen, dass viele zum Zeitpunkt des Zusperrens durchgearbeitet und unter Einsatz ihrer Gesundheit die Produktion und Lieferketten aufrechterhalten haben.“

NEIN:
Christian Knill,
Fachverband Metalltechnische Industrie

„Wir erleben die größte Wirtschaftskrise seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Die Arbeitslosigkeit explodiert, viele Branchen leiden unter Umsatzrückgängen. Auch unsere Industrie kämpft mit Einbrüchen von rund 20 Prozent, Tausende Arbeitsplätze wackeln. Wir verdienen acht von zehn Euro im Export, unser Angebot muss wettbewerbsfähig sein. Wenn wir jetzt die Lohnkosten erhöhen, steigen die Preise unserer Produkte und das wäre wie ein Schuss in das eigene Knie. Der Hausverstand sagt: In dieser Krise gibt es nichts zu verteilen, außer Sorgen. Deshalb wäre es sinnvoll, die Lohnverhandlungen zu verschieben. Wenn es wieder besser läuft, gibt es mehr Spielraum. Die Beschäftigten in der Metalltechnischen Industrie hatten in den vergangenen Jahren starke Lohnerhöhungen, unsere Branche zahlt hervorragend und bietet gute Arbeitsbedingungen. Wir müssen jetzt gemeinsam um Aufträge kämpfen, damit wir wieder Sicherheit und Zuversicht gewinnen. Und ja: auch die Kaufkraft muss gestärkt werden. Aber wir haben schon die höchsten Lohnkosten Europas. Also Steuern runter, das stärkt die Kaufkraft, ohne Arbeitsplätze zu gefährden.“